Der Begriff Politik wird aus dem griechischen Begriff Polis für Stadt oder Gemeinschaft abgeleitet. Politik ist das Öffentliche: Die zielgerichteten Handlungen und Ordnungen, die allgemein verbindlichen Regeln sozialer Gemeinschaften oder eines oder mehrerer Staaten bestimmen. Es sind menschliche Vorstellungen zur Gestaltung der gesellschaftlichen und staatlichen Verhältnisse, die jeder Mensch durch Vernunft, Religion, Emotion und anderen Erkenntnisquellen entwickeln und formulieren kann.
Nach Thomas Meier ist Politik definiert als „Gesamtheit aller Aktivitäten zur Vorbereitung und Herstellung gesamtgesellschaftlich verbindlicher und/oder am Gemeinwohl orientierter und der ganzen Gesellschaft zu gute kommender Entscheidungen“.
Nach einer moderneren Modellvorstellung (Politikwissenschaft) werden „die Paradigmen der Integrationswissenschaft und der Demokratiewissenschaft heute zunehmend durch die Teilung der Disziplin Politikwissenschaft in die Teildisziplinen Polity, Politics und Policy ersetzt“.
Allgemein bezeichnet Politik einen Prozess mit dem Ziel, zu allgemein verbindlichen Entscheidungen zu kommen, indem sich mehrere Interessengruppen, Parteien, Organisationen oder Personen gezielt daran beteiligen. Politische Vorstellungen werden durch demokratische Legitimierung der Mehrheit des Volkes verbindliches Recht des Staates.
Fälschlicherweise wird Politik oft lediglich auf Parteien, Politiker und Entscheidungen, die für einen Staat oder mehrere Staaten (Internationale Politik) gelten, bezogen. Politik bestimmt jedoch auch die Beziehungen einzelner gesellschaftlicher Gruppen, Unternehmen und Organisationen zueinander. Ebenso betreiben auch Gruppen mit verschiedenen Interessen innerhalb einer Organisation durch gezieltes Argumentieren und Agieren Politik, um ihre Ziele zu erreichen.
Politik hat naturgemäß mit Machteinfluss zu tun. Dieser Einfluss kann positiv wie negativ verwendet werden. Politik im Staat ist erst möglich, wenn der Staat die wesentliche Machtfunktion inne hat (Machtmonopol) und die Menschen durch die erzwungene Teilnahme am Staat bindet. Der Erfolg dieser Politik misst sich im Ansammeln von Macht (zum Beispiel Wählerstimmen).
Der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Politik widmet sich die Politikwissenschaft.
Geschichte der Politik
Altertum
Früh befassten sich Gelehrte damit, wie Politik auszusehen hat, dabei waren die Fragen: 'Was ist eine gute und gerechte Staatsordnung?' und 'Wie erlangt man wirklich Macht im Staat?' im Mittelpunkt der Diskussion. Schon im
Altertum vergleicht beispielsweise
Aristoteles (
384 bis
322 v. Chr.) alle ihm bekannten
Verfassungen (
Politische Systeme) und entwickelte eine auch heute viel zitierte
Typologie in seinem Werk 'Politik'. Neben der Anzahl der an der Macht Beteiligten (einer, wenige, alle) unterschied er zwischen einer guten gemeinnützigen Ordnung (
Monarchie,
Aristokratie,
Politie) und einer schlechten eigennützigen
Staatsordnung (
Tyrannis,
Oligarchie,
Demokratie). Erste geschriebene
Gesetze belegen, dass Politik sich nicht nur mit den Herrschenden, sondern auch früh schon mit sozialen Regeln befasste, die bis heute überliefert wurden. Der
Codex Hammurapi (
Babylon, etwa
1700 v. Chr.) oder das
Zwölftafelgesetz (
Rom, etwa
450 v. Chr.) sind Beispiele verbindlicher Regeln, die sicher als Ergebnis von Politik gewertet werden können. Befasst man sich mit den Politikern der
Römischen Republik und dem
Römischen Kaiserreich, erkennt man viele Elemente damaliger Politik auch heute noch. Es wurde mit Kreide Wahlwerbung an die Hauswände geschrieben (etwa in
Pompeji). Es gab einen komplexen Regierungsapparat und hitzige Rivalität zwischen den Amtsträgern.
Korruption war ein Thema der
Gesetzgebung und römischer Gerichtsverhandlungen. Briefe
Ciceros an einen Verwandten belegen, wie gezielt die Wahl in ein Staatsamt auch taktisch vorbereitet wurde.
Mittelalter
Mit dem Verfall des Römischen Reiches verlor Politik in Europa wieder an Komplexität und die Gemeinwesen wurden wieder überschaubarer, Konflikte kleinräumiger. In der Zeit der
Völkerwanderung und des frühen
Mittelalters war Politik mehr kriegerische
Machtpolitik und weniger durch
Institutionen und allgemein akzeptierte Regeln geprägt. Je stärker der
Fernhandel,
Geld und
Städte wieder an Bedeutung gewannen, desto wichtiger wurden wieder feste
Machtzentren gebraucht und desto wichtiger wurden Institutionen. Beispielsweise bildeten sich die
Hanse als Interessen und Machtverbund einflussreicher sich selbst regierender Städte. Wichtiges relativ konstantes Machtzentrum war die katholische
Kirche. Aus sozialen Gemeinschaften, die bestimmten Führern die Treue schworen (
Personenverbandstaat) wurden langsam
Erbmonarchien mit festen
Grenzen.
