Die Polycythaemia vera (PV) ist eine seltene myeloproliferative Erkrankung, bei der sich alle Zellen im Blut übermäßig vermehren.
Dies betrifft vor allem die Erythrozyten, aber auch die Thrombozyten und Leukozyten.
Vorkommen
- Inzidenz: 8-10 / 100000
- Altersgipfel: 50-60 Lebensjahrzehnt
- m:w = 1:1
Pathogenese
Das Krankheitsbild beruht auf einer ursächlich noch ungeklärten Transformation multipotenter Stammzellen. Die betroffenen blutbildenden Stammzellen sind von der Stimulation durch
Erythropoetin (Epo) unabhängig, und zeigen eine hundertfach erhöhte Sensitivität auf Wachstumsfaktoren wie IGF-1 (
Insulinelike-
Growth-
Factor-1) und IL-3 (
Inter
Leukin-3).
Folgen
Durch die erhöhte Anzahl der
Thrombozyten,
Leukozyten und
Erythrozyten wird das Blut dickflüssiger. Es besteht die Gefahr einer
Thrombose und in der Folge
Embolie, gleichzeitig aber auch
Blutungsgefahr, weil die Thrombozyten funktionsgestört sind.
Die Krankheit kann in bis zu 10% langfristig in eine akute Leukämie oder eine Osteomyelofibrose übergehen.
Symptome
Die erhöhte Zellvermehrung führt zu einer Zunahme des Blutvolumens, welche das klinische Bild bedingt:
- rotes Gesicht (Plethora)
- blaurote Schleimhäute
- zähflüssiges Blut führt zu:
- Hypertonie,
- Kopfschmerzen,
- TIA (Durchblutungsstörungen),
- Sehstörungen,
- Müdigkeit,
- Herzinsuffizienz,
- Dyspnoe
- gehäufte arterielle und venöse thomboembolische Ereignisse
- trotz Thrombozytose ist die Blutungsneigung gesteigert
- Hepatosplenomegalie
- Juckreiz besonders bei Wärme
Diagnostik
Die Vermehrung der Erythrozyten lässt sich im
Labor durch Messung des
Hämatokrit oder des
Hämoglobins nachweisen. Auch Leukozyten und Thrombozyten sind im
Blutbild vermehrt. Die
Blutsenkung (BSG) ist verlangsamt, die
Harnsäure vermehrt.
Zudem sind die Alkalische Leukozytenphosphatase (
ALP) und das Vitamin
B12 zu hoch.
Therapie
Regelmäßige
Aderlässe sind die beste Therapie, helfen aber nicht gegen die Thrombozytenvermehrung. Diese kann nur durch eine
Chemotherapie beeinflusst werden.
Diese zytoreduktive Therapie kann mit Hydroxyharnstoff (siehe
Zytostatikum),
Interferon und in seltenen Fällen mit Radiophosphor erfolgen. In der Erprobung sind weitere Medikamente wie Anagrelide.
Das Auftreten von Thrombosen und Embolien aufgrund der erhöhten Thrombozytenzahl kann durch ASS (
Acetylsalicylsäure) vermindert werden.
Weblinks
''Das MPD-Netzwerk e.V. ist eine Internet-Selbsthilfegruppe
für PatientInnen mit chronischen myeloproliferativen
Erkrankungen (MPD) und deren Angehörige.
Es ist als gemeinnütziger Verein beim Amtsgericht Lüneburg
eingetragen.''
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