Pim Fortuyn (* 19. Februar 1948 in Velsen, Nordholland als Wilhelmus Simon Petrus Fortuijn; † 6. Mai 2002 ermordet in Hilversum) war ein niederländischer Politiker und Publizist. Er arbeitete für kurze Zeit als Professor an der Erasmus-Universität in Rotterdam. Politisch war er ein erklärter Gegner des Islamismus in den Niederlanden, und seine ablehnenden Auffassungen zur multikulturellen Gesellschaft führten in der niederländischen Gesellschaft zu teils heftigen Kontroversen; große Bevölkerungsteile stimmten ihm in seinen Ansichten zu.
1990 zog Pim Fortuyn nach Rotterdam um. Dort wurde er kurzzeitig außerordentlicher Professor an der Erasmus–Universität zu Rotterdam. Schon frühzeitig in seiner Karriere war Fortuyn politisch engagiert. Er publizierte seine häufig eigenwilligen Standpunkte in seinen Büchern und Kolumnen. So schrieb er acht Jahre lang für die Wochenzeitschrift Elsevier (rechtsliberal). In seinen Kolumnen trat er als Kritiker des sozialliberalen Kabinetts (im Volksmund: "violettes Kabinett") auf. 1997 erschien sein viel diskutiertes Buch: Tegen de islamisering van onze cultuur ("Gegen die Islamisierung unserer Kultur").
Am 20. August 2001 gab er bekannt, dass er in die Politik gehen wolle. Am 26. November des gleichen Jahres wurde er Spitzenkandidat der Partei Leefbaar Nederland (LN), eine nationalistische Partei in den Niederlanden, am 20. Januar 2002 ebenso von Leefbaar Rotterdam. Schon am 11. Februar 2002, kurz nachdem er sich mit LN überworfen hatte, stellte er sich an die Spitze seiner eigenen Partei Lijst Pim Fortuyn. Im April 2002 publizierte er sein letztes (elftes) Buch: De puinhopen van acht jaar paars ("Der Scherbenhaufen von acht Jahren violettem Kabinett"), das auch als Wahlprogramm eingesetzt wurde (man musste es allerdings ganz regulär kaufen für € 16,95).
Am 9. Februar 2002 sagte er in einem Interview mit der Tageszeitung de Volkskrant, dass die Niederlande mit 16 Millionen Einwohnern nicht weiter aufnahmefähig und vierzigtausend Asylbewerber pro Jahr nicht hinnehmbar seien. Außerdem meinte er, es sei besser, den Ersten Artikel des Niederländischen Grundgesetzes zu streichen ("Niemand darf diskriminiert werden") als die Freiheit der Meinungsäußerung einzuschränken.
Seine Meinung zum Islam: „Ich hasse den Islam nicht” aber „Ich finde es eine zurückgebliebene Kultur.” ... „Überall wo der Islam das Sagen hat, ist es einfach nur schrecklich. Die ganzen Zweideutigkeiten. Es ist fast ein wenig mit den Reformierten vergleichbar. Reformierte lügen dauernd.” (Gereformeerde Kerk, Reformierte Kirche, eine der vielen Glaubensrichtungen in den Niederlanden)
Fortuyn konnte dies aus seiner Sicht auch plausibel begründen: Als bekennender Homosexueller fühlte er sich persönlich bedroht, seit ein prominenter Imam ihm sagte, Schwule seien weniger wert als Schweine. In seinem Interview fügte er noch hinzu, dass ihn seine Äußerungen über den Islam wahrscheinlich in Probleme mit der LN bringen würden. Und tatsächlich kam es auf Grund dieser Aussprachen zum Bruch. Einige Tage später gründete er seine eigene Partei Lijst Pim Fortuyn.
Andersdenkende Politiker, Medien und betroffene Organisationen beschimpften Fortuyn als einen niederländischen Haider oder Le Pen. Seine Ideen wurden von ihnen als gefährlich angesehen und nach Frits Bolkestein, niederländischer EU-Kommissar, Mitglied der rechtsliberalen VVD und ehemaliger Verteidigungsminister in Den Haag, würden die Niederlande eine klägliche Figur abgeben, sollte Fortuyn Premier werden.
Fortuyn sah sich selbst allerdings nicht als politisch extrem rechten Politiker und auch nicht als einen liberalistischen Populist und verwahrte sich gegen diese Vergleiche. Nach Pim Fortuyn sollte jeder, der schon in den Niederlanden war, auch bleiben können – ausgenommen illegale Immigranten von den Niederländischen Antillen. (Der Volkskrant wies darauf hin, dass alle Bürger der Niederländischen Antillen die Niederländische Staatsangehörigkeit hätten und daher auch legal im Land seien).
Fortuyn war erklärter Republikaner und Mitglied der Republikeins Genootschap, eines Vereins zur Abschaffung der Monarchie. Im Gegensatz dazu unterstützen allerdings mehr als 80 % der Bevölkerung die Monarchie. Darauf angesprochen erklärte er, die staatsrechtlichen Verhältnisse in den Niederlanden und das niederländische Grundgesetz zu respektieren, er wünsche sich jedoch eher heute als morgen einen gewählten Präsidenten (anstatt einer durch Erbrecht bestimmten Königin).
Er war Befürworter des US-amerikanischen Zweiparteiensystems. Im Übrigen würde ein Kabinett mit ihm als Premier nicht mehr als sechs Minister und Staatssekretäre haben.
Fortuyn war immer gut gekleidet (elegante italienischen Anzüge) und ließ sich mit einer „Luxuslimousine” chauffieren, wohingegen anderen niederländischen Politikern eher Bescheidenheit angesagt war. Fortuyn residierte in einer Villa (Casa di Pietro) in Rotterdam mit Schoßhündchen (Kenneth und Carla) und einer Kunstsammlung. Dieser Lebensstil wurde ihm von seinen Anhängern nicht vorgeworfen - eher von seinen Neidern -, sondern eher bewundernd anerkannt. Auch seine Homosexualität lebte er sehr offen aus: Äußerungen über den Geschmack von Sperma, den er mit einem Schluck Kräuterschnaps verglich, oder seine Äußerungen über Techniken, die er bei den anonymen sexuellen Handlungen in den Darkrooms der Diskotheken anwendete, waren für die liberalen Niederländer kein Grund zur Aufregung. Sein Einfluss auf die niederländische Gesellschaft ist nicht von der Hand zu weisen. Das Enfant terrible der niederländischen Politik sorgte - und sorgt postum noch immer - für Unruhe.
Der Pressesprecher der LPF, Mat Herben, kündigte an, dass Pim Fortuyn bis nach den Wahlen postum Spitzenkanditat bleiben sollte. Erst nach den Wahlen sollte Herben ihn als Fraktionsvorsitzenden ablösen. Viele Wähler stimmten bei den Wahlen aus Protest oder emotionalen Gründen für die LPF.
Pim Fortuyn wurde am 10. Mai 2002 auf dem Friedhof Westerveld in Driehuis, Noordholland begraben. Am 20. Juli 2002 wurde sein Leichnam nach Provesano (Italien) überführt.
Als Pim Fortuyn die politische Bühne betrat, stießen zwei extreme Positionen aufeinander. Der Luxus genießende Fortuyn, dem Sätze wie: „wählt mich, dann dürft ihr Pelzmäntel tragen“ leicht von den Lippen gingen, und der von solchen Äußerungen enorm provozierte van der Graaf. In Vernehmungen äußerte van der Graaf, dass er schon ein halbes Jahr lang überlegt habe, wie er Fortuyn zum Schweigen bringen könne. Gemäßigte Umweltschützer waren schon seit einiger Zeit zu ihm auf Distanz gegangen.
Als Motive für die Tat werden sowohl radikale Tierschutzaspekte, als auch klassische politische Motive wie "Schutz der Schwachen in der Gesellschaft" genannt. *
Knapp ein Jahr nach dem Attentat wurde Volkert van der Graaf am 15. April 2003 von einem Gericht in Amsterdam wegen Mordes zu 18 Jahren Haft verurteilt. Ein Gutachten bescheinigte ihm zwar zwanghafte Persönlichkeitsstörungen, ließ aber keine Zweifel an seiner Zurechnungsfähigkeit während der Tatzeit.
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