article Related Topics:
Polaroid_Processes
 

Polaroid-EE-44 1-1200x1600.jpg Polaroid ist ein US-amerikanisches Unternehmen, welches durch seine Sofortbildkameras derart bekannt geworden ist, dass der Begriff Polaroid als Synonym für Sofortbild verwendet wird.

Anfänge


Der Physiker Edwin Herbert Land entwickelte Polarisationsfolien, für die er 1933 ein Patent erteilt bekam. Diese Polarisationsfilter basierten auf einer Polymer-Folie mit eingelassenen Kristallen. Mit ihnen machte sich Land im weiteren Verlauf selbständig, indem er 1937 in Boston eine eigene Firma gründete, die sich passend zum Produkt Polaroid nannte. Auch wurden die Folien unter diesem Namen angeboten, sie fanden sich unter anderem in Sonnenbrillen. Letztlich waren es jedoch die Worte seiner dreijährigen Tochter, die sich darüber beschwerte, das Foto, das er von ihr gemacht hatte, nicht sofort sehen zu können, welche Land zu dem inspirierten, was heutzutage unter dem Begriff Polaroid geläufig ist.

Sofortbildkameras


Trennbildfilm

1947 stellte Land auf der Versammlung der Optical Society of America eine neuartige Kamera vom Typ folding („Land camera“) vor, der man kurz nach der Aufnahme ein fertiges Positivbild entnehmen konnte. Die eigentliche revolutionäre Neuerung jedoch lag weniger in der Kamera, als vielmehr im dazugehörigen Film: Erstmals kam ein Schnellentwicklungsverfahren zum Einsatz, das noch vor Ort und Stelle das belichtete Negativ auf ein Positiv übertrug. Die erste Kamera (Typ 95) verkaufte am 26. November 1948 die Jorden Marsh Company in Bosten. Es wurde ein großer Erfolg, schon am 31. Dezember 1956 fand die einmillionste Polaroid (Typ 95 A) ihren Kunden. Handelte es sich zunächst nur um schwarzweiße, in den ersten Jahren genau genommen sepiafarbende (also ältlich aussehende) Bilder, erschien 1963 der Polacolor genannte Farbfilm. An der Filmhandhabung änderte sich damit jedoch nichts: Nach wie vor wurden die Polaroidbilder nach der Belichtung seitlich aus der Kamera gezogen, wobei der Film zwischen zwei Walzen hindurchlief, die wiederum die Entwicklerpaste zwischen Positiv und Negativ verteilten. Nach ungefähr 30 s bis 90 s Entwicklungszeit konnte man das fertige Positiv vorsichtig abziehen. Das Negativ ließ sich in der Regel nicht weiterverwenden, nur vereinzelte Schwarzweiß-Filmtypen (Polapan 55, 85, 665) lieferten ein nach spezieller chemischer Nachbehandlung (Fixierung) weiterhin für Drucke verwendbares Negativ. Generelle Schwachstelle der Filme war ihre ausgesprochen hohe Temperaturempfindlichkeit: Belichtungs- und Entwicklungszeit mussten bei niedrigen Temperaturen stark verlängert werden.

Trennbild-Filme gab und gibt es in mehreren Ausführungen und Formaten. Die allerersten Polaroidkameras verwendeten eine Art Rollfilm, mit der Polaroid Automatic 100 ging man 1963 aber auf Packfilme über. Auch noch heutzutage Verwendung finden vor allem Packfilme (8,2 x 10,8 cm² und 8,2 x 8,6 cm²), die u.a. in speziellen Polaroid-Rückteilen für diverse Mittelformatkameras zur Geltung kommen, sowie die etwas weniger verbreiteten Planfilme (10,2 x 12,7 cm² und 20,3 x 25,4 cm²), deren Einsatzbereich ausschließlich in der Großformatfotografie liegt. (Eigens auf dieses Filmformat zugeschnittene Polaroidkameras gibt es nicht.)

Schon 1957 stellte Polaroid einen Diafilm vor, mit dem man binnen 2 min projektionsfähige Diapositive herstellen konnte. 1959 kam mit dem Typ 3000 ein derart hochempfindlicher Fim auf den Markt, dass man bei Innenaufnahmen auf ein Blitzgerät verzichten konnte. 1961/62 folgte mit der Mehrzweckkamera MP 3 ein Gerät, mit der man auch hochwertige Reproduktionen erstellen konnte, beispielsweise in Bibliotheken von alten Schriften. 1964/65 kam mit dem Typ 413 ein infrarotempfindlicher und mit dem Typ XR 7 ein Röntgenfilm auf den Markt. Und ein spezielles System erlaubte es, in 2 min fälschungssichere Ausweise herzustellen.

