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Pier Paolo Pasolini (* 5. März 1922 in Bologna; † 2. November 1975 in Ostia) war ein italienischer Filmregisseur, Dichter und Publizist.

In seinen Filmen setzte sich Pasolini mit den Missständen in der italienischen Gesellschaft im Besonderen sowie mit faschistoiden Strukturen und Mechanismen in autoritären Systemen im Allgemeinen und mit den Un-/Möglichkeiten zwischenmenschlicher Beziehungen auseinander. Seine Charaktere waren sozial ausgegrenzt und rebellisch. Bei der Wahl seiner Darsteller griff er häufig auf Amateure zurück.

Auch in seiner reichen publizistischen Aktivität thematisiert Pasolini den Verfall der gesellschaftlichen Strukturen wie er in der italienischen Gesellschaft der sechziger und siebziger Jahren beobachten konnte. Hauptmerkmal dieses Verfallsprozesses ist das Verschwinden der Kultur des Volkes als Grundlage des gesellschaftlichen Fortschritts und das davon induzierte Fehlen von Werten und Inhalten des menschlichen Zusammenlebens. Auslöser und tragende Kraft dieses Prozesses ist eine neue Form von Faschismus, die - anders als der Faschismus der Vorkriegszeit - von den Individuen verinnerlicht wird und in der Auslöschung des Andersseins und der kulturellen Differenzen seinen Sinn findet. Seine Erscheinungsformen sind die konformistische Omologation an das Entwicklungsmodell des neuen Kapitalismus und das Auftreten des entsprechenden kleinbürgerlichen Menschentypus als einziges nachahmenswertes Modell. Dieser Faschismus ist ein Phänomen, das alle Teile der Gesellschaft involviert: davon erspart bleibt weder die 68er-Generation noch das Unterproletariat des Landes und der Großstädte.

Die Radikalität dieser Position ist die eigentliche Ursache der intellektuellen sowie menschlichen Ausgrenzung, die Pasolini während seiner Tätigkeit erfahren musste.

Leben


Pasolini wurde 1922 als Sohn des Berufsoffiziers Carlo Alberto Pasolini und der Volksschullehrerin Susanna Colussi geboren. Sein Vater wurde später landesweit bekannt, als er Benito Mussolinis Leben rettete.

Sein jüngerer Bruder Guido starb im Zweiten Weltkrieg, wo er als Partisan gegen das faschistische Regime kämpfe.

Im Alter von sieben Jahren begann Pasolini, seine ersten Gedichte zu schreiben. 1942 erschien sein erster Gedichtband Poesie a Casarsa. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Pasolini zur Armee eingezogen und geriet in deutsche Kriegsgefangenschaft, aus der er jedoch fliehen konnte. Nach Kriegsende schloss er sich der Kommunistischen Partei Italiens an.

Pasolini hatte einen Priester wissen lassen, dass er schwul sei. Der Priester verletzte sein Beichtgeheimnis und informierte die Öffentlichkeit. Das hatte zur Folge, dass Pasolini seinen Lehrerjob verlor und aus der Kommunistischen Partei exkommuniziert wurde. (Quelle: http://www.jungle-world.com/seiten/2006/15/7558.php)

Seine erste Novelle Ragazzi di Vita (1955), die im Zuhälter- und Strichermilieu angesiedelt ist, brachte ihm neben literarischem Erfolg auch eine Klage wegen der obszönen Darstellung ein.

Im November 1975 wurde Pasolini in der Nacht von Allerheiligen auf Allerseelen ermordet. Seine Leiche wurde auf einem Fußballplatz in Ostia gefunden. Pasolini war offenbar mehrfach mit einem Auto überfahren worden. Wegen des Mordes verurteilt wurde der Stricher Pino Pelosi *, der die Tat gestand und eine Freiheitsstrafe von neun Jahren verbüßte. 2005 widerrief er sein Geständnis gegenüber Journalisten und erklärte, Unbekannte hätten Pasolini getötet.

Der Mord ist bis heute nicht restlos aufgeklärt. Einige Widersprüche in Pelosis Aussagen, merkwürdige Verwicklungen des italienischen Geheimdienstes in die Arbeit der Ermittlungsbehörden und der fehlende Zusammenhang einiger Beweismittel brachten einige der Freunde Pasolinis, darunter die Schauspielerin Laura Betti, zu dem Verdacht, dass es sich um einen Auftragsmord gehandelt habe.

Pasolini wurde auf dem Friedhof von Casarsa beerdigt.

Werke


Filme

Lyrik

  • Le ceneri di Gramsci (Gramsci’s Asche, 1957)
  • L'usignolo della chiesa cattolica (Die Nachtigall der katholischen Kirche, 1958)
  • Le poesie (1975)

Schriften, Prosa

  • Passione e ideologia (1948-1958)
  • Empirismo eretico (Ketzererfahrungen. Schriften zu Sprache, Literatur und Film, 1972)
  • Lettere luterane (1972. Dt.: Lutherbriefe, hg. 1976)
  • Scritti corsari (1975. Dt.: Freibeuterschriften, Hg. von Peter Kammerer 1998)
  • Il caos (1979. Dt.: Chaos, Gegen den Terror, 1981)

Romane

  • Ragazzi di vita (1955)
  • Una vita violenta (1959. Dt.: Vita Violenta, 1963)
  • II sogno di una cosa (1962. Dt.: Der Traum von einer Sache)
  • Teorema (1968. Dt. 1969)
  • Amado mio, preceduto da Atti impuri (aus dem Nachlass hg. 1982. Dt.: Amado Mio, Zwei Romane über die Freundschaft, 1984)
  • Petrolio (aus dem Nachlass hg. 1992. Dt. 1994)

Verschiedenes

  • Ali dagli occhi azzurri (Ali mit den blauen Augen. Erzählungen, Gedichte, Fragmente, 1965)
  • Literatur und Leidenschaft. Über Bücher und Autoren (Auswahl, 1990)
  • „Ich bin eine Kraft des Vergangenen ...” Briefe (Auswahl, 1991)

Pasolini als Thema der Kunst


Pasolini war lange mit dem österreichischen Maler und Bildhauer Alfred Hrdlicka befreundet. Hrdlicka hat seine Erschütterung über den Mord an Pasolini in zahlreichen eindrucksvollen Lithografien, Gemälden und Plastiken verarbeitet.

Literatur


  • Enzo Siciliano: Pasolini. Deutsch 1981
  • Peter W. Jansen (Hg.) und andere: Pier Paolo Pasolini. 1985
  • Nico Naldini: In den Feldern Friauls. Die Jugend Pasolinis. Deutsch 1987
  • Nico Naldini: Pier Paolo Pasolini. Eine Biographie. Deutsch 1991
  • Otto Schweitzer: Pier Paolo Pasolini. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. 1986
  • Christoph Klimke (Hg.): Kraft der Vergangenheit. Zu Motiven der Filme von Pier Paolo Pasolini. 1988
  • Giuseppe Zigaina: Pasolini und der Tod. Deutsch 1989

Weblinks


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