Plotin (griechisch Πλωτίνος oder Πλωτῖνος/Plotinos, * um 205 in Lykopolis in Ägypten; † um 270 in Minturnae, Kampanien) war ein griechischer Philosoph; er gilt als der Hauptvertreter des Neuplatonismus.
Plotin begann das Studium der Philosophie mit 27 Jahren um 232 in Alexandria. Da kein Lehrer ihn zufrieden stellte, wandte er sich auf Anraten eines Freundes Ammonios Sakkas zu. Nach einem Vortrag des Ammonios erklärte er seinem Freund, dies ist der Mann, den ich suchte und begann ein intensives Studium unter diesem Lehrer, der darum als Vater des Neuplatonismus gelten kann.
In Alexandria blieb Plotin bis zum 38. Lebensjahr, als er beschloss, die philosophischen Lehren der Perser und Inder zu erforschen. Er nutzte eine Gelegenheit, die Armee von Gordian III. nach Persien zu begleiten. Jedoch fand er nach dem Tod Gordians nur mit Schwierigkeiten den Rückweg aus dem feindlichen Land in das sichere Antiochien.
Mit 40 Jahren, während des Herrschaft Philipps des Arabers, übersiedelte er nach Rom, wo er den Rest seines Lebens verbrachte. Er zog eine Anzahl von Schülern dieser Stadt an. Zu seinem innersten Kreis gehörten Porphyrios, Gentilianus Amelius von Toskana, der Senator Castricius Firmus und Eustochios von Alexandria – ein Arzt, der ihn bis zu seinem Tod versorgte.
Weitere Schüler waren: Zethos, ein gebürtiger Araber, der vor Plotin starb und ihm ein Erbe und etwas Land hinterließ; Zoticus, ein Kritiker und Dichter; Paulinus, ein Arzt von Scythopolis; und Serapion von Alexandria. Er hatte Schüler aus dem römischen Senat neben Castricius, Marcellus Orontius, Sabinillus und Rogantianus. Auch Frauen zählten zu seinen Schülern, so Gemina und ihre Tochter, in deren Haus er während seines Aufenthaltes in Rom lebte; sowie Amphiklea, die Frau Aristons, des Sohnes des Iamblichos. Er war ein Partner des Philosophen Cassius Longinus.
Plotin genoss auch das Ansehen des Kaisers Gallienus und seiner Frau Salonica. Er suchte Gallienus für die Sanierung der verlassenen Siedlung Campania zu gewinnen, die als Stadt der Philosophen bekannt war. Die Einwohner sollten dort nach dem Gesetz Platons leben. Die kaiserliche Unterstützung kam jedoch nicht zustande.
Nachdem Porphyrios nach Sizilien gegangen war, vernahm er die Nachricht vom Tod Plotins. Der Philosoph verbrachte seine letzten Tage zurückgezogen auf dem Gut in Campanien, das sein Freund Zethos ihm vermacht hatte. Nach der Überlieferung des Eustochios waren Plotins letzte Worte: Erstrebe, das Göttliche in dir selbst dem Göttlichen in Allem zurück zu geben. In diesem Moment kroch eine Schlange unter das Bett Plotins und verschwand durch ein Loch in der Wand; im selben Moment starb Plotin.
Außer durch Ammonios Sakkas wurde Plotin wesentlich durch die Arbeiten des Alexander von Aphrodisias und Numenius beeinflusst.
Trotz der Überarbeitung durch Porphyrios merkt man den Schriften an, dass sie nicht als Werk für die Öffentlichkeit, sondern als Studienunterlagen für Plotins Schüler konzipiert wurden. Der Stil ist knapp und setzt an manchen Stellen philosophisches Vorwissen voraus. Es ist offensichtlich, dass der Verfasser, als er mit etwa 50 Jahren die Niederschrift begann, aus gefestigten Überzeugungen heraus schrieb.
Seine Henologie, d.h. Denken des Einen, scheint von der Denkweise in seiner Heimat Ägypten und vor allem von der der Thebanischen Hymnen und Gebete, die auch während der griechisch-römischen Zeit immer noch aktuell waren, geprägt zu sein.
Der Neuplatonismus diente häufig als philosophische Grundlage des Paganismus und als Mittel der Verteidigung der vorchristlichen "alten" Religion und Weltanschauung der hellenistisch-lateinischen Kultur gegen das vordringende Christentum. Andererseits war aber auch das Denken vieler Christen dieser Epoche stark vom Neuplatonismus beeinflusst. So lassen sich beispielsweise viele philosophische Ansätze des Augustinus als christliche Um- und Ausformungen der Grundgedanken eines Neuplatonismus plotinischer Prägung begreifen.
Besonders originell ist Plotins Konzept der menschlichen Seelen. Diese entstehen mittels Vermittlung durch den Geist aus dem göttlichen Einen und sind dem Göttlichen wesensgleich. Der Eigensinn der Seelen, der durch seine Wahlfreiheit zwischen Gut und Böse bedingt ist, verursacht die Trennung vieler Seelen vom Göttlichen, so dass sie das Göttliche nicht mehr erkennen können.
Mann | Mystiker | Neuplatoniker | Philosoph (Antike) | Geboren 205 | Gestorben 270
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