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Der Polarstern ist der hellste Stern (α) im Sternbild Kleiner Bär (volkstümlich im deutschsprachigen Raum auch Kleiner Wagen genannt). Er befindet sich nahe dem Nordpol des Himmels (Himmelsnordpol). Für diesen Stern wurde eine Vielzahl von Namen überliefert, was seine große Bedeutung in den Kulturkreisen widerspiegelt: Stella Polaris oder nur Polaris sowie Nordstern; bei den Griechen der Antike hieß er Phoenice, andere Namen sind Alruccabah, Angel Stern, Cynosaura, Cynosura (griechisch "Schwanz des Hundes"), Lodestar, Mismar, Navigatoria, Tramontana, Yilduz und Poljarnaja. Die systematische Bezeichnung in der Astronomie ist α Ursae Minoris oder kurz α UMi.

Der Polarstern ist ein Dreifachsternensystem (Stand: 01.2006): Polaris A, Polaris Ab und Polaris B. Polaris A ist ein Überriese und etwa 2000 mal so hell wie die Sonne. Polaris A gehört zu den Cepheiden und ist gleichzeitig der nächste dieser Sterne. Polaris Ab ist ein Zwergstern, der Polaris A in einem Abstand von ca. 3 Milliarden Kilometern in etwa 30 Jahren umkreist.

Daten des Polarsterns


α UMi
1 UMi
HD 8890
HR 424
Daten
astronomische Bezeichnungen
Position (Äquinoktium 2000.0) RA 2h31m48.70s
Dekl. +89°15'51.0"
scheinbare Helligkeit Polaris A: 2,02m (etw.variabel) / Polaris B: 8,6m
absolute Helligkeit ca. -4,6M *
Spektralklasse,
Leuchtkraftklasse
Polaris A: F7:Ib-II (fahlgelb) / Polaris B: F3V
Abstand vom Sonnensystem ca. 430 Lichtjahre
* berechnet aus scheinbarer Helligkeit und Abstand

Der Polarstern befindet sich derzeit nur etwa 0,7° vom nördlichen Himmelspol entfernt und ist daher auf der Nordhalbkugel der Erde ganzjährig sichtbar (zirkumpolar), auf der Südhalbkugel hingegen nie. Aufgrund seiner Polnähe wird er seit langem als freiäugige Orientierungs- und Navigationshilfe verwendet. Man kann mit seiner Hilfe einen Kompass überprüfen oder in der Schifffahrt den Kurs eines Schiffes.

Er scheint für Beobachter ohne Fernrohr das ganze Jahr über immer am gleichen Ort zu stehen; seine Höhe am Himmel entspricht ungefähr dem (nördlichen) Breitengrad, auf dem der Beobachter sich befindet. Als Stern 2. Größe fällt er jedoch nicht sofort ins Auge und ist keineswegs, wie häufig irrtümlich angenommen, der hellste Stern des Himmels. Die nächsten helleren Sterne sind etwa 30° entfernt in den Sternbildern Cassiopeia und Großer Bär; der Teil des Großen Bären, der den Großen Wagen bildet, wird häufig als Hilfe zum Auffinden des Polarsterns herangezogen (siehe unten).

Am südlichen Sternenhimmel gibt es keinen Stern vergleichbarer Helligkeit in Polnähe; als Pendant des Polarsterns kann dort Polaris Australis (σ Octantis) angesehen werden, ein viel schwächerer Stern 5. Größe.

Polarstern in Vorzeit und Zukunft


Da die Erdachse im Raum nicht völlig stabil ist, sondern eine langsame Kreiselbewegung, die Präzession, ausführt, verschiebt sich im Laufe der Zeit die Lage der Himmelspole. Dadurch kann jeder Stern Polarstern werden, der um den Betrag der so genannten Schiefe der Ekliptik (22–24°) vom Pol der Ekliptik entfernt ist, der seinerseits im Sternbild des Drachen liegt. (siehe hierzu Polwanderung)

Der Polarstern bewegt sich gegenwärtig durch diese Verschiebung der Koordinaten noch geringfügig in Polrichtung und wird ihm im Jahr 2102 mit 28' 31" in der geringsten Entfernung stehen. Danach wird er sich langsam wieder vom Himmelspol entfernen. In etwa 13.000 Jahren wird dann die Wega der neue Polarstern sein. Dieser hellste Stern des Nordhimmels im Sternbild Leier war es bereits in der Steinzeit vor etwa 13.000 Jahren. An der Ausrichtung mancher Megalithen lassen sich entsprechende Effekte teilweise nachweisen.

Polaris ist ein visueller Doppelstern mit einem Begleiter der scheinbaren Helligkeit 9m in 18,4" Abstand, der 1780 von Wilhelm Herschel entdeckt wurde. Der Hauptstern selbst ist nochmals doppelt, was aber nur durch Spektralanalyse erkennbar ist; solche Sterne bezeichnet man auch als spektroskopische Doppelsterne.

Einige Zeit wurde der Hauptstern als pulsationsveränderlicher Stern der Klasse der Cepheiden mit einer Helligkeitsschwankung zwischen 1,92m bis 2,07m und einer Periode von 3,9 Tagen angesehen. Seit etwa 1980 klingen diese Schwankungen aber langsam ab und betragen inzwischen nur mehr etwa 0,01m bis 0,02m. Durch die Eigenbewegung des Polarsterns entfernt sich dieser mit einer Geschwindigkeit von 17 km/s von der Erde.

Bis zur Entdeckung seiner Veränderlichkeit diente Polaris auch als Bezugsstern (Nullpunkt) für die Skala der Helligkeiten.

Auffinden am Himmel


Grosserwagenmitzeiger.jpg Das Sternbild Großer Bär bzw. Großer Wagen ist sehr deutlich und in nördlichen Breiten ganzjährig am Himmel zu sehen. Verlängert man die gedachte Verbindungslinie zwischen den beiden hellsten Sternen des Großen Wagen (über dessen »Hinterachse«) um etwa das Fünffache, gelangt man fast direkt zum Polarstern (die Linie geht in ungefähr 1,5 Monddurchmessern daran vorbei). Der Kleine Wagen mit dem Polarstern liegt in einem relativ dunklen und "sternenarmen" Bereich.

Die Lage des Großen Wagens hängt ab von der Jahreszeit, der Uhrzeit und dem Breitengrad des Beobachters (siehe auch Sternzeit).

Die Koordinaten des Polarsterns:


Siehe auch


Astronomische Navigation, veränderlicher Stern, Polsequenz, Liste der Sterne

Weblinks


Individueller Stern zweiter Größe

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