Pierre Harmel (* 16. März 1911 in Uccle (Brüssel) Politiker, Professor der Rechte an der Universität Lüttich (Ulg), hat in der Christlich-Sozialen Partei (PSC) politische Karriere gemacht. Zwischen 1950 und 1972 bekleidete er mehrere Ministerposten, darunter denjenigen des Premierministers (1965-1966). In Belgien war sein Einfluss prägend in den Bereichen Unterrichtswesen und Kultur, sowie in den Beziehungen zwischen den Gemeinschaften. Am Ende seiner politischen Laufbahn spielte er eine wichtige Rolle auf internationaler Ebene. 1967 legte Pierre Harmel einen für die Politik der Organisation des Nordatlantikvertrags (NATO) im Zusammenhang mit der Entspannung mit dem Ostblock entscheidenden Bericht vor, den "Harmel-Bericht".
Nach dem Erwerb eines Diploms als Doktor der Rechte sowie von Lizenzen in Sozialwissenschaften und Notariat (1933) wurde Pierre Harmel Agrégé für Hochschulunterricht und Inhaber eines Diploms in Steuerrecht (Juni 1942), bis 1940 Assistent an der ULg, bevor er zum Professor ernannt wurde, eine Funktion, die er erst 1981 aufgab. Pierre Harmel begann seine politische Laufbahn in der PSC und wurde 1946 zum Abgeordneten gewählt. Zwei Jahre später nahm er an der Gründung des Zentrums der Forschung nach der nationalen Lösung der sozialen, politischen und rechtlichen Probleme der Wallonischen und der Flämischen Region teil, das 1958 einen Bericht vorlegte, welcher die Notwendigkeit für beide Gemeinschaften aufzeigte, zur kulturellen Unabhängigkeit zu gelangen.
Zwischen 1950 und 1961 bekleidete Pierre Harmel Ministerposten in mehreren aufeinander folgenden Regierungen (staatliches Schulwesen, Justiz und Öffentlicher Dienst) und wurde in der zweiten Regierung Eyskens (1958-61) erster Minister für kulturelle Angelegenheiten in der Geschichte Belgiens. In seinem Amt als Minister des staatlichen Schulwesens ergriff er vor allem Maßnahmen zugunsten der staatlichen Subvention des mittleren, normalen und technischen Unterrichtswesens.
Nach einer Zeit als Vorsitzender des französischsprachigen Flügels der PSC (1964-1965) wurde er 1965 Premierminister und blieb dies bis 1966 in einer Koalition der Christlich-Sozialen und Sozialistischen Partei. Trotz seiner Bemühungen verfügte er nicht über eine ausreichende Mehrheit, um die Schlussfolgerungen des Runden Tisches in Bezug auf die Verfassungsreform mit Blick auf die Föderalisierung des Landes zu verabschieden.
Zwischen 1966 und 1972 gewann seine politische Karriere internationale Dimensionen, siebzehn Jahre nach seiner ersten wichtigen Handlung auf der internationalen Bühne, als er Belgien bei der 4. Versammlung der Vereinten Nationen vertrat. Als Außenminister war er Haupturheber des 1967 hinterlegten Harmel-Berichts. Dieser übte einen beträchtlichen Einfluss auf die Neudefinierung der Politik der NATO im Augenblick der Entspannung zwischen Ost und West aus. Als Verfechter einer starken Verteidigungspolitik, aber auch Befürworter eines Dialogs und von Maßnahmen konstruktiver Zusammenarbeit mit dem Ostblock, diente er lange Zeit hindurch als bedeutendste Inspirationsquelle für die Politik der NATO und deren Willen, eine stabile Friedenspolitik zu garantieren. 1973 wurde Pierre Harmel zum Staatsminister ernannt und war bis 1977 Präsident des Senats. 1991 verlieh ihm der König den Grafentitel.
Mann | Belgier | Premierminister (Belgien) | Geboren 1911
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