Die Phytotherapie oder Pflanzenheilkunde gehört zu den ältesten medizinischen Therapien und ist auf allen Kontinenten und in allen Kulturen beheimatet. Sie verwendet ausschließlich ganze Pflanzen (Kraut) und deren Teile (Blüten, Blätter, Wurzel), die auf verschiedene Weise (als Frischkraut, als Aufguss, als Dekokt (Auskochung) oder Kaltwasserauszug) zubereitet werden. Auch die Pulverisierung und Trockenstandardisierung ist möglich.
Die traditionelle sino-japanische Phytotherapie hat den Namen Kampo. Dieser Begriff leitet sich von den Worten „Han“, das durch Lautverschiebung zu „Kan“ wurde, und „Ho“ ab. Han bezeichnet die chinesische Han-Dynastie (206 v.Chr. bis 220 n.Chr.), Ho umfasst Begriffe wie Technik und Verfahren.
Eine ganze Reihe von wirksamen Medikamenten stammen aus Pflanzen oder wurden aus pflanzlichen Stoffen weiterentwickelt. Diese genau untersuchten und als reiner Stoff dargestellten Pflanzeninhaltsstoffe werden von der Schulmedizin benutzt, da ihre medizinische Wirksamkeit nachgewiesen ist.
Die meisten dieser schulmedizinisch anerkannten Stoffe sind in höherer Dosis starke Gifte, was zur allgemeinen Ansicht im Widerspruch steht, pflanzliche Mittel seien milde und gut verträglich. Zu den Pflanzeninhaltsstoffen, die als isolierte Einzelsubstanz eingesetzt werden, gehören beispielsweise Colchicin, Atropin, Digoxin, Digitoxin, Paclitaxel und Morphin.
Die naturwissenschaftliche Medizin bemüht sich oft um die Untersuchung des hauptsächlich wirksamen Bestandteiles einer Pflanze in chemisch getrennter und gereinigter Form. Diese Nutzungsstrategie von Wirkstoffen pflanzlicher Herkunft war und ist sehr erfolgreich; sie kann Vorteile gegenüber Extrakten haben, etwa wenn auf diesem Weg Nebenwirkungen (beispielsweise durch Entfernen unerwünschter Stoffe) verringert werden können oder der Gehalt des Wirkstoffes in einem Medikament konstant gehalten werden kann. Eventuell können die Wirkstoffe auch chemisch modifiziert und verbessert werden.
Bei der reinen Phytotherapie werden dagegen oft Stoffgemische verwendet, sei es, weil der Wirkstoff bisher unbekannt ist, oder sei es, weil bekannte Präparate gut wirksam sind.
Da zumindest ein Teil der Phytotherapie eine naturwissenschaftliche Basis besitzt, tritt ein wesentlicher Dissens zwischen Vertretern der naturwissenschaftlichen Medizin und der Phytotherapie erst dann auf, wenn bei einzelnen Wirkstoffen beziehungsweise Präparaten Nachweise der Wirksamkeit fehlen beziehungsweise umstritten sind oder Nebenwirkungen unbeachtet bleiben.
Zu Auseinandersetzungen wird es auch dann kommen, wenn die Ganzheitlichkeit der Präparate das Konzept des Wirkstoffes verdrängt.
Phytotherapie ist in Deutschland eine anerkannte Besondere Therapieform im Sinne des Sozialgesetzbuches. Seit 1978 bekennt sich der deutsche Gesetzgeber im Arzneimittelgesetz zum Wissenschaftspluralismus der Medizin. Darunter werden derzeit die Schulmedizin einerseits und andererseits drei Besondere Therapierichtungen verstanden:
Bei allen Zubereitungsarten spielt die Auslösungszeit eine besondere Rolle, da sich abhängig von der Zeit bestimmte Stoffe aus den Pflanzen lösen. Bei der Zubereitung als Aufguss und Dekokt ist darüber hinaus von Bedeutung, dass die Pflanzen mit geschlossenem Deckel ziehen beziehungsweise auskochen, da sich bei diesem Vorgang meist therapeutisch besonders wirksame ätherische Öle bilden, die besonders flüchtig sind und ansonsten verloren gehen würden.
Die Zubereitung und Dosierung entsprechender Präparate bedarf Expertenwissens, eventuell besteht die Gefahr von tödlichen Vergiftungen.
Eine bestimmte Menge eines Krautes wird mit kochendem Wasser übergossen und 10 bis 15 Minuten abgedeckt ziehen gelassen. Danach wird durch ein Teesieb abgesiebt. Die verwendete Menge richtet sich nach der Pflanzenart, nach dem Verwendungszweck des Tees und danach, ob frische oder getrocknete Pflanzen verwendet werden. Für eine medizinische Anwendung werden, je nach Pflanzenart, etwa 2 bis 4 g getrocknetes Kraut auf 150 ml Wasser verwendet. Für die Anwendung als Genußmittel entscheiden Sie nach ihrem eigenen Geschmack, wie stark oder schwach Sie Ihren Kräutertee mögen. Wenn Sie frische Pflanzen verwenden, dann liegt die benötigte Menge etwa bei 4 bis 5 El des grob zerkleinerten Krautes.
Früchte, wie Fenchel und Kümmel, sollten vor dem Aufgießen in einem Mörser etwas zerstoßen werden.
Die Pflanzenteile werden in kaltem Wasser angesetzt, zum Kochen gebracht und zwischen 5 und 30 Minuten (wenn nicht anders angegeben und je nach Art des zu gewinnenden Inhaltsstoffes) abgekocht. Danach wird wie beim Aufguß abgeseiht. Für die Abkochung (Dekokt) kann in der Regel eine kleinere Menge Kraut (ca. 1/3 weniger) als beim Aufguß verwendet werden.
Schulmedizin und Homöopathie nutzen gleichermaßen die Erkenntnisse der Phytotherapie, wobei die schulmedizinische Nutzung der pflanzlichen Wirkstoffe sich im Bereich von naturwissenschaftlich anerkannten Konzepten bewegt, die Nutzung durch Homöopathie diesen Rahmen allerdings verläßt.
In der Schulmedizin werden zunehmend auch phytotherapeutische Produkte eingesetzt, wenn ihre Wirksamkeit erwiesen ist (beispielsweise Gelomyrtol).
Durch pharmakologische Untersuchungen konnten viele Inhaltsstoffe in ihrer chemischen Struktur geklärt werden. Es lassen sich dabei verschiedene Gruppen zusammenfassen:
Phytotherapie | Herbalism | Kuracplanto | phytothérapie | Planta medicinal
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