Polo3.jpg Polo ist eine Mannschaftssportart, bei die auf Pferden reitenden Spieler einen 7-8 Zentimeter großen 130 Gramm schweren Ball mit einem langen Holzschläger in das gegnerische Tor schlagen müssen. Jeder Spieler braucht im Wettkampf als Schutz einen Polohelm mit optionalem Gesichtsschutz und mehrere Pferde zum Wechseln, um die Belastung für die Tiere erträglich zu gestalten.
Durch die englische Kavallerie Offiziere der Lancers = Ulanen in Indien kam Polo im 19. Jahrhundert nach Großbritannien. 1859 wurde der erste englische Polo-Club gegründet. Polo war 1900, 1908, 1920, 1924 und 1936 olympische Disziplin. Die ersten drei Turnier gewann jeweils ein britisches Team, die letzten beiden ein argentinisches Team.
Jeder Polospieler hat je nach Leistungsstärke ein persönliches Handicap, das bei -2 beginnt und bis +10 gehen kann. Die besten Polo-Spieler der Welt mit einem HDC von +10 kommen fast alle aus Argentinien. Die Summe der vier Einzelhandicaps bilden das Gesamthandicap einer Mannschaft. Wenn Mannschaften mit unterschiedlichen Handicaps antreten, erhält die Mannschaft mit dem geringeren Handicap einen Tore-Vorsprung. High Goal Polo ist die höchste Spielklasse; hier beginnt das Mannschafts-Handicap bei +8. Geregelt ist bei jedem Turnier auch die Anzahl zulässiger Spieler aus dem Ausland, die meist als Profis aus Argentinien engagiert werden.
Die englische Hurlingham Polo Association (HPA) fungiert als internationaler Dachverband des Polosports und pflegt auch die Liste der Handicaps international aktiver Polospieler.
Der Schutz der Pferde ist die oberste Maxime des Regelwerks. So darf ein Pferd nicht in zwei aufeinander folgenden Chuckas eingesetzt werden, und jede mögliche Gefährdung eines Tieres führt zur sofortigen Unterbrechung des Spiels (hingegen geht bei Sturz eines Spielers das Spiel weiter). Die strenge Einsatzregel erzwingt es, dass ein Spieler pro Turnier etwa mit vier bis sechs Pferden anreisen muss.
Der Spieler trägt zwingend vorgeschrieben einen Helm. Polohelme fallen breiter aus als klassische Reithelme, das hat aber rein ästhetische Gründe, weil der Polohelm seine Wurzeln in den Tropenhelmen der Kolonialzeit hat.
Das kurzärmelige Polohemd hat aus dem Polosport seinen Einzug in die allgemeine Freizeitkleidung gefunden. Häufig tragen die Spieler spezielle Handschuhe mit verstärktem Rücken als Schutz gegen Schläge sowie Knieschoner. Wurden noch bis in die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts klassische weiße Reithose (oftmals in ihrer ausgestellten Form, "Breeches") getragen, so sieht man heutzutage fast ausschließlich weiße Jeans, entweder normale Freizeitmodelle oder spezielle Varianten ohne Innennaht.
Gerne werden "Gaucho Belts", Gürtel mit traditionellen argentinischen Webmustern, getragen. Die Polostiefel sind zumeist mit Sporen versehen.
Wenn die Spieler eine Reitgerte benutzen, ist sie in der linken Hand zu halten. Meist kommen überlange (bis 1,2m) Modelle zum Einsatz.
Der Poloschläger wird immer rechts gehalten (auch von Linkshändern). Er besteht aus einer hölzernen zylinderförmigen Schlagfläche, die an der dem Pferd zugewandten Seite abgeschrägt ist und wegen ihrer Form auch "Zigarre" genannt wird. Die Griffverlängerung ist aus Bambus gefertigt, der Griff ist ähnlich geformt wie bei einem Hockeyschläger. Eine Schlaufe, die ums Handgelenk gewickelt wird, verhindert, dass der Spieler seinen Schläger verliert, wenn er ihn versehentlich loslässt. Die Länge der Schläger variiert je nach Größe des Spielers und seines Pferds, sie wird in Zoll gemessen. Gängige Poloschläger reichen von 48 bis 53 Zoll. Bemerkenswert ist, dass anders als in vielen anderen Sportarten hier so gut wie keine technische Weiterentwicklung erfolgt ist, sondern die Sportgeräte im Prinzip in ihrer Urform weiterbestehen.
Unangefochtener Marktführer für Turnier-Oberbekleidung ist der argentinische Hersteller "La Martina". Schläger und Stiefel stammen oft von mittelständischen Handwerksbetrieben aus Argentinien. Die Modemarke "Polo Ralph Lauren" trägt zwar das Emblem eines Polospielers, fertigt aber keine spezielle Ausrüstung für den Polosport.
In Deutschland gibt es 2005 ca. 300 aktive Polo-Spieler. Historisch bedingt dürfte Hamburg sich die Ehre als inoffizielles Zentrum des Polosports geben; der Hamburger Polo Club in Flottbek ist der älteste deutsche Club; gleich zwei Highgoaler sind dort ansässig, die beide eine eigene Poloschule unterhalten; auch der Sitz der Geschäftsstelle des Deutschen Poloverbands ist dort. Hier wird traditionell das bedeutendste deutsche Turnier, der Rolex Crown Cup, ausgetragen.
In der Anzahl der Clubs ist der Großraum Berlin-Brandenburg führend, wo auch die Deutschen Polo-Meisterschaften ausgetragen werden. Daneben gibt es Polo-Vereine im Umfeld aller anderen deutschen Großstädte, insbesondere in München, Frankfurt am Main und Düsseldorf.
Der beste deutsche Spieler mit einem Handicap von +5 ist Thomas Winter aus Hamburg (2006) gefolgt von Christopher Kirsch aus Hamburg mit einem HDC von +4. Weitere Spieler sind beispielsweise Sven und Joe Schneider, Moritz Gädeke, Stephan Louis oder Peter Ostendorf. Die jüngsten aktiven Polospieler in Hamburg unter der Leitung von Thomas Winter sind Heinrich Dumrath (13), Kay Gust (15)und Pia Gust (17)(wohl jüngste aktive Nachwuchsspielerin der Stadt).
Die deutsche Poloszene wird durch ausländische Spieler ("playing pros") und Pferdepfleger ("grooms") unterstützt, die sowohl in sportlicher Hinsicht als auch in Sachen Brauchtum und Tradition eine wichtige Stütze des Sports in Deutschland sind.
In Hamburg und am Chiemsee gibt es mehrere Poloschulen, die dem Einsteiger die sonst fast unvermeidliche Reise nach England oder gar Argentinien ersparen.
Auch der Gitarrist Mike Rutherford (Genesis, Mike & the Mechanics) spielt Polo auf Turnierniveau, ebenso das Model Jodie Kidd, der deutsche Kino- und Fernsehstar Heino Ferch oder der englische Fernsehkoch Jamie Oliver.
Sicherlich überregionale Bekanntheit dürfte der Hamburger Kaufmann Albert Darboven genießen, der den Sport in Deutschland maßgeblich gefördert und populär gemacht hat.
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