Platzspitz.jpg Der Platzspitz (ursprünglich Platzpromenade) ist ein Park im Herzen Zürichs. Die Anlage ist weder besonders gross, noch von einzigartiger Schönheit. Die Geschichte des Parks ist hingegen sehr abwechslungsreich. Weltweites Medieninteresse erregte die behördlich lang tolerierte Anwesenheit von Drogensüchtigen aus ganz Mitteleuropa.
Mit dem Bau des Hauptbahnhofs, der auf einem Teil des Geländes gebaut wurde, im Jahr 1846 nahm das Interesse der Bevölkerung am Platzspitz ab. Die Geleise unterbrachen die Promenade entlang der Sihl.
Es sollte bis zur Landesausstellung 1883 dauern, ehe der Platzspitz wieder an Bedeutung gewann. Der Park wurde zu einem Landschaftspark umgebaut. Musikpavillon und Wegnetz stammen noch heute aus dieser Zeit. Die erste Schweizerische Landesausstellung wurde zu einem grossen Erfolg. Den Zürchern war der Platzspitz wieder ans Herz gewachsen: Musikpavillon und ein Restaurant durften auf Wunsch der Bevölkerung stehen bleiben.
Mit der Errichtung des Landesmuseums verlor der Park erneut an Grösse. Das nachgeahmte Schloss verlieh ihm aber auch eine gewisse Eleganz. Die neue Mobilität und der aufkommende Verkehr, der einen weiteren Riegel zwischen Innenstadt und Park schob, führten dazu, dass der Platzspitz erneut an Bedeutung im Alltag der Zürcher verlor.
Durch die Zunahme der Nachfrage stieg auch das Angebot an Drogen. Obwohl die Preise sehr tief waren, lebten die meisten der Süchtigen in grösster Armut und mussten sich mit Diebstählen das Geld für die Drogen verdienen. Am Flussufer entstanden mehrmals kleine Dörfer aus provisorischen Behausungen, die vielen Süchtigen vorübergehend als Heimat dienten. Diese wurden allerdings regelmässig nach wenigen Tagen wieder abgerissen. So zum Beispiel „Chaotikon I“ (April 1981) und „Chaotikon II“ (Mai 1981).
Der Platzspitz erregte als Needle Park internationales Aufsehen. Offener Drogenhandel und -konsum sowie das grosse Elend inmitten der reichen Schweiz brachten der Limmatstadt einen zweifelhaften Ruhm. Alleine 1991 starben auf dem Platzspitz 21 Personen am Konsum von Drogen – es waren nicht die ersten. Rund 3.600 Mal mussten Sanitäter Menschen wiederbeleben. * | Platzspitz_Sihl_Limmat.jpg Die Schliessung des Parks am 5. Februar 1992 zeigte dann aber, dass Repression allein das Drogenproblem auch nicht aus der Welt schafft. Auch nach sechs Jahren Drogenszene auf dem Platzspitz fehlte es an einer gesamtheitlichen Lösung der Drogenprävention, die nicht nur auf Vertreibung der Drogensüchtigen absah, sondern auch eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft vorsah und Wege aus der Kriminalität bot. Die Vertreibung der Drogensüchtigen vom Platzspitz verlagerte die Offene Szene in angrenzende Quartiere, ehe sie sich auf dem stillgelegten Letten-Bahnhof wieder ansiedelte. Erst die Schliessung des Letten-Areals am 14. Februar 1995 führte zu einer Wende der Drogensituation und einer Besserung der Wohnqualität in Zürich. Dieses Mal wurde das polizeiliche Vorgehen von weitgehenden präventiven Massnahmen in der ganzen Schweiz begleitet.
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