Einen besondereren künstlerischen Reiz übt der Trennbildfilm dadurch aus, dass er sich auf vielfältigste Weise zu nachträglichen Manipulationen eignet. So lässt sich etwa mit dem Image Transfer-Verfahren das Bild vom sofort abgezogenen Negativ auf jede beliebige aufnahmefähige Oberfläche übertragen, oder beim Emulsions-Lift die Farbschicht vom Fotopapier ablösen und wie ein dünner Film verwischen und verzerren.

Integralfilm

Polaroid SX-70.jpg Mit einer aufwendigen Entwicklung versuchte man, die Wartezeit und das Zwischennegativ zu umgeben, das Ergebnis demonstrierte Edwin Land am 25. April 1972 auf einer Generalversammlung, indem er innerhalb von 10 s fünf Bilder belichtete, die sich binnen 4 min selber entwickelten. Das System nannte sich SX 70, es handelte sich um jenen firmeninternen Codenamen, der bereits für die Entwicklung des Sofortbildverfahrens in den 1940er Jahren benutzt wurde. Es erschien zur Jahreswende 1972/73 auf dem amerikanischen und 1974 auf den europäischen Markt. Die Filmkassette enthielt 10 Farbbilder im Format 7,8 x 7,9 cm² (Bildbereich), unter denen eine Polapulse genannte, besonders flache Batterie lag. Die Kameras für das SX 70-System schoben das gerade belichtete Bild stets motorisch unmittelbar nach der Aufnahme heraus, dann konnte man beobachten, wie sich das Bild in den nächsten Minuten entwickelte. Vorgestellt wurde SX 70 mit einer faltbaren Spiegelreflexkamera, für die Einsteiger-Modelle hielt man zunächst noch am Trennbildverfahren fest, erst 1977 stellte man mit der Polaroid 1000 vollkommen auf das neue System um, für die Hansjörg Felmy in einer groß angelegten Kampagne warb. Der SX-70-Film lieferte Fotos von ausgezeichneter Qualität, besaß aber nur einen geringen Belichtungsspielraum. Er musste infolgedessen sehr genau belichtet werden und verlangte deswegen bereits bei der billigsten Kamera nach einer Belichtungssteuerung.

Als Nachfolger erschienen zur Jahreswende 1981/82 der Film Typ 600, der mit ISO 640 / 29° anstatt ISO 160 / 23° lichtempfindlicher war, aber nach einem eigenen Kameratyp verlangte, und dann der Image Film mit dem Format 7,9 x 9,1 cm² und einem weiteren Kameramodell. Die Filme folgten der gleichen Konstruktion mit Polapulse-Batterie, die aber nun mehr Kapazität besaß und den Elektronenblitz mit versorgen konnte. Mit dem Vision 95 erschien dann noch ein kleineres Format (7,3 x 5,5 cm²), wobei die zugehörigen Kameras eine integrierte Bildbox für alle zehn Bilder des Films besaßen.

Funktionsweise des SX-70-Films

Der SX-70-Film bestand aus insgesamt 16 Schichten, die sich aufteilten in die untenliegende Negativ- und die darüberliegenden Positivschicht. Die Positivschicht war zunächst durchsichtig und gab somit die Sicht zum Belichten des Negativs frei. Am unteren Bildrand befanden sich, an der Bildrückseite gut erkennbar, drei mit Chemikalien gefüllte Taschen. Beim motorischen Herausschieben aus der Kamera pressten zwei Walzen diese Chemikalien zwischen die beiden Schichten, wo sie eine Art „Vorhangpaste“ bildeten. Dies bedeutete, eine grünlichgraue, lichtundurchlässige Paste sorgt dafür, dass das Negativ auch bei strahlenden Sonnenschein nicht weiter belichtet wurde. Alkalische Substanzen in dieser Paste setzten überdies die Entwicklung in Gang, wobei Farbstoffe freigesetzt werden, so dass diese durch die Vorhangpaste hindurch in die Positivschicht gelangen und dort das Foto bilden. Die Vorhangpaste wurde schließlich strahlend weiß und gab damit einen idealen Bildhintergrund ab.