Neuzeit
In
Frankreich entwickelte sich der Urtypus des
absolutistischen Herrschers, in
England entstand die an Recht und Gesetz gebundene
konstitutionelle Monarchie. Dort waren bald auch die wohlhabenden
Bürger offiziell an der Politik beteiligt. Mit der Zeit wurde dann das
Zensuswahlrecht auf größere Teile der Bevölkerung ausgeweitet. In der Zeit der Aufklärung erdachten Gelehrte neue Modelle der Staatskunst. Statt
Niccolò Machiavellis Modell der absoluten Macht, das sein Buch '
Der Fürst' (
Il Principe) zeichnete, definierte
John Locke das Modell der
Gewaltenteilung. Die
Bürgerlichen Freiheiten wurden durch verschiedene Philosophen gefordert und mit
Thomas Jeffersons Menschenrechtserklärungen und der amerikanischen
Verfassung begann die Zeit der modernen Verfassungsstaaten. Die
französische Revolution und die Feldzüge
Napoleons wälzten Europa um. Mit dem
Code Civil in Frankreich wurden die
Bürgerrechte festgelegt, überall fielen allmählich die Standesschranken. Politik wurde zu einer Angelegenheit des ganzen Volkes. Es entstanden Parteien, die zuerst von außen eine
Opposition organisierten um später selbst die
Regierung zu stellen. Einige
Parteien wie die
SPD oder später die
Grünen entstanden aus
sozialen Bewegungen wie der
Arbeiterbewegung oder der Anti-Atom- und
Friedensbewegung, andere formierten sich vor einem religiösen Hintergrund (
Zentrum). Im
20. Jahrhundert kam es schließlich zur Herausbildung internationaler Organisationen mit zunehmenden Einfluss auf die Politik. Der erste Versuch im sogenannten
Völkerbund eine Völkergemeinschaft zu bilden, scheiterte mit dem
Zweiten Weltkrieg. Heute existieren neben den
Vereinten Nationen als Vereinigung aller souveränen Staaten im Bereich der Wirtschaft zusätzlich die Welthandelsorganisation
WTO. Im Übergang zwischen
Internationaler Organisation und föderalen Staat befindet sich die
Europäische Union.
Politikbereiche
- nach der räumlichen Abgrenzung
- nach Sachgebieten
Politische Systeme und Ideologien
Anarchismus --
Autoritarismus --
Demokratie --
Diktatur --
Faschismus --
Institutionalismus --
Kapitalismus --
Kommunismus --
Konservatismus --
Kontextualismus --
Politischer Liberalismus --
Neoliberalismus --
Marxismus --
Nationalismus --
Nationalsozialismus--
Parlamentarismus --
Sozialdemokratie --
Sozialismus --
Totalitarismus --
Kommunitarismus
Klassische politische Denker
Platon --
Aristoteles --
Niccolò Machiavelli --
Baruch de Spinoza --
Jean Bodin --
Hugo Grotius --
Charles de Montesquieu --
Jean-Jacques Rousseau --
Thomas Hobbes --
John Locke --
John Stuart Mill --
Karl Marx --
Michail Bakunin --
Max Weber --
John Rawls --
Hannah Arendt --
Politik nach Ländern
Siehe: Kategorie:Politik nach Ländern
Literatur
- Christine Schulz-Reiss: Nachgefragt: Politik. Basiswissen zum Mitreden. Loewe Verlag, Bindlach 2005, ISBN 3-7855-5387-0
- Manfred G. Schmidt: Wörterbuch zur Politik. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-520-40402-8
- Mathias Albert: Zur Politik der Weltgesellschaft. Verlag Velbrück Wissenschaft, Weilerswist 2002, ISBN 3-934730-49-3
Siehe auch
- Politische Partei, Politiker, Blockadepolitik, Politikgeschichte, Politikverdrossenheit, Gewaltenteilung, Föderalismus, Politikversagen, Regierungsform, Reformen, Revolution, Post-Politik, Ordnungspolitik, Sozialpolitik, Politcommunity, Staatstheorie, Politiktransfer, Politikmarketing, Thematisches Programm, Thematische Strategie
Weblinks
Politik
Politiek | Politica | سياسة | Política | Политика | রাজনীতি | Politikerezh | Politika | Política | Politika | Politika | Politik | Politics | Politiko | Política | Poliitika | سیاست | Politiikka | Politique | Politiche | Polityk | Polaitíocht | Política | פוליטיקה | Politika | Politika | Politica | Politik | Politiko | Politica | 政治 | პოლიტიკა | 정치 | Politica | Politik | Polletiek | Politiki | Politik | Politik | Politiek | Politikk | Polityka | Política | Политика | Polìtica | Pulitica | Politics | Politik | Siasa | การเมือง | Politika | Politika | Політика | 政治