Porajmos (auch Porrajmos), wörtlich Das Verschlingen, ist ein Wort, das von den ziganischen Völkern verwendet wird, um den gegen sie gerichteten Teil des Holocaust zu benennen. Das Phänomen wurde bisher nur sehr zurückhaltend erforscht und wurde größtenteils durch das Maß des jüdischen Holocaust, der Shoah, an den Rand gedrängt.
Die Gemeinden der Roma in Osteuropa waren nicht so organisiert wie die jüdischen Gemeinden, sodass die Bestimmung der genauen Opferzahlen schwierig ist. Man geht von einem Bereich zwischen 200.000 und 800.000 Toten aus; offiziell wird häufig die Zahl 500.000 genannt.
Von dem bei den genannten Zahlenangaben mit berücksichtigten kleineren, ebenfalls ziganischen Volk der Sinti wurden (ab 1938) 85 Prozent in Konzentrationslager interniert, von denen nicht mehr als zwölf Prozent überlebten.
Die Jenischen gerieten ebenso ins Visier der nationalsozialistischen Politik. Obwohl im Nationalsozialismus Publikationen und Schriftreihen des Reichsgesundheitsamtes und der "Rassentheoretiker" Robert Ritter und Eva Justin die Jenischen als mit den Roma und Sinti ethnisch nicht verwandte Gruppe darstellen, wurden die jenischen Menschen als so genannte "Zigeunermischlinge" oder "Asoziale" verfolgt, in Konzentrationslager deportiert und vielfach ermordet. Im Weltbild der Nazis widersprachen "Mischlinge" noch stärker der Vorstellung einer "reinen Rasse" als die von ihnen zu "minderwertigen", aber "reinrassigen" Menschen erklärten Personen. Ihr Schicksal im Dritten Reich ist jedoch noch weitestgehend unerforscht, wohl nicht zuletzt, weil sie bis in die neueste Zeit keine eigenen Organisationen hatten, die entsprechende Öffentlichkeitsarbeit leisten könnten.
Erst in letzter Zeit hat die Gemeinschaft der Sinti und Roma begonnen, zu verlangen, als Opfer des Holocaust anerkannt zu werden.
Dokumentationen dieser Konferenz sind sehr unvollständig. Aufgrund der überlebenden Dokumentationen kann rekonstruiert werden, dass vier Punkte beschlossen wurden:
Ein Expressbrief des Reichssicherheitshauptamts vom 17. Oktober 1939 zu den Verladestellen erwähnte, die "Zigeunerfrage" werde in Kürze gründlich im Reichsgebiet geregelt werden. Adolf Eichmann empfahl, die "Zigeunerfrage" solle gleichzeitig mit der "Judenfrage" gelöst werden.
Im Gedächtnisbuch der Sinti und Roma, die in Auschwitz-Birkenau starben, steht dazu folgendes:
Sinti und Roma blieben oft lange Zeit staatenlos, weil ihnen unter Hitler die Staatsangehörigkeit entzogen worden war. Erst während der 80er-Jahre bekamen die letzten auf erheblichen Druck der Öffentlichkeit ihre deutsche Staatsbürgerschaft wieder.
Eine Entschädigung, selbst bei schwersten gesundheitlichen Schäden, verwehrten die Landesentschädigungsämter den betroffenen Sinti und Roma. 1956 entschied der Bundesgerichtshof, die Sinti und Roma seien schon vor 1943 nur zur "Kriminalprävention" inhaftiert worden, nicht aus rassischen Gründen. Dieses Urteil wurde 1963 aufgehoben; nicht allerdings die darauf beruhenden Gerichtsentscheidungen. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma erreichte 1981 eine Härtefallregelung für die Betroffenen und konnte in einzelnen Fällen Wiedergutmachungszahlungen erwirken. Viele Verfahren blieben aber noch bis in die 90er-Jahre offen.
Als nächstes versuchte der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und die Gesellschaft für Antiziganismus, ein eigenes Mahnmal durchzusetzen. Dies wurde von Seiten der Politik, vor allem Christina Weiss, und Vertretern deutscher Juden und von Juden in Deutschland, unterstützt. Anfang 2004 wurde der Bau allerdings verzögert.
Die Sinti Allianz Deutschland spricht sich durch ihre Vorsitzende Natascha Winter dagegen aus:
Die vormalige Kulturstaatsministerin Christina Weiss versuchte, einen Kompromiss zu finden, konnte aber bisher keine überzeugenden Vorschläge anbieten. Sie äußerte sich auch wenig hilfreich, wenn kein Kompromiss gefunden werden könne, werde ein Mahnmal gebaut, auf dem der Streit dokumentiert sei.
In Deutschland ist man auf der non-ziganischen Seite fast unisono der Meinung, der Mord an den ziganischen Völkern sei nicht mit dem Mord an den Juden zu vergleichen. Historiker, wie der Stuttgarter Professor Eberhard Jäckel sprechen in diesem Zusammenhang von "Legendenbildungen bezüglich der Zigeuner, die sich sehr geschickt den verfolgten Juden gleichstellen möchten". Der kulturpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Eckhardt Barthel erklärte beispielsweise: "Der Vorsitzende des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, Herr Romani Rose, beharrt darauf, als Inschrift ein Zitat Roman Herzogs zu verwenden, das eine Gleichsetzung des Völkermordes an Sinti und Roma mit dem an den Juden nahe legt. Ohne die Nazi-Verbrechen an Sinti und Roma oder anderen Volksgruppen relativieren zu wollen ist dies wissenschaftlich so nicht haltbar"
Im Ausland, vor allem den USA, ist man sich da nicht so einig. Die Behauptungen, weshalb nur die Juden, nicht aber die ziganischen Völker auf einzigartige Weise getötet worden seien, wurden dort mit Gegenargumenten versehen.
Die "Zigeuner" wurden dabei sogar noch rigider verfolgt, als die Juden.
Ein deutscher Innenminister äußerte sich noch 1950: "Weil sie nicht aus rassischen Gründen,sondern wegen ihrer asozialen und kriminellen Haltung verfolgt worden seien", stehe ihnen keine Entschädigung zu. Im gleichen Tenor war auch das Urteil von 1956.
Die Anerkennung ist immer noch nicht vollständig vollzogen; in anderen Ländern werden Roma immer noch verfolgt. Die Relativierung von Porajmos, weil sie keine Juden seien, kommt so vielen Sinti und Roma als Verhöhnung und Verharmlosung von Porajmos vor.
Diese Haltung ist offenbar ein deutsches Phänomen, das im Ausland größtenteils nicht mitgetragen wird. In der Schweiz erarbeitete die Historikerkommission "Schweiz - 2. Weltkrieg" eine eigene Dokumentation Roma, Sinti und Jenische. Schweizerische Zigeunerpolitik zur Zeit des Nationalsozialismus.
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