Das Phoenix-Programm, in Vietnam bekannt als Kế Hoạch Phụng Hoàng (angelehnt an den chinesischen mythischen Vogel Feng Huang, ähnlich dem griechischen und ägyptischen Phönix), war eine verdeckte Geheimdienstaktion der CIA während des Vietnamkriegs. Es diente dem Zweck, feindliche vietnamesische Guerillaeinheiten außer Gefecht zu setzen.
Der südvietnamesische Präsident Nguyen Van Thieu hob die Geheimhaltung auf und bestätigte die Existenz des Programms am 1. Oktober 1969, um eine breitere Akzeptanz und Zusammenarbeit mit den südvietnamesischen Bürgern zu erreichen. Es wurde schließlich sowohl von der US-amerikanischen als auch vietnamesischen Regierung als Fehlschlag eingestuft.
Der ehemalige Phoenix-Offizier Barton Osborne gab 1971 vor dem amerikanischen Kongress folgende Aussage zu Protokoll:
Durch Terroranschläge wie die Ermordung gewählter Dorfoberhäupter oder Handgranatenexplosionen auf dem Marktplatz versuchte sie, den Widerstand in den Dörfern zu brechen. Im Jahr 1969 wurden bei solchen Anschlägen und gezielten Attentaten mehr als 7.200 Personen getötet und über 15.000 verletzt. Die Opfer stammten überwiegend aus der einfachen Bevölkerung.
Dieser kommunistische Apparat hat viele Jahre in Vietnam gearbeitet und war deshalb in Geheimaktionen geübt. Um den Krieg auf dieser Ebene zu führen, entwickelte die südvietnamesische Regierung ein Spezialprogramm. Dieses nannte sie dann Phung Hoang, also das Phoenix-Programm. Die Regierung veröffentlichte das Programm mit der Begründung, dass dieses nötig sei, um die Bevölkerung gegen den Terrorismus zu schützen, und forderte die Bürger dazu auf, bei der Informationsbeschaffung zu helfen.
Da der Vietcong ein hoch entwickelter und erfahrener Gegner war, wurden Experten gebraucht, um ihn zu bekämpfen. Vor 1968 wurden die Geheimdienstaktionen gegen den Vietcong vom Commander der United Staates Military Assistance Command, Vietnam (COMUSMACV) in einer zivilen und militärischen Beraterfunktion mit dem Namen Intelligence Coordination and Exploitation (ICEX) koordiniert. Insbesondere als Helfer und Unterstützer der Regierung in einem koordinierten Angriff gegen den Vietcong. Anfangs erhielt dieses Programm offiziell nur wenig Beachtung und Unterstützung durch die Regierung. Das Phoenix-Programm wurde von offizieller Seite seit Mitte 1968 unterstützt, um so die Polizei, das Militär und andere staatliche Organisationen zusammenzubringen, damit diese ihr Wissen austauschen und gegen die feindlichen Einrichtungen vorgehen können. Das Ergebnis dieses Programmes war, dass Mitglieder des feindlichen Apparates gefangen wurden, sich freiwillig ergaben, in Gruppen exekutiert oder in Feuergefechten getötet wurden.
Offiziell ist das Wort Phung Hoang von dem vietnamesischen Wort für Koordination abgeleitet. Es wird aber auch vermutet, dass es, etwas gröber übersetzt, von einem mystischen vietnamesischen, der Sage nach allmächtigen Vogel stammt.
Provincial Interrogation Centers (PIC) (deutsch: Provinzielle Verhörzentren) wurden in jeder der 44 südvietnamesischen Provinzen eingerichtet. Die meisten der Gegenmaßnahme-Experten gehörten den Provincial Reconnaissance Units (PRUs) (deutsch: Provinzielle Aufklärungseinheiten) an. Zusammen mit nordvietnamesischen Überläufern und Südvietnamesen waren sogar kambodjanische und chinesische Söldner im Einsatz. Diese Einheiten von etwa je 118 Mann wurden von der CIA, mit Hilfe der Navy-Seals- und der Green-Berets-Spezialeinheit rekrutiert, ausgebildet und bezahlt.
Die Verantwortlichen für das Programm setzten Mindestquoten fest, die von den Provinzverantwortlichen erfüllt werden mussten, um damit die Teilnahme und die Effektivität des Phung-Hoang-Programms zu verbessern. Ende 1969 lag die geforderte Quote bei 1.800 Personen pro Provinz.
Im Januar 1970 waren 450 militärische Berater der USA als Helfer bei der südvietnamesischen Regierung mit dem Phoenix-Programm beschäftigt.
Das Programm wurde auch als eine „Mordkampagne“ gebrandmarkt und hat viel Kritik als ein Musterbeispiel für Menschenrechtsverletzungen erfahren, welche die CIA und von dieser unterstützte Organisationen begangen haben. Tatsächlich führte fehlerhafte Geheimdienstarbeit oft zu Morden an unschuldigen Zivilisten und Übertretungen der Genfer Konventionen. Amerikanische Statistiken belegen, dass 19.534 Mitglieder des Vietcongs 1969 neutralisiert wurden – 6.187 getötet, 8.515 gefangen und 4.832 zur südvietnamesischen Seite Übergelaufene. Die Statistiken Südvietnams nannten viel höhere Zahlen. Trotzdem wurden nur weniger als 10 % der Verluste, die meist als Mitglieder des Vietcongs vermerkt waren, wirklich von dem Phoenix-Programm betroffen. Die Bemühungen der Lokalpolitiker, ihre Quoten zu erreichen, führten auch zu Manipulationen der Statistiken, da diese oft auch Verhaftete ohne Zusammenhang zum Vietcong zählten, dieselbe Person mehrmals verhafteten und militärische Verluste als Tote des Programms aufzählten. Es war allgemein bekannt, dass die geführten Statistiken der ersten Jahre des Phoenix-Programms durch Verzerrungen und Beschönigungen sehr ungenau waren.
Wegen der Ineffektivität der Geheimdienste und nur wenigen effektiven Verhaftungen, war das Phoenix-Programm letztlich ein Fehlschlag. Doch man hatte versucht, mit den Schwierigkeiten einer aufständischen Bevölkerung in Kriegszeiten umzugehen. Trotz der umstrittenen Beschaffenheit der Phoenix-Operationen wurde eine gewisse Erfolgsstufe erreicht. Der kommunistische vietnamesische Vizepräsident Nguyen Co Thach äußerte dazu nach Kriegsende, dass das Phung-Huang-Programm den Vietcong geschwächt hatte, indem mehr als 95 % des kommunistischen Kaders in Südvietnam enttarnt