Ein Picture Archiving and Communication System (Pacs) ist in der Medizin ein Bildarchivierungs- und Kommunikationssystem auf der Basis digitaler Rechner und Netzwerke. PACS-Software (z.B. bei der Archivierung und Befundung von Bilddaten) wird in der gesamten Europäischen Union in der Regel als Medizinprodukt der Klasse I oder I (m) mit Messfunktion in den Verkehr gebracht. Falls die PACS-Software Einfluss auf die Wirkungsweise eines mit ihr verbundenen Medizinprodktes hat (z.B. bei Funktionaliäten zur Strahlentherapieplanung), kann sie der Klasse IIa oder höher zugeordnet werden. Das Konformitätsbewertungsverfahren bei Produkten der Klasse I mit Messfunktion und höher unterliegt der Überwachung durch eine so genannte Benannte Stelle. Medizinprodukte wie PACS-Systeme bestehen ggf. aus mehreren Komponenten, die einzeln bewertet werden können, Diese Komponenten können daher auch, in Abhängingkeit ihrer jeweiligen Zweckbestimmung, unterschiedliche Klassifizierungen aufweisen.
Etymologische Anmerkung: Aus dem englischen Akronym ist im deutschen Gebrauch ein eigenständiges Lehnwort entstanden. In diesem Artikel wird daher Pacs als Nomen mit großem Anfangsbuchstaben verwendet. Auch die streng genommen tautologische Kombination Pacs-System wird alltäglichem Jargon entsprechend verwendet.
Vollwertige Pacs-Systeme erfassen digitale Bilddaten aller Modalitäten in der Radiologie und der Nuklearmedizin. Grundsätzlich kommen auch Bilder aus Pathologie und Mikrobiologie für die Pacs-Verarbeitung in Frage. Einzelne Computeranlagen, die mit einem einzigen Diagnosegerät permanent verbunden sind und Pacs-Aufgaben erfüllen, bezeichnet man als Mini-Pacs.
Nach der Erfassung werden die digitalen Bilddaten, zusammen mit Informationen über die Identität des Patienten, über die klinische Fragestellung und über die Untersuchung auf einem zentralen Serversystem gespeichert. Bei allen modernen Systemen werden standardisierte Kommunikationsprotokolle und Speicherformate verwendet (DICOM). Dadurch lassen sich verschiedene PACS-Komponenten und Diagnosegeräte herstellerunabhängig verbinden.
An speziellen Arbeitsplatzrechnern werden die Untersuchungen abgerufen. Bilder werden, wenn nötig, digital nachbearbeitet: meist wird die Zuordnung gemessener Werte (Röntgenabsorption, Signalintensität etc.) zu Grauwerten manipuliert, oder nachträgliche Strukturmessungen durchgeführt. Nach der Begutachtung der Bilder im Licht der Krankengeschichte erstellt der Radiologe einen Befundbericht, der meist diktiert und anschließend schriftlich ins System eingegeben wird.
An meist weniger aufwändig ausgestatteten Arbeitsplatzrechnern im Stations- und Poliklinikbereich können behandelnde Ärzte die Bilder und den Befundbericht einsehen.
Bei projektionsradiografischen Verfahren ermöglicht die digitale Erfassung einen höheren Kontrastumfang. Aufnahmen sind somit informativer, Wiederholungsaufnahmen nach Fehlexpositionen sind seltener als bei der Filmradiografie.
Für Schnittbildverfahren ergeben sich erweiterte Möglichkeiten bei der Begutachtung. So kann eine Schnittserie als Animation dargestellt werden. Pacs vereinfacht die Dokumentation von Bewegtaufnahmen beim Ultraschall.
Da die Bilder auch über größere Distanzen reproduziert werden können, kann die Begutachtung zeitlich und räumlich flexibler gestaltet werden (siehe auch Teleradiologie). Aufnahmen können verlustfrei kopiert werden. Umständliche Filmarchivierung entfällt. Das Risiko des Verlustes einzigartiger Originalaufnahmen wird verringert.
Einsparungen an Bildmedien, Transportkosten und Archivierungsplatz wurden in der Frühphase der Pacs-Entwicklung als Vorteile genannt, haben sich aber im Laufe der Zeit als marginal herausgestellt oder werden vom Aufwand für die Pacs-Wartung und Betreuung kompensiert.
Die IHE (Integrating the Healthcare Enterprise) ist eine Organisation, die verschiedene Standards zu sogenannten Anwendungsprofilen zusammenfasst. Ein Pacs kann dann einem oder mehreren dieser Profile entsprechen.
Bildgebendes Verfahren | Medizintechnik | Dokumentation | Medizininformatik
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