Phosphorsäureester sind Ester der ortho-Phosphorsäure, die formal oder tatsächlich durch die Reaktion der Säure und Alkoholen unter Abspaltung von Wasser entstehen. Sie können als organische Phosphate bezeichnet werden und gehören zur Gruppe der Organophosphorverbindungen.
Struktur
Man unterscheidet zwischen Monoester, Diester und Triester:
Phosphorsäureester.png
Sie unterscheiden sich von den Estern der
Diphosphorsäuren und
Triphosphorsäuren (->
Pentanatriumtriphosphat), die beide Monoester sind.
Di_u_Triphosphorsäureester.png
Im
Organismus sind Phosphorsäureester lebenswichtig, da sie als Zwischenprodukte von zahlreichen Stoffwechselprozessen praktisch an allen biologischen Vorgängen beteiligt sind. (siehe z.B.
Adenosintriphosphat) Von den Phosphorsäureestern zu unterscheiden sind die ebenfalls zu den Organophosphorverbindungen zählenden, zum Teil hochgiftigen, Thiophosphorsäure- und Dithiophosphorsäureester.
Thiophosphorsäureester.png
Verwendung (allgemein)
Phosphorsäureester dienen in
Kunststoffen und
Lacken als
Weichmacher,
Flammschutzmittel, Härter, als Beiz- u. Haftmittel beim Aufbringen von Farben und Lacken, in der Metalloberflächenbehandlung als reinigende, korrosionshemmende und haftvermittelnde Substanzen, als Hilfsmittel für Textilien und Papier, als Putz- und Reinigungsmittel, Hydraulik-Flüssigkeit, Öl- und Treibstoffadditive.
Organophosphorverbindungen sind die umfangreichste und vielfältigste Gruppe von Wirkstoffen gegen
Insekten (
Insektizide) und Milben (
Akarizide). Beispiele von
Insektiziden dieser Substanzklasse sind
Phoxim,
Dichlorvos (DDVP),
Parathion (E 605) und seine Methyl- und Ethyl-
Derivate, sowie
Bladan.
Eigenschaften
- leicht hydrolysierbar (durch Wasser spaltbar) und auch leicht enzymatisch und abiotisch abbaubar
- teilweise sehr gut fettlöslich (lipophil)
- hohe Toxizität und damit verbunden geringe Aufwandmenge
- große Variabilität der Verbindungen, d. h. es sind viele verschiedene Verbindungen möglich, so dass die Gefahr der Entstehung von Resistenzen nicht gegeben ist.
Giftwirkung der Organophosphorverbindungen
Die
Giftwirkung beim Menschen beruht auf einer Hemmung der
Acetylcholinesterase, so dass es durch Blockade der
Nervenimpulse zu
Lähmungen und
Tod durch
Atemlähmung kommt.
Geschichte
Die Entwicklung dieser Verbindungsklasse begann Anfang
1900 durch
August Michaelis und
Arbusov, welche die Begründer der klassischen Phosphorchemie sind. Die biologische Wirkung der organischen Phosphorsäureester wurde jedoch erst Mitte der
1930er Jahre von
Gerhard Schrader erkannt, der bei der Suche nach
Akariziden und
Insektiziden die
Kampfstoffe
Tabun (
1936) und
Sarin (
1939) synthetisierte.
Stoffgruppe | Schädlingsbekämpfung | Ektoparasitikum | Gift | Stoffwechsel