Plattdeutsch ist eine Sammelbezeichnung für die zentralen und östlichen Dialekte der niederdeutschen Sprachen. Es umfasst das Niedersächsische und das Ostniederdeutsche.
Synonyme Begriffe sind platt, plattdüütsch und platdütsk. Plautdietsch wird die Sprache bei den Russlandmennoniten genannt.
Die plattdeutsche (plattdüütsche) Sprache machte die zweite hochdeutsche Lautverschiebung nicht mit, ebenso wenig wie andere mittelniederdeutsche Sprachen, wozu auch das Niederfränkische gehört.
Niederdeutsche Konsonanten -> hochdeutsche Konsonanten
k -> ch :
d -> t :
t -> s :
t -> z :
t -> tz :
p -> f :
p -> pf :
v, w, f -> b :
Weitere Unterschiede zwischen dem Hoch- und dem Niederdeutschen, die jedoch nicht aus der 2. Lautverschiebung resultieren:
s -> sch :
sm -> schm :
sl -> schl :
sw -> schw :
st -> scht :
sp -> Schp :
Insbesondere in den nördlichen Gebieten zeigen sich in der modernen plattdeutschen Sprache einige Skandinavismen bzw. Anglizismen, von denen das Fehlen des Präfix ge- beim Partizip Perfekt am auffälligsten ist.
Ik hebb köfft -> ich habe gekauft (vgl. z.B. schwed. "jag har köpt").
He hett seten -> Er hat gesessen.
Die Ursache dieses Unterschiedes ist nicht eindeutig geklärt. Es ist unsicher, wie das Partizip in der altsächsischen Sprache gebildet wurde. So weist der Heliand im Vaterunser die Zeile auf: geuuîhid sî thîn namo uuordo gehuuilico, auf Plattdeutsch heißt es: hilligt warrn schall dien Naam. Vergleiche mit der nahe verwandten angelsächsischen Sprache legen ebenfalls nahe, dass das Partizip möglicherweise mit Präfix gebildet wurde. Alte schriftliche Quellen aus der karolingischen Zeit zeigen beide Formen, da sie jedoch von fränkischen Mönchen geschrieben wurden, sind sie diesbezüglich nicht besonders zuverlässig. Mittelniederdeutsche Quellen aus dem 14. und 15. Jahrhundert zeigen beide Formen.
Die regionale Verbreitung liefert eher Hinweise zur Genese dieses Phänomens: Die grammatische Form des Partizips ohne Präfix ist typisch für das Emsland (Binnenland!) und die Küstenregionen von Ostfriesland über den Raum Hamburg/Bremen bis Schleswig-Holstein, Mecklenburg und Vorpommern. Dagegen wird im westfälischen und ostfälischen Raum sowie in den im Hoch- und Spätmittelalter kolonisierten Gebieten östlich der Oder das Partizip mit dem Präfix ge- gebildet. Dieser Umstand lässt einen Einfluss über die Seefahrt und die intensiven Beziehungen zu England und Skandinavien zur Hansezeit und später vermuten.
Gleichzeitig waren die Gebiete, in denen das Partizip nach skandinavischem Muster gebildet wird, in der Neuzeit teilweise über längere Zeit skandinavisch verwaltet. So führte der Dreißigjährige Krieg zu einer schwedischen Besetzung im Gebiet zwischen Hamburg und Bremen (z.B. Stade) und in Pommern. Schleswig-Holstein hatte den dänischen König als Landesherren und eine teilweise dänisch geprägte Verwaltung. Dies könnte ohnehin in der Sprache vorhandene Tendenzen zum präfixlosen Partizip verstärkt haben.
Generell ist zu beobachten, dass es im nördlichen Sprachraum eine über das Partizip hinaus gehende Abneigung gegen das Präfix ge- gibt. So wird bereits in älteren Quellen ein Geschlechterbuch Slechtbook genannt. Mit dem hochdeutschen Verb gehören korrespondiert das plattdeutsche hören / heurn und - präziser - tohören / toheurn. He heurt de vun de Geest to = Er gehört zu denen von der Geest.
Gerade an den Grenzgebieten wie z.B. der Niederrhein wird heute noch die Plattdeutsche Sprache gepflegt.
Der Übergang zwischen Niederdeutsch und Niederländisch ist fließend.
Die Desktop-Oberfläche für Unixsysteme und Derivate wie GNU/Linux, KDE, gibt es seit Version 3.2.1 auch in einer plattdeutschen Sprachvariante. Eine plattdeutsche GNOME-Variante befindet sich in der Planung.
Vielerorts wird Plattdeutsch auch als zweite Amtssprache verwendet. Unter anderem in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und in Teilen Russlands und der Niederlanden. Dort sind die Behörden nicht nur verpflichtet auf Plattdeutsch gestellte Anträge und Anfragen zu bearbeiten, sondern auch auf Plattdeutsch zu antworten.
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