Pietro_Aretino.jpg):Pietro Aretino]] Pietro Aretino (* 20. April 1492 in Arezzo; † 21. Oktober 1556) war ein italienischer Schriftsteller und Dichter der Renaissance.
Er verfasste Theaterstücke, religiöse Erbauungsbücher, die berühmt-berüchtigten erotischen Sonette zu den modi des Marcantonio Raimondi sowie ein große Zahl von literarisch brillanten und kulturhistorisch ergiebigen Briefen. Aretino verkörpert den Typus eines unabhängigen, allein auf der Grundlage seiner geistigen Leistungen in einer höfischen Gesellschaft erfolgreichen sozialen Aufsteigers. Auf den Titelblättern seiner letzten Bücher nannte er sich Pietro Aretino durch göttliche Gnade ein freier Mann (Pietro Aretino per divina gratia huomo libero).
PietroAretinoTitian.JPG: Pietro Aretino, 1545 (Palazzo Pitti, Florenz)]]
Dort verfasste er zunächst eine gegen den Papst gerichtete satirische Schrift über den Sacco di Roma und einen Friedensappell an Kaiser Karl V. In Venedig bekam er schnell Zugang zur Oberschicht, er genoss die Protektion des Dogen Andrea Gritti und schloss Freundschaft mit Tizian und Sansovino. Die im Venedig des frühen 16. Jahrhunderts blühende Druckkunst schuf für Aretinos literarische Tätigkeit und die schnelle und allgemeine Verbreitung seiner Schriften und Briefe die idealen Bedingungen. Er mischte sich mit seiner spitzen Feder in die politischen Angelegenheit der verschiedenen Republiken und Staaten ein und hatte Kontakte sowohl zum deutschen Kaiser als auch zum französischen König Franz I. Von Venedig aus startete er Bettelaktionen unter anderem an die politischen Kontrahenten, die ihn beide in der Hoffnung, er möge dem politischen Gegner möglichst viel Schaden zufügen, den jeweiligen Mäzen aber schonen, großzügig subventionierten.Aretino selbst nannte sich condottiere della penna, Kondottiere der Feder, d.h. er verkaufte seine literarischen Dienste an den, der am besten zahlte. Briefe und Artikel mit dieser Mischung von Schmeicheleien, gezielten Enthüllungen, Schmähungen, versteckten und offenen Drohungen, die gelegentlich den Tatbestand der Erpressung erfüllen, zirkulierten überall in Italien. Ab 1535 versah er seine Druckerzeugnisse mit dem Motto: Veritas odium parit (die Wahrheit brütet Hass aus.) Ariost nannte ihn die Geißel der Fürsten.
Ab 1538 gab er in Abständen Sammlungen dieser Briefe als Bücher heraus. Daneben veröffentlichte er Viten von Heiligen, für die er im Zusammenhang der Auseinandersetzungen Roms mit der Reformation Luthers einen Markt erkannte. Außerdem gab es eine reiche Produktion von Satiren, Polemiken und Theaterstücken. Aretino gelang es, allein durch seine literarische Tätigkeit ein beachtliches Einkommen zu erwirtschaften. Zwischen 1550 und 1551 verfasste er die ternali zum Ruhm des Papstes Julius III. und macht sich Hoffnungen auf einen Kardinalshut, die sich aber nicht erfüllten.
Aretino ist am 21. Oktober 1556 in Venedig gestorben, wahrscheinlich an einem Schlaganfall, der Legende nach soll er bei einem Lachanfall vom Stuhl gefallen sein und sich dabei den Hals gebrochen haben.
Nach seinem Tod wurden seine Werke von Papst Paul IV. auf die erstmals zusammengestellte Liste der verbotenen Bücher Index Librorum Prohibitorum gestellt.
Zwischen 1524 und 1525 kamen die so genannten sonnetti lussuriosi heraus, denen Aretino seinen Ruf als Klassiker pornographischer Literatur verdankt. Aretino verfasste zu den erotischen Zeichnungen des Giulio Romano, die von Marcantonio Raimondi in Kupfer gestochen worden waren, jeweils ein Sonett, das sich durch naturalistische Genauigkeit, Grobheit und primitive Deutlichkeit in der Beschreibung der körperlichen Liebe auszeichnet. Von der Raffinesse, dem Witz und der Eleganz seiner späteren erotischen Texte ist er hier noch weit entfernt.
Ab 1525 begann er mit seiner Komödie La cortigiana *, einer Parodie auf Castigliones Buch Il Cortegiano. Er zeigt die Abenteuer von Messer Maco aus Siena, der nach Rom reist, um Kardinal zu werden. Als er sich dort in eine Frau verliebt, muss er feststellen, dass er nur als cortegiano, als Mann des Hofs, bei ihr eine Chance hat. Er nimmt Unterricht bei einem Schwindler, der ihn die Tugenden eines Hofmanns lehrt: Er lernt zu täuschen und zu betrügen und sitzt für Stunden vor dem Spiegel. Im Stil seiner Pasquill entzaubert Aretino die Zustände an den Höfen seiner Zeit, die Sitten der Höflinge, denunziert die verbreitete Heuchelei und die herrschenden literarischen und philosophischen Moden, wie den Platonismus oder Petrarkismus.
Zwischen 1533 und 1536 verfasste Aretino zwei Fassungen seiner Ragionamenti. Sie gehören zur Gattung der Hetärengespräche. Die Prostituierten Nanna und Antonia unterhalten sich über die Zukunft und über die optimale Lebensweise von Nannas Tochter. Nanna, die in ihrem Leben Nonne, Ehefrau und Dirne gewesen ist, kommt während des Gesprächs zu dem Schluss, dass sich die Fähigkeiten und Begabungen einer Frau nur in einem Leben als Dirne ausreichend entfalten könnten, nur hier ergäbe sich für die Frau die optimale Möglichkeit, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Wichtigste Voraussetzung für ein erfolgreiches Leben sei es aber, sich nicht in die Männer zu verlieben, um nicht von diesen betrogen und ausgenutzt zu werden. Aretino parodiert in seinen Ragionamenti zeitgenössische Tugendlehren und mokiert sich über die Idealisierung der Frau, wie sie in der Nachfolge Petrarcas in der in Italien verbreiteten Literatur üblich war.
Um die gleiche Zeit arbeitete er an seinem Theaterstück Il marescalco, in dem sein Mäzen, der Herzog von Mantua, persönlich als deus ex machina auftritt. In der Komödie geht es um einen homosexuellen Höfling, der auf keinen Fall heiraten will und dem die Vorteile einer Ehe von verschiedenen Seiten auf komische Weise nahegebracht werden. Die Braut, mit der er durch den Herzog vermählt wird, stellt sich schließlich erfreulicherweise als hübscher Jüngling heraus.
In der Folge veröffentlichte Aretino mehrere Werke mit religiösem Inhalt, so eine Leidensgeschichte Jesu und die sieben Bußpsalmen Davids, sowie Lebensgeschichten der Jungfrau Maria, der Heiligen Katharina und des Thomas von Aquin, die beiden letzten als Auftragsarbeiten des kaiserlichen Statthalters del Vasto. Zwischen 1542 und 1546 brachte er zwei Komödien und seine einzige Tragödie, den Orazio heraus.
Carracci Jupiter et Junon.jpg]]
Siehe auch: Thomas Hettche
Autor | Renaissance (Literatur) | Literatur (Italienisch) | Italiener | Mann | Geboren 1492 | Gestorben 1556
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