Platoon ist ein Antikriegsfilm aus dem Jahr 1986 von Oliver Stone.
Der Film spielt im September 1967, irgendwo Nahe der kambodschanischen Grenze.
In der ersten Szene des Films entsteigt der Protagonist Chris Taylor (Charlie Sheen), der sich als Freiwilliger nach Vietnam gemeldet hat, dem Bauch eines US-Transporters, reibt sich verwundert die Augen und blickt auf in Plastik verpackte Leichen. „Willkommen in Vietnam“ sind die ersten Worte mit denen die jungen Soldaten begrüßt werden. Der Rezipient wird aufgrund der Bildaufteilung an eine Geburtsszene erinnert: Um in der Konfrontation mit dem Tod das Leben zu entdecken, hat er sich nach Vietnam gemeldet. Ein weiterer Grund sei, so erläutert Chris im off-Monolog, „habe er mitten im Dreck endlich eine Antwort gefunden, ... etwas worauf ich stolz sein kann“.
Chris entdeckt, wie man sich in der widrigen Umgebung Vietnam behauptet, und wird mit Männerfreundschaften und der Regel der Kameradschaft vertraut gemacht. Dabei lernt er, dem Sterben ins Auge zu sehen und die eigene Tötungspotenz kennen.
Platoon erzählt eine Initiationsgeschichte, in der der Protagonist existenzielle Lebenserfahrungen ergründet: Drogen, die Todesfurcht und den Blutrausch. Der Held kommt als Teenager nach Vietnam und kehrt als Mann nach Hause in die USA zurück. In der letzten Sequenz wird Chris (und die Kamera) noch einmal aus dem startenden Hubschrauber auf den Schauplatz der Tragödie zurückschauen. Er hat überlebt und im Kampf um seine Seele, den Elias (Willem Dafoe) und Sergeant Barnes (Tom Berenger) ausfochten, von beiden Vätern gelernt und sie so überwunden. Chris scheint das Gegenbild zu den Soldaten in The Deer Hunter zu sein. Dort zerstörte der Krieg Identität, bei Stone bringt die militärische Grenzerfahrung Sinnstiftung hervor, die es im zivilen Leben nicht gab.
Fest steht, dass Platoon einer der meistdiskutierten Filme des Jahres 1986 ist. Der mit vier Oscars ausgezeichnete Vietnamfilm wird in der deutschen Presse und Öffentlichkeit ambivalent aufgenommen. Einige amerikanische Vietnamveteranen aber gingen soweit zu sagen, Platoon sei der erste Spielfilm der zeige, was Vietnam wirklich war: „eine Hölle, in der die US-Soldaten nicht für die Ideale des freien Westens kämpften, sondern nur um das eigene Überleben“.
„Die Zeit“ nennt Platoon, „ein Märchen über Vietnam, gepolstert mit den naiven Einsichten des Veteranen Oliver Stone“. Die „FAZ“ fragt, ob Platoon die Nullösung des Vietnamproblems sei: die endgültige Abrüstung der Entrüstung im Kino? Platoon gewähre jeder Interpretation Raum, er verklebe nur das Pflaster über die Wunde Vietnam. Aber Heilung? Das „Lexikon des internationalen Films“ fasst den Film wie folgt zusammen: „Der sehr erfolg- und einflußreiche Film versucht, Kritik an der amerikanischen Kriegspolitik mit einer Heroisierung der gefallen Opfer (freilich nur der amerikanischen!) zu verbinden - mit fragwürdigem Resultat. Gerade wegen dieser Widersprüche einer der interessantesten US-Produktionen der achtziger Jahre.“
Die amerikanische Presse feierte Platoon als ersten `realistischen` Kriegsfilm. Stellvertretend für eine Vielzahl von Kritikern schrieb der Vietnamkriegsreporter der New York Times, David Halberstam: „Platoon ist der erste wirklichkeitsgetreue Vietnamfilm. Ein Film wie Rambo demütigte die Soldaten, die dort kämpften: Wenn ein Stallone den Feind überwältigen kann, warum gelang es ihnen in Platoon nicht? Platoon versteht, was die Architekten des Krieges nie sahen: Wie das Laub, die Krankheiten des Dschungels, die technische Überlegenheit der USA hinwegfegten. Man sieht wie der Wald die amerikanischen Soldaten aufsaugt; sie verschwinden einfach. Ich glaube, dass der Film ein amerikanischer Klassiker wird. Die anderen Vietnamfilme aus Hollywood haben die Geschichte vergewaltigt. Platoon ist hingegen historisch und politisch richtig.“
Roger Ebert, Filmexperte der Chicago Sun Times, schreibt: „It was Francois Truffaut who said that it's not possible to make an anti-war movie, because all war movies, with their energy and sense of adventure, end up making combat look like fun. If Truffaut had lived to see “Platoon“, the best film of 1986, he might have wanted to modify his opinion. Here is a movie that regards combat from ground level, from the infantryman's point of view, and it does not make war look like fun.”
Nachdem Oliver Stone für sein Filmprojekt gut neun Jahre keinen Geldgeber fand – der desillusionierte Rückblick auf den Alltag des Vietnamkrieges verhieß kein gutes Geschäft zu werden - war `Hamdale`, eine britisch dominierte `independent company` 1986 bereit die Fanzierung dieser Produktion zu übernehmen. Die Produktionskosten lagen bei 6 Millionen Dollar und waren damit nur halb so hoch wie für vergleichbare Hollywood-Filme aus der Mitte der Achtziger Jahre. So entstand auf den Philippinen innerhalb von nur sechs Wochen unter schwierigen Produktionsbedingungen eine filmische Aufarbeitung des Vietnamkrieges.
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