Der SX-70-Film ist 1975/76 zum ersten Mal verbessert worden und dann noch einmal mit dem Time Zero Supercolor von 1980. Time Zero bedeutete dabei, dass sich das Bild schon innerhalb einer Minute entwickelte, nun war außerdem die Vorgangpaste schon von Beginn an weiß. Beide Male ist selbstverständlich die Bildqualität verbessert worden.

Kameras

Da bei den Polaroid-Kameras keine Abzüge vergrößert, sondern das Positivbild direkt belichtet wurde, handelte es sich um Mittelformatkameras. Eine Ausnahme stellten die speziellen Modelle für Passbilder zum Mitnehmen dar, hierfür baute Polaroid Kameras mit vier Objektiven, die ein Satz von vier Passbildern gleichzeitig erzeugen konnten. Die normalen Kameras hatten Objektive von etwa 115 mm Brennweite und einem Öffnungsverhältnis um die 1 : 9, wobei man die Erfahrungen mit den Polarisationsfolien nutzte und sehr früh Kunststofflinsen einsetzte. Bei den Trennbildkameras erhielten die besseren Modelle eine Zeituhr, die mit einen Signalton an das Herausziehen des Bildes erinnerte – 1966 kam mit der Swinger die erste Sofortbildkamera unter 100 DM auf den Markt. Neben den Amateurkameras hielt man auch welche mit Wechselobjektiven für den professionellen Einsatz. Die Polaroid 600 SE wurde von Mamiya gefertigt, sie verwendete Packfilm in der Größe 8,5 x 10,5 cm² und für sie gab es drei Wechselobjektive, mit 75 mm (f/5,6), 127 mm (f/4,7) und 150 mm (f/5,6) Brennweite. Da das große Format auch große Apparate bedingte, stellte man auch immer wieder Faltkameras vor.

Mit dem System SX 70 erschien eine raffinierte und in der Fachwelt vielbeachtete Spiegelreflex-Faltkamera. Sie enthielt einen großen, doppelseitigen Spiegel, dessen Oberseite den Strahl vom Objektiv in den Sucher lenkte. Hochgeklappt reflektierte seine Unterseite den Strahl auf den waagerecht liegenden Film. Diese Kamera wurde unter den Namen Revue auch von Foto Quelle angeboten. Die Spiegelreflex-Kamera gab es noch für den Filmtyp 600 als 680 SLR, mit dem Image-Film ging man aber unverständlicherweise auf eine vergleichsweise primitive Sucherkamera als Topmodell über. Damit deutete sich bereits der Untergang des Sofortbildes an.9

Polaroid hat sogar der Kameratechnik unabhängig vom Sofortbild Impulse gegeben: Die Electric Eye 900 von 1960 verwendete als erste vollautomatische Kamera Cds- anstatt Selenzellen zur Helligkeitsmessung und die Automatic 100 von 1963 besaß eine vollelektronische Verschlusssteuerung. Vor allem aber sind die Autofokus-Modelle Sonar (Sound Navigation and Rangefindeing-System) von Bedeutung. Der Polaroid-Mitarbeiter Dr. Conrad Biber stellte bereits 1967 einen Prototypen des nicht genehmigte Projekts Bat-Ray (Fledermaus-Strahlen) E. H. Land vor, fand aber kein Gehör. Erst 1976 konnte er doch eine Serienfreigabe einleiten, so dass ab 1978 Sofortbildkameras damit erschienen. Die Kamera sendet dabei einen bis zu 10 m weit reichenden Ultraschall-Impuls von 1/1000 s Dauer aus und berechnet aus der Laufzeit bis zum Wiedereintreffen der vom Motiv reflektierten Schallwellen die Entfernung. Im Falle der Spiegelreflexkameras ließ sich die Fokussierung naturgemäß im Sucher beobachten.

Die Polaroid 660 fokussiert durch Verändern der Brennweite mittels verschiedener Linsen: Zum Objektiv gehört ein bewegliches Segment mit vier Linsen, mit denen sich folgende Brennweiten ergeben: 107 mm (ab 3,9 m Motiventfernung), 105 mm (1,5 m bis 3,9 m), 99 mm (0,9 m bis 1,5 m) und 90 mm (0,6 m bis 0,9 m). So brauchen keine Linsen längs zur optischen Achse verschoben werden. Das Prinzip Fokussieren durch Brennweitenänderung nennt sich Innenfokussierung.

Sofortbild-Rückteile und Sonderkameras

Für Mittelformat-Kameras waren Sofortbild-Rückteile erhältlich, die anstelle der Rollfilm-Kassetten angesetzt werden konnten. So konnten Beleuchtung und einwandfreie Funktion der Kamera überprüft werden, ein unter Studiofotografen äußerst populäres Vorgehen. Verschiedene Firmen boten Sofortbildkameras für Spezialanwendungen an, die Polaroid-Kassetten aufnahmen. Darunter insbesondere Oszilloskop-Hersteller, die damit das Archivieren von Bildschirm-Darstellungen ermöglichten. Der Polaprinter fertigte Sofortbilder von gewöhnlichen Kleinbild-Diapositiven an.

Kodak Instant

Kodak stellt auf der Photokina 1976 ebenfalls Sofortbild-Kameras an, musste diese aber schließlich nach Patentstreitigkeiten ab dem 9. Januar 1986 zurückkaufen. Erst nach Ablauf des Patents kam dann mit Fujifilm (Fuji Instax) ein weiterer Anbieter hinzu, zu diesem Zeitpunkt war die große Zeit des Sofortbilds aber bereits vorüber.

Verbreitung

Die Sofortbild-Fotografie war zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd so verbreitet, wie es sich Polaroid gewünscht hätte. Obwohl viele Gelegenheitsfotografen weder zusätzliche Abzüge noch große Formate bestellten (also von den Vorteilen des gewohnten Verfahrens keinen Gebrauch machten), hielten überwiegend am herkömmlichen Film fest. Die Gründe lagen vor allem im geringen Bedarf am sofort vorliegenden Bild, zudem sprachen die hohen Kosten dagegen: ein Foto kostete stets an die 2 D-Mark. So wurden Sofortbildkameras vorwiegend als Zweitkameras für besondere Fälle gehalten, wobei speziell die Spiegelreflexkameras auch engagierte Amateure ansprachen. In der professionellen Anwendung kamen Sofortbildfilme indes häufig zum Einsatz, um Einstellungen und insbesondere die Ausleuchtung sofort zu kontrollieren. Auch beim Film wurden sie verwendet, um ein Szene festzuhalten und so Anschlussfehler zu vermeiden, im Fotostudio und auch im wissenschaftlichen Einsatz. Mit den Digitalkameras sind aber nahezu alle Anwendungsfälle entfallen.

Polavision

1977 stellte Polaroid auch einen 8-mm-Sofortbild-Film vor, hierzu gab es eine ausgesprochen primitive Kamera, die gerade einmal ein schwergängiges Zweifach-Zoomobjektiv mit zwei Entfernungseinstellungen besaß, welche spezielle Kassetten aufnahm. Nach dem Belichten wurden diese in ein Betrachtungsgerät gesteckt und beim Rückspulen binnen 90 s entwickelt und nach 45 s Wartezeit (zum Ausentwickeln) automatisch auf der 30 cm-Mattscheibe vorgeführt, ein Schneiden des Films war nicht vorgesehen. Eine Kassette enthielt 12 m Film entsprechend 2 min 35 s Spielzeit - wie bei Super 8 lief der Film mit einer Geschwindigkeit von 18 Bilder/s. Die Apparate wurden von der österreichischen Firma Eumig produziert. Eine Spezialfirma stellte sogar eine Hochgeschwindigkeitskamera für wissenschaftliche Zwecke vor, die mit 300 Bildern/s lief. Polavision fand im Hinblick auf die allmählich aufkommenden Videorecorder keine große Beachtung und so gut wie überhaupt keine Käufer. Heute gibt es keine Filme mehr dafür zu kaufen.

Digitalfotografie


Wenngleich Polarisationsfolien unverändert ihren Anteil am Umsatz hatten, geriet Polaroid mit dem Aufkommen der Digitalfotografie in große finanzielle Schwierigkeiten, da kaum noch jemand an den teuren Sofortbildern interessiert war. Allerdings versuchte das Unternehmen von vornherein, Digitalkameras anzubieten, seit 2004 kooperiert man dabei mit Praktica und der Foveon X3-Technologie von Sigma.

Literatur


  • Constance Sullivan (Hrsg.): Polaroid: Legacy of Light. New York: A Polaroid Book /A. Knopf 1987 – Sofortbildaufnahmen von 58 Künstler-Fotografen

Fotografie

بولارويد | Polaroid | Polaroid | پلاروید | Polaroid | Polaroid | Polaroid | ポラロイド | Polaroid | Polaroid | Polaroid

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Polaroid".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld