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Die Pomaken sind eine vorwiegend in Bulgarien lebende, den Rhodope-Dialekt der bulgarischen Sprache sprechende muslimische Volksgruppe. Daneben existiert auch in Griechenland noch eine pomakische Minderheit, welche heute aber hauptsächlich Türkisch spricht. Diese Tatsache ist darauf zurückzuführen, dass die Pomaken auf Grund ihrer Zugehörigkeit zur muslimischen Minderheit an den Schulen in Türkisch unterrichtet werden. Pomakisch wurde zur Familiensprache reduziert und wird heute hauptsächlich von den Pomaken gesprochen, die in den ehemaligen militärischen Sperrgebieten residierten. In Griechenland gibt es etwa 30.000 Pomaken, während der größere Teil der Pomaken (ca. 250.000) in Bulgarien lebt.

Die Etymologie der Bezeichnung "Pomak" stammt aus dem slawischen Wort "pomatschen", was so viel wie "unterdrückt" bedeutet.

Herkunft und Geschichte


Gegenwärtig ist die Einordnung ihres Ursprungs höchst umstritten. Als weitgehend gesichert gilt jedoch eine indoeuropäische (also thrakische, teilweise auch griechisch-hellenistische sowie slawische) ethnische Abstammung. So sind viele Pomaken eindeutig helleren Typs, ihre physischen Merkmale sind relativ häufig blond sowie blauäugig.

Auch wenn sich der Topos einer organisierten, gewaltsam geförderten Zwangsislamisierung der Rhodopenbevölkerung bis in die heutige Zeit hält, sind die Gründe für die Konversion wesentlich vielschichtiger. Vorrangig soziale und ökonomische Faktoren haben diese Entwicklung begünstigt. Zwangsislamisierungen waren, mit Ausnahme der "Knabenlese", eher Ausnahmefälle während der Osmanenherrschaft. Ob ein Teil der in den Rhodopen ansässigen Bevölkerung sich zu den Häresien des Bogomilismus oder dem Paulikianismus bekannte und daher relativ geringe Berührungsängste mit dem Islam hatte, kann spekuliert werden, ist jedoch letztendlich nicht endgültig bewiesen.

Die in Griechenland lebenden muslimischen Minderheiten setzen sich u.a. aus ethnischen Türken und Pomaken zusammen. Muttersprachlich muss klar zwischen Türkisch sprechenden und Pomakisch sprechenden Pomaken unterschieden werden. Bei Ersterem handelt es sich um diejenigen Pomaken, die außerhalb der ehemaligen militärischen Sperrgebiete inmitten der türkischen Minderheit residierten bzw. Kinder von Mischehen waren. Bei Letzterem handelt es sich um diejenigen Pomaken, die in den besagten Gebieten lebten. Diese sprechen auf Grund der jahrzehntelangen Isolation wiederum kein Türkisch.

Muslimische Minderheit


In Griechenland sind die Pomaken nicht als ethnische, sondern zusammen mit den ethnischen Türken und den muslimischen Roma lediglich nur als muslimische Minderheit anerkannt und werden an den Minderheitsschulen neben der griechischen in der türkischen Sprache unterrichtet - nicht aber in der pomakischen Sprache.

Angaben über die Zahl der Pomaken weichen stark voneinander ab. Bei der bulgarischen Volkszählung 1992 identifizierten sich 65.500 als Pomaken. Andere Quellen sprechen aber davon, dass die wahre Zahl der Pomaken in Bulgarien bei etwa 250.000 liegt. Das kann damit erklärt werden, dass sich die Türkisch sprechenden Pomaken Bulgariens bei Volkszählungen selbst meist als Bulgarien-Türken identifizieren. Begünstigt wird diese Haltung durch den gleichen Glauben sowie durch die gemeinsame Geschichte mit den Bulgarien-Türken.

Die Zahl der Pomaken in Griechenland liegt dagegen bei etwa 30.000 und stellt somit gut ein Viertel der muslimischen Minderheit Griechenlands dar. Die Pomaken Griechenlands residieren gemäß dem Friedensvertrag von Lausanne von 1923 nahezu alle in Westthrakien.

Kultur


Einen hohen Stellenwert bei den Pomaken hat die Volksmusik, die über einen unvergleichbaren Reichtum an teils jahrhundertealten Liedern verfügt. Die Lieder wurden von Generation zu Generation weitergegeben, zumeist mündlich. Es wird auch berichtet, dass viele ältere pomakische Frauen bis zu 500 Liedtexte beherrschen. Dass die Pomaken verhältnismäßig viel von ihrer eigenen Identität und Kultur bewahren konnten, liegt wohl auch an der Isolation der schwer zugänglichen Berggebiete, welche sie meist bewohnen. Die Isolation wurde dadurch begünstigt, dass die Dörfer der Pomaken in einem Gebiet liegen, das zu Zeiten des Kalten Kriegs auf Grund der Nähe zu Bulgarien zu militärischem Sperrgebiet wurde und bis 1995 nur mit Ausnahmegenehmigungen bereist oder verlassen werden durfte. Seit der Aufhebung der Beschränkungen ist eine starke Abwanderung vor allem der jüngeren Generation in die Städte und damit einher gehend eine immer weiter abnehmende Kulturpflege festzustellen. Dass bisher keine pomakische Schriftsprache geschaffen wurde, begünstigt den Verlust von pomakischer Kultur.

Seit wenigen Jahren erscheint in Xanthi regelmäßig eine Zeitung in pomakischer Sprache, allerdings in der für das Pomakische ungünstigen griechischen Schrift.

Christentum


In letzter Zeit ist insbesondere bei den bulgarischen Pomaken ein starker Trend zur Rückkehr in den christlichen Glauben festzustellen. Die Gründe hierfür mögen vielfältig sein, unter anderem hängt dies aber sicher auch mit einer staatlichen Forcierung zusammen. Dieser Prozess wird zudem von Geistlichen wie z.B. dem Priester Bojan Saraew, welcher selber ein Pomake ist, forciert.

Siehe auch Torbeschen als Bezeichnung der slawischen Muslime in Mazedonien.

Literatur


Alexander Velinov, Religiöse Identität im Zeitalter des Nationalismus. Die Pomakenfrage in Bulgarien. Köln 2001 (Diss.) <dbb>

Eminov, Ali: Turkish and other Muslim Minorities of Bulgaria. London: Hurst & Company.

Karagiannis, Evangelos: Zur Ethnizität der Pomaken in Bulgarien, 1997.

Telbizova-Sack, Identitätsmuster.

Karpat, Kemal: The Turks of Bulgaria.

Weblinks


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