Polysemie (von griechisch poly „viel“ und sema „Zeichen“) bezeichnet die durch unterschiedlichen Gebrauch herausgebildete Mehrdeutigkeit von Wörtern. Polyseme müssen miteinander verbunden oder auf eine gemeinsame etymologische Wurzel zurückzuführen sein. Ist dies bei mehrdeutigen Wörtern nicht der Fall, so liegt stattdessen Homonymie vor. Die Polysemie ist also ein linguistisches oder lexikologisches Phänomen, das sich nicht unmittelbar aus dem Gebrauch eines lexikalischen Zeichens ablesen lässt.
Polyseme können auf verschiedene Weisen entstehen. Dort, wo es auf die genaue Bedeutung ankommt, sollten durch die Verwendung von Polysemen entstehende Mehrdeutigkeiten vermieden oder aufgelöst werden.
Viele Polyseme entstehen dadurch, dass ein Ausdruck durch Verwendung in einem speziellen Kontext eine leicht veränderte Bedeutung erfährt. Auf diese Weise kann aus einem allgemeinen Begriff ein neuer Fachbegriff einer Fachsprache entstehen. Aber auch der umgekehrte Weg ist möglich, wenn ein spezieller Begriff mit der Zeit auch in generischer Bedeutung verwendet wird, wie dies bei generalisierten Markennamen der Fall ist.
Ein Spezialfall der Polysemie ist die reguläre Polysemie. Reguläre Polysemie liegt bei Gruppen von lexikalischen Zeichen vor, wenn von jeweils einer Bedeutung regulär eine zweite Bedeutung erschlossen werden kann. So kann bei lexikalischen Zeichen, die Institutionen bezeichnen auf eine weitere, die Mitglieder der Institution oder das Gebäude dieser Institution bezeichnende Bedeutung geschlossen werden.
In den folgenden Beispiel bezeichnet Schule eine Institution, eine Personengruppe und ein Gebäude:
Diese Form der Polysemie wird im Wörterbuch nicht erfasst.
Eine weitere Form der Mehrdeutigkeit ist die Bedeutungserweiterung durch übertragenen Gebrauch. In dem Satz Peter ist eine Banane wird das lexikalische Zeichen Banane nicht in einer neuen, Personen bezeichnenden Bedeutung verwendet. Es werden lediglich bananentypische Eigenschaften, z.B. die, lang und krumm zu sein, auf Peter übertragen. Auch diese Form der Mehrdeutigkeit wird nicht in Wörterbüchern kodiert. Wenn sich diese Form der Bedeutungsübertragung aber im Gebrauch verfestigt, wird dies auch in Wörterbüchern registriert (Beispiel Schwein in: Peter ist ein Schwein).
Bei der Wörterbucherstellung (Lexikografie) wird die Mehrdeutigkeit von sprachlichen Zeichen dadurch erfasst, dass in einem Artikel zu dem betreffenden sprachlichen Zeichen mehrere semantische Kommentare, zu jeder Bedeutung einer, erstellt werden.
Polyseme und homonyme lexikalische Zeichen erweisen sich auch als Problem bei der Indexierung innerhalb der Dokumentation, wo durch einzelne, definierbare Schlagwörter ein Sachverhalt erschlossen werden soll. Aus diesem Grund werden die Schlagwörter in einem kontrollierten Vokabular voneinander abgegrenzt.
Polysemy | Polisemia | Polysémie | Polisemia | Polisemia | 多義語 | Polysemi | Polisemia | Полисемия
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