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Definition


Die Poisson-Verteilung \operatorname{Poi}(\lambda,k) ist eine diskrete Wahrscheinlichkeitsverteilung für Zufallsvariablen, die dem Poisson-Prozess genügen, deren Erwartungswert \lambda ist, und die den natürlichen Zahlen k = 0, 1, 2, ... die Wahrscheinlichkeiten
P_\lambda (k) = \frac{\lambda^k}{k!}\; {\rm e}^{-\lambda}
zuordnet. Dabei ist e die Eulersche Zahl; e^x steht somit für die Exponentialfunktion; k! bezeichnet die Fakultät von k.

Der Parameter \lambda wird Ereignisrate genannt.

Wie auch die Binomialverteilung so resultiert die Poisson-Verteilung aus dem mehrmaligen, aufeinander folgenden Ausführen von Bernoulli-Experimenten, also einzelnen, gleichartigen Zufallsversuchen mit genau zwei möglichen Ergebnissen (z.B. "Erfolg" und "Misserfolg").

Die Poisson-Verteilung ist für den Spezialfall einer großen Anzahl von Durchführungen mit geringer Erfolgswahrscheinlichkeit eine gute Näherung an die Binomialverteilung. Die Poissonverteilung wird deshalb manchmal als die Verteilung der seltenen Ereignisse bezeichnet, siehe auch Gesetz der kleinen Zahlen.

Die Poisson-Verteilung ist zugleich ein Spezialfall der Panjer-Verteilung.

Siméon Denis Poisson (1781-1840) veröffentlichte 1837 diese Verteilung zusammen mit seiner Wahrscheinlichkeitstheorie in dem Werk „Recherches sur la probabilité des jugements en matières criminelles et en matière civile“. („Forschungsarbeiten zur Wahrscheinlichkeit von Urteilen im verbrecherischen Bereich und im Zivilbereich“).

Vor allem im Bereich der Versicherungsmathematik existieren Erweiterungen der Poisson-Verteilung wie die Verallgemeinerte Poisson-Verteilung und die Gemischte Poisson-Verteilung.

Herleitung

Mit der mittleren Anzahl der eintretenden Ereignisse pro Zeiteinheit \lambda und der Wahrscheinlichkeit P_{n}(T), daß im Zeitraum T insgesamt n Ereignisse eintreten, gibt \lambda\operatorname{d}tdie Wahrscheinlichkeit an, daß in \operatorname{d}t ein Ereignis stattgefunden hat, und 1-\lambda\operatorname{d}t die Wahrscheinlichkeit, daß in \operatorname{d}t kein Ereignis stattgefunden hat. Daraus resultieren die Beziehungen
P_{0}(T+\operatorname{d}t) = P_{0}(T)(1-\lambda\operatorname{d}t)
P_{n}(T+\operatorname{d}t) = P_{n}(T)(1-\lambda\operatorname{d}t) + P_{n-1}(T)\lambda\operatorname{d}t.
Durch Bilden der Differenzenquotienten entsteht ein rekursives System von Differentialgleichungen:
P_{0}(T)' = -\lambda P_{0}(T)
P_{n}(T)' = -\lambda (P_{n}(T)-P_{n-1}(T)).
Dieses System läßt sich durch Verwenden einer generierenden Funktion lösen. Dabei werden die P_{i}(T) als Koeffizienten einer Potenzreihe eingesetzt, durch Koeffizentenvergleich läßt sich ein geschlossener Ausdruck für die P_{i}(T) gewinnen
P_{n}(T) = \frac{e^{-\lambda T}(\lambda T)^{n}}{n!}.

Eigenschaften


  • Die Poisson-Verteilung P_\lambda wird durch den Parameter \lambda vollständig charakterisiert.
  • Die Poisson-Verteilung ist stationär, d.h. nicht von der Zeit abhängig.
  • In einem Poisson-Prozess ist die zufällige Anzahl der Ereignisse bis zu einem bestimmten Zeitpunkt Poisson-verteilt, die zufällige Zeit bis zum n-ten Ereignis Erlang-verteilt. Wichtig ist der Spezialfall n=1, der zur Exponentialverteilung führt. Sie beschreibt die Zeit bis zum ersten zufälligen Ereignis (sowie die Zeit zwischen zwei aufeinanderfolgenden Ereignissen) eines Poissonprozesses.

Verteilungsfunktion

Die Verteilungsfunktion F(x) der Poisson-Verteilung lautet
F_{\lambda}(n)=\sum_{k=0}^n P_\lambda (k) = e^{-\lambda} \sum_{k=0}^n \frac{\lambda^k}{k!}.

Erwartungswert, Varianz, Moment

\lambda ist zugleich Erwartungswert, Varianz und auch 3. zentriertes Moment (\operatorname{E} \left( (X-\operatorname{E}(X))^3 \right) ), denn
Erwartungswert
\operatorname{E}(X) =\sum_{k=0}^{\infty}k\frac{\lambda^k}{k!}e^{-\lambda}
= \lambda e^{-\lambda}\sum_{k=1}^{\infty}\frac{\lambda^{k-1}}{(k-1)!} = \lambda
Varianz
{| |\operatorname{Var}(X) |= \sum_{k=0}^{\infty}(k-\lambda)^2\frac{\lambda^k}{k!}e^{-\lambda} = \sum_{k=0}^{\infty}(k^{2}-2k\lambda+\lambda^{2})\frac{\lambda^k}{k!}e^{-\lambda} = \sum_{k=0}^{\infty}k^{2}\frac{\lambda^k}{k!}e^{-\lambda} -2\lambda^{2} +\lambda^{2} |- | |= \sum_{k=0}^{\infty}(k(k-1)+k)\frac{\lambda^k}{k!}e^{-\lambda} -\lambda^{2} = \sum_{k=0}^{\infty}(k(k-1))\frac{\lambda^k}{k!}e^{-\lambda} +\lambda -\lambda^{2} |- | |= \lambda^{2}\sum_{k=2}^{\infty}\frac{\lambda^{k-2}}{(k-2)!}e^{-\lambda} +\lambda -\lambda^{2} = \lambda |}

Variantionskoeffizient

Aus Erwartungswert und Varianz erhält man sofort den Variationskoeffizienten
\operatorname{VarK}(X) = \frac{1}{\sqrt{\lambda}}.

Schiefe und Wölbung

Die Schiefe ergibt sich zu
\operatorname{v}(X) = \frac{1}{\sqrt{\lambda}}.
Die Wölbung läßt sich ebenfalls geschlossen darstellen als
\beta_2 = \frac{1}{\lambda}.

Charakteristische Funktion

Die charakteristische Funktion hat die Form
\phi_{X}(s) = \sum_{k=0}^{+\infty}e^{iks}\frac{\lambda^{k}}{k!}e^{-\lambda}
= e^{-\lambda} \sum_{k=0}^{+\infty} \frac{(\lambda e^{is})^{k}}{k!} = e^{-\lambda} e^{\lambda e^{is}} = e^{\lambda(e^{is}-1)}.

Erzeugende Funktion

Für die erzeugende Funktion erhält man
g_{X}(s) = e^{\lambda(s-1)}.

Momenterzeugende Funktion

Die momenterzeugende Funktion der Poisson-Verteilung ist
m_{X}(s) = e^{\lambda(e^{s}-1)}.

Reproduktivität

Die Poisson-Verteilung ist reproduktiv, d.h. die Summe X_1+X_2 zweier stochastisch unabhängiger Poisson-verteilter Zufallsgrößen X_1 und X_2 mit den Parametern \lambda_1 und \lambda_2 ist wieder Poisson-verteilt mit dem Parameter \lambda_1+\lambda_2.

Symmetrie

Die Poisson-Verteilung P_{\lambda} hat für kleine Mittelwerte \lambda eine stark asymmetrische Gestalt. Für größer werdende Mittelwerte wird P_{\lambda} symmetrischer und lässt sich für \lambda > 30 in guter Näherung durch die Gauß-Verteilung darstellen.

Beziehung zu anderen Verteilungen


Beziehung zur Binomialverteilung

Die Poisson-Verteilung lässt sich aus der Binomialverteilung \operatorname{Bin}(p,n) herleiten. Sie ist die Grenzverteilung der Binomialverteilung bei sehr kleinen Anteilen der interessierten Merkmale und sehr großem Stichprobenumfang: n\rightarrow\infty und p\rightarrow 0 unter der Nebenbedingung, dass das Produkt np=\lambda konstant ist. \lambda ist dann für alle in der Grenzwertbildung betrachteten Bimonialverteilungen wie auch für die resultierende Poissonverteilung der Erwartungswert.

Mit p=\frac{\lambda}{n} ist der Wert einer Poisson-verteilten Zufallsvariable an der Stelle k der Grenzwert

|\lim_{n\to\infty} P(X=k) |=\lim_{n\to\infty}{n! \over (n-k)!\,k!} \left({\lambda \over n}\right)^k \left(1-{\lambda\over n}\right)^{n-k} |- | |=\lim_{n\to\infty} \left(\right) \left(\end{matrix} \begin{matrix} \\ \underbrace{\left(1-{\lambda \over n}\right)^{-k}} \\ {\to 1} \end{matrix} |- | |={\lambda^k e^{-\lambda} \over k!}. |}

Beziehung zur Normalverteilung

Falls die Anzahl der Ereignisse n sehr groß und die Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens p=0,5 wird, so wird aus der Poisson-Verteilung bzw. Binomial-Verteilung die Gaußsche Normalverteilung.

Beziehung zur Erlang-Verteilung

In einem Poisson-Prozess genügt die zufällige Anzahl der Ereignisse bis zu einem festgelegten Zeitpunkt der Poisson-Verteilung \operatorname{Poi}(\lambda,n). Die zufällige Zeit bis zum Eintreffen des n-ten Ereignis hingegen ist \operatorname{Erl}(\lambda,n)Erlang-verteilt. Im Fall n=1 geht diese Erlang-Verteilung in eine Exponentialverteilung über \operatorname{Erl}(\lambda,1)=\operatorname{Exp}(\lambda). Man sagt auch, daß die Poisson-Verteilung und die Erlang-Verteilung zueinander konjugierte Verteilungen sind.

Beziehung zur Exponentialverteilung

Die Zeit bis zum ersten zufälligen Ereignis sowie die Zeit zwischen zwei aufeinanderfolgenden Ereignissen eines Poisson-Prozesses mit dem Parameter \lambda ist \operatorname{Exp}(\lambda)exponentialverteilt.

Anwendung


Die Poisson-Verteilung ist eine typische Verteilung für die Zahl von Phänomenen, die innerhalb einer Einheit auftreten.

So wird sie häufig dazu benutzt, zeitliche Ereignisse zu beschreiben. Gegeben sind ein zufälliges Ereignis, das durchschnittlich einmal in einem zeitlichen Abstand t_1 stattfindet, sowie ein zweiter Zeitraum t_2, auf den dieses Ereignis bezogen werden soll.

Die Poissonverteilung P_\lambda(n) mit \lambda=t_2/t_1 gibt die Wahrscheinlichkeit an, dass im Zeitraum t_2 genau n Ereignisse stattfinden. Anders ausgedrückt ist \lambda die mittlere Auftretenshäufigkeit eines Ereignisses.

Beispiel 1

Ein Kaufhaus wird an einem Samstag durchschnittlich alle 10 Sekunden (t_1) von einem Kunden betreten. Werden nun im Takt von einer Minute bzw. 60s die Personen gezählt, so würde man im Mittel 6 Personen erwarten (λ = 1Person/10s *60s = 6), die das Kaufhaus betreten. P_6(n) gibt die Wahrscheinlichkeit dafür an, dass in der nächsten Minute (t_2) genau n Kunden das Kaufhaus betreten.

poisson-lambda6.png

0 0,25 0,25 1 1,49 1,74 2 4,46 6,20 3 8,92 15,12 4 13,39 28,51 5 16,06 44,57 6 16,06 60,63 7 13,77 74,40 8 10,33 84,72 9 6,88 91,61 10 4,13 95,74 11 2,25 97,99 12 1,13 99,12 13 0,52 99,64 14 0,22 99,86 15 0,09 99,95

-
P6(n)
-
n Wahrscheinlichkeit in % Summe in %
-















Mit einer Wahrscheinlichkeit von fast 5% betreten genau 2 Personen in einer Minute das Kaufhaus. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 92% treten 9 Personen, oder 8, oder 7.. oder keine Person ein. Die Wahrscheinlichkeit, dass mehr als 9 Personen in einer Minute eintreten, ist folglich 8% .

Beispiel 2

In der Natur folgt zum Beispiel die zeitliche Abfolge radioaktiver Zerfälle einzelner Atome der Poisson-Statistik.

Beispiel 3

Die Blitzhäufigkeit in Deutschland beträgt 10 Einschläge pro km² = 0,1 Einschläge pro ha und Jahr. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass es in einer Parzelle von 1 ha zu n Blitzeinschlägen in einem Jahr kommt?

\lambda=0,1 Einschläge pro Hektar und Jahr.

P_{0,1}(n=0) (kein Einschlag im betrachteten Jahr): 90%
P_{0,1}(n=1) (ein Einschlag im betrachteten Jahr): 9%
P_{0,1}(n=2) (zwei Einschläge im betrachteten Jahr): 0,5%
P_{0,1}(n=3) (drei Einschläge im betrachteten Jahr): 0,02%

Statistisch ist es nicht verwunderlich, wenn ein Blitz innerhalb von 200 Jahren zweimal am gleichen Ort einschlägt, wobei es außerordentlich unwahrscheinlich ist, den Ort voraussagen zu können (Siehe hierzu auch Geburtstagsproblem).

Beispiel 4

Wenn das zeitliche Eintreffen seltener Ereignisse einen Poisson-Prozess bildet, folgen die Zeitintervalle zwischen den Ereignissen einer Exponentialverteilung. Ein Anwendungsbeispiel für die Simulation poissonverteilter Zufallszahlen findet sich unter Verteilung von Zufallszahlen.

Zufallszahlen


Zufallszahlen zur Poisson-Verteilung werden üblicherweise mit Hilfe der Inversionsmethode erzeugt.

Siehe auch


Literatur


  • Erich Härtter: Wahrscheinlichkeitsrechnung für Wirtschafts- und Naturwissenschaftler. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1974, ISBN 3525031149

Weblinks


Wahrscheinlichkeitsverteilung

توزيع بواسون | Poissonovo rozdělení | Poisson distribution | Distribución de Poisson | توزیع پواسون | Poissonin jakauma | Loi de Poisson | התפלגות פואסון | Variabile casuale poissoniana | ポアソン分布 | Poissonverdeling | Rozkład Poissona | Распределение Пуассона | Sebaran Poisson | Poissonfördelning | 泊松分布

 

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