Grundlage
Der Begriff
Planwirtschaft beschreibt eine Art des Wirtschaftens, bei der im Voraus festgestellt wird, welche summierten Bedürfnisse innerhalb der planenden Wirtschaftseinheit bestehen oder zu erwarten sind, was zur Deckung dieser Bedürfnisse an Aufwendungen (Produktion usw.) nötig ist und wie diese sinnvoll organisiert werden.
Die Planwirtschaft steht damit im Gegensatz zur
Marktwirtschaft, in der verschiedene Wirtschaftsteilnehmer ohne vorherige Abstimmung
Güter mit dem Ziel erzeugen, diese auf einem
Markt einzutauschen, ohne dass der Bedarf für ein
Gut genau ermittelt wird. Im Fall der
Marktwirtschaft findet also keine Bedarfsplanung statt, sondern die Steuerung erfolgt über die
Mechanismen des Marktes.
Abgrenzung
Fälschlicherweise wird der Begriff Planwirtschaft oft als
Synonym für die
Wirtschaftsordnung der
Zentralverwaltungswirtschaft sozialistischer Staaten verwendet, obwohl diese nur eine Form der Planwirtschaft darstellt. Auf Grund des
Ost-West-Konfliktes ist der Umgang mit der Planwirtschaft oft
ideologisch beeinflusst.
Problematisch ist auch die Abgrenzung zur Marktwirtschaft, da in vielen Staaten mit marktwirtschaftlicher Wirtschaftsordnung Elemente der Planwirtschaft bestehen, welche die Mechanismen des Marktes außer Kraft setzen, so dass keine „reine“ Marktwirtschaft existiert - in den EU-Staaten z.B. in Form von Subventionen für Landwirtschaft und Bergbau.
Geschichte der Planwirtschaft
Wegen des Effizienzvorteils funktionierender Planung wurde — z.B. von Platon in dessen Staatsentwürfen, von Thomas Morus alias Thomas More in dessen Utopia, von Jean-Jacques Rousseau in dessen auf Gesellschaftsvertrag basierenden Staatsentwürfen oder von Karl Marx bei dessen (von ihm selbst nur angedeuteten) Entwürfen einer kommunistischen Gesellschaft — immer wieder vorgeschlagen, auch größere Gesellschaften/Staaten oder gar die "Weltgesellschaft" als ganzes planwirtschaftlich zu organisieren, also auch deren gemeinsamen Bedarf, die Produktion und die Organisation und Aufteilung des ganzen im Voraus zu bestimmen, wobei diese Vorausplanung entweder (etwa bei Karl Marx) ein gemeinsamer Akt aller Gesellschaftsteilnehmer oder aber (etwa bei Platon) die Aufgabe staatlicher Institutionen bzw. speziell verantwortlicher Personen sein sollte.
Einflussgrößen der Planwirtschaft
Anhänger des
Marxismus sehen im gemeinschaftlichen Eigentum an Produktionsmitteln die Hauptvoraussetzung für eine Planwirtschaft, da einzelne Eigentümer von Produktionsmitteln im Konflikt mit ihrem wirtschaftlichen Eigeninterressen stehen.
Die Planwirtschaft ist nicht an eine
Staatsform gebunden, jedoch begünstigen einzelne Staatsformen die Wahl der Planwirtschaft als gemeinschaftliche
Wirtschaftsordnung, sowie die Ausprägung in eine zentrale oder dezentrale Planwirtschaft.
Vorteilhaft für die Planwirtschaft sind Gemeinschaften in denen ein hohes Maß an Übereinstimmung zwischen den Mitgliedern über die wirtschaftliche und politische Entwicklung besteht und in welcher der Lebensstandard weitgehend identisch ist.
Auch die Existenz einer einflussreichen
Autorität steigert das Auftreten der Planwirtschaft.
Mit aufsteigender
Staatsquote bestehen günstigere Bedingungen:
Wirtschaftliche Entwicklung
Zwei Zustände können als besonders vorteilhaft angesehen werden:
Besonders niedrige Entwicklungsstufe (Entwicklungsländer)
Aufgrund der Konzentration auf wenige Güter (z.B. Nahrung, Möbel, Kleidung) können diese durch effiziente Planung unabhängig von Schwankungen des Marktes angeboten werden.
Da wenige Güter produziert werden, erleichtert eine geringe Zahl an Einflussgrößen die Planung. Der Mangel an komplexen Gütern ist unerheblich, da vorrangig Grundbedürfnisse zu sichern sind.
Besonders hohe Entwicklungsstufe
Aufgrund der geringen Knappheit von Gütern kann die Planwirtschaft eine gerechte Verteilung der Güter sichern. Künstliche Verknappungen durch marktwirtschaftliches Handeln einzelner Wirtschaftssubjekte wird vermieden.
Da eine Planwirtschaft für den
Import und
Export von Gütern mit dem Ausland auf prognostizierbare Mengen angewiesen ist, beeinflussen marktwirtschaftliche Störungen wie
Spekulationen mit Gütern die Planwirtschaft negativ.
Ein Außenhandel mit ebenfalls planwirtschaftlich organisierten Ländern zu konstanten Mengenfestlegungen ist günstiger.
Im Fall von Konflikten organisieren Staaten ihre
Kriegswirtschaft oft planwirtschaftlich, da ein freier Markt für Waffen einen hohen
Gleichgewichtspreis bedingt, der hohe Staatsausgaben erfordert bzw. einen Mangel an Waffen erzeugt.
Die Planwirtschaft benötigt nicht zwingend
Wertaufbewahrungsmittel zum Beispiel in Form von
Geld, da keine zwingende Notwendigkeit für einen Tausch von
Gütern besteht. Die Verteilung von Gütern kann allein durch eine planmäßige Zuteilung erfolgen oder durch die freie Nutzung der Güter.
Formen der Planwirtschaft
Zentralverwaltungswirtschaft (zentrale Planwirtschaft)
Ein typisches Beispiel für eine zentral verwaltete Wirtschaftsordnung war die Zentralverwaltungswirtschaft der UdSSR und anderer Staaten des sogenannten Realsozialismus. Wesentliche Merkmale der Wirtschaft dieser Staaten waren die Verstaatlichung der meisten Produktionsmittel (mit Ausnahme des Großteils der landwirtschaftlichen Nutzfläche), die zentrale Steuerung des Wirtschaftsprozesses, die Festlegung von Preisen und Löhnen und ein stabiles Außenhandelsmonopol.
Obgleich diese Wirtschaftsordnung auf einer sich marxistisch-leninistisch nennenden Ideologie fußte, verwirklichte die Zentralverwaltungswirtschaft statt der marxschen gemeinsamen Planung freier Gesellschaftssubjekte eine staatlich institutionalisierte Steuerung durch besondere Funktionäre, gemäß deren spezieller Interessen (Ausweitung der Produktion und Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt - zur Sicherung der eigenen Privilegien). Dadurch wurden die Ergebnisse der Planung verzerrt und entsprachen nicht den Bedürfnissen der Bevölkerung.
Siehe auch Hauptartikel Zentralverwaltungswirtschaft.
Dezentrale Planwirtschaft
In einer dezentralen Planwirtschaft liegt die Verantwortlichkeit für die Bedarfsplanung eigenverantwortlich bei jeder einzelnen Wirtschaftseinheit. Dieser Bedarf wird mit den anderen Wirtschafteinheiten abgestimmt, die so ihre Produktion festlegen.
Eine solche Vorausplanung von Bedarf und Produktion findet ganz selbstverständlich sowohl in "vorzivilisierten" Gesellschaften (Sippen, Dorfgemeinschaften, ...) als auch im Innenverhältnis faktisch jedes Unternehmens statt; letzteres deshalb, weil ein firmeninterner ungeplanter Tausch (also eine interne Marktwirtschaft) zur Produktion zahlreicher letztlich nicht nachgefragter Produkte und Dienstleistungen führen würde, während gleichzeitig mit einer mangelnden Deckung tatsächlichen Bedarfs zu rechnen wäre – eben wegen der fehlenden gemeinsamen Planung. Eine funktionierende Planung erhöht somit die Effizienz des Wirtschaftens.
Vor- und Nachteile der Planwirtschaft
Vorbemerkung: In der Praxis einer Planwirtschaft müssen nicht alle Vorteile bzw. Nachteile auftreten.
Vorteile für die Mehrheit der Bevölkerung
Effizienz des Wirtschaftens
Die Wirtschaft wird so organisiert, dass die Bedürfnisse der Mehrheit der Bevölkerung, darunter auch das Bedürfnis nach Arbeitsmöglichkeit mit angemessener Entlohnung, befriedigt werden. Es werden primär solche Güter produziert, für die ein politisch gewichteter Bedarf festgestellt wurde; vorhandene Produktionsmittel werden besser ausgenutzt. Technische Entwicklungen werden koordiniert, Parallel-Entwicklungen minimiert.
Verlässlichkeit
Durch Planung auch in volkswirtschaftlichem Maßstab ist die zukünftig zur Verfügung stehende Menge eines Gutes bekannt.
Güterverteilung
Die Verteilung der Güter kann durch Planung festgesetzt werden. Die Beachtung einer Vielzahl an Kriterien ist möglich (volkswirtschaftlich, sozial, politisch usw.).
Dadurch ist z.B. die gezielte Schaffung von Produktionsmitteln oder die Entwicklung einer bestimmten Region oder einer Stadt gut steuerbar, aber auch die Bereitstellung der dem Gemeinwohl dienenden Gütern bzw. Gütern des Grundbedarfs.
Nachteile
Kritik an planwirtschaftlichen Konzepten kam u.a. von
Ludwig von Mises.
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