Recht und Gerechtigkeit (polnisch "Prawo i Sprawiedliwość"; kurz PiS) ist eine rechtskonservative bis rechtsextreme Partei in Polen, die 2001 vom ehemaligen Justizminister Lech Kaczyński und dessen Zwillingsbruder Jarosław Kaczyński gegründet wurde. PiS schlossen sich weitere Politiker an, die größtenteils aus der zerfallenden AWS kamen. Aus den Sejmwahlen am 25. September 2005 ging PiS mit 26,99 % als stärkste Partei hervor. Die Präsidentschaftswahlen 2005 gewann Lech Kaczyński in einer Stichwahl am 23. Oktober.
Inhaltliches Profil
PiS vertritt national
konservative, in der Wirtschafts- und Sozialpolitik eher
wohlfahrtsstaatliche Positionen, gilt außenpolitisch als
europaskeptisch und steht Deutschland und Russland kritisch gegenüber. Programmatisch betont sie den Ausbau der
inneren Sicherheit durch Verschärfung der
Strafgesetze bis hin zur
Todesstrafe und den Kampf gegen
Korruption. Auf zunehmende internationale Kritik stößt seit der Wahl Kaczyńskis auch die restriktive Politik gegenüber
Homosexuellen in Polen. Kritiker bezeichnen diese Programmatik auch als
Kaczismus.
Den Beitritt Polens zur EU lehnte PiS zwar nicht ab, besteht aber auf der Souveränität Polens, soweit es um die Themen Schutz des Lebens, Ehe, Familie und Erziehung geht.
Regierungsbeteiligung
Nach dem Wahlerfolg
2005, in dem sie als stärkste Partei hervorging, strebte sie verabredungsgemäß zunächst eine Koalition mit der liberal-konservativen
PO an, die in Umfragen bis unmittelbar vor der Wahl die stärkste Partei des konservativen Spektrums gewesen war. Durch eine Reihe von unabgesprochenen Personalentscheidungen - wie die Nominierung und Wahl von
Marek Jurek zum
Sejmmarschall - brüskierte PiS allerdings den potenziellen Koalitionspartner. Um die Aussichten seines Bruders Lech Kaczyński in den Präsidentschaftswahlen zwei Wochen nach den Sejmwahlen nicht zu gefährden, hatte Parteichef Jarosław Kaczyński auf das angestrebte Amt des Premierministers verzichtet und stattdessen überraschend dem in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannten
Kazimierz Marcinkiewicz die Regierungsbildung überlassen. Nachdem die PO eine Regierungsbeteiligung ablehnte, stand Marcinkiewicz zunächst einer
Minderheitsregierung vor, die auf die Unterstützung der ultrarechten
Liga Polnischer Familien (LPR) sowie der populistischen
Samoobrona („Selbstverteidigung“) des Bauernführers
Andrzej Lepper angewiesen war. Beide Parteien schlossen sich im Mai 2006 jedoch der Regierung an, wodurch sie eine Mehrheit bekam.
Siehe auch: Parteien in Polen
Parteivorsitzende
Wahlergebnisse der PiS in Wahlen zum Sejm
- 2001: 9,50 %
- 2005: 26,99 %
Weblinks
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