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Die polabische Sprache (auch drawänopolabische Sprache) war eine westslawische Sprache, die bis Mitte des 18. Jahrhunderts im niedersächsischen Wendland östlich von Lüneburg, von den Obodriten in Mecklenburg und Holstein, von den Lutizen in Mecklenburg und Vorpommern, den Hevellern in Brandenburg und von den Ranen (Rujanen) auf Rügen gesprochen wurde. Die Polaben waren der letzte Rest der Elb- und Ostseeslawen, die im Zuge der deutschen Ostkolonisation assimiliert wurden. Ihre Sprache stand dem ebenfalls ausgestorbenen Slowinzischen und dem Kaschubischen nahe, etwas entfernter auch dem Polnischen.

Polabisch war die Sprache der nordwestslawischen Völker des Mittelalters. Sie wurde von den obodritischen Stämmen in Mecklenburg und Holstein, von den Lutizen in Mecklenburg und Vorpommern, den Hevellern in Brandenburg und natürlich auch von den Ranen (Rujanen) im Fürstentum Rügen gesprochen. Dort hat sie sich bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts erhalten.

Das Polabische hat nie eine eigene Schriftsprache entwickelt. Erst kurz vor dem Aussterben begannen sich Forscher für die Sprache zu interessieren, beispielsweise Gottfried Wilhelm Leibniz, der einen Gewährsmann um ein Wörterverzeichnis und die polabische Fassung des Vaterunsers bat. Die ausführlichsten Aufzeichnungen stammen von dem in Wustrow wirkenden evangelischen Pfarrer Christian Henning von Jessen, eine weitere wichtige Quelle sind die Aufzeichnungen des polabischen Bauern Johann Parum Schultze aus Sühten. Die letzte Sprecherin starb laut Kirchenbuch 1756, im Alter von 88 Jahren.

Durch die lange getrennte Entwicklung hatte sich das Polabische deutlich von den anderen slawischen Sprachen entfernt. So gehörten etwa ö und ü sowie mehrere Diphthonge zum Lautsystem (genau wie beim Übergang vom Mittel- zum Neuhochdeutschen und Mittel- zum Neuenglischen wurden langes u und i zu au bzw. ai), der Wortschatz enthielt eine Vielzahl deutscher und besonders niederdeutscher Lehnwörter.

deutsch polabisch polnisch niedersorbisch obersorbisch tschechisch russisch >- bgcolor="gainsboro" Mensch clawak, clôwak człowiek cłowjek čłowjek člověk человек * >- bgcolor="gainsboro" Abend vicer wieczór wjacor wječor večer вечер * >- bgcolor="gainsboro" Bruder brot brat bratš bratr bratr брат * >- bgcolor="gainsboro" Tag dôn dzień źeń dźeń den день * >- bgcolor="gainsboro" Hand ręka ręka ruka ruka ruka рука * >- bgcolor="gainsboro" Herbst prenja zaima, jisin jesień nazymje nazyma podzim осень * >- bgcolor="gainsboro" Schnee sneg śnieg sněg sneh sníh снег * >- bgcolor="gainsboro" Sommer lato lato lěśe lěćo léto лето * >- bgcolor="gainsboro" Schwester sestra siostra sotša sotra sestra сестра * >- bgcolor="gainsboro" Fisch ryba ryba ryba ryba ryba рыба * >- bgcolor="gainsboro" Feuer widin ogień wogeń woheń oheň огонь * >- bgcolor="gainsboro" Wasser wôda woda woda woda voda вода * >- bgcolor="gainsboro" Wind wjôter wiatr wětš wětřik, wětr vítr ветер * >- bgcolor="gainsboro" Winter zaima zima zymje zyma zima зима *

Literatur


  • Reinhold Olesch: Thesaurus linguae Dravaenopolabicae. (= Slavistische Forschungen; Band 42). Böhlau, Köln und Wien 1983-1987 (Wörterbuch in 3 Bänden und Registerband)
  • August Schleicher: Laut- und Formenlehre der polabischen Sprache. Kaiserliche Akademie der Wissenschaften, Sankt Petersburg 1871 (Nachdrucke: Saendig-Reprint-Verlag, Wiesbaden 1967; Reprint-Verlag, Vaduz/Liechtenstein 1999)
  • Johann Parum Schultze; Reinhold Olesch (Hrsg.): Fontes linguae Dravaenopolabicae minores et Chronica Venedica J. P. Schultzii. (= Slavistische Forschungen; Band 7). Böhlau, Köln und Graz 1967
  • Christian Hennig von Jessen: Vocabularium Venedicum (oder Wendisches Wörter-Buch) (1705). Nachdruck besorgt von Reinhold Olesch. - Köln *: Böhlau 1959 (Gewährsmann des Pastors C. Hennig von Jessen war der polabisch sprechende Bauer Johann Janieschge aus Klennow)

Weblinks


Einzelsprache | Slawische Sprache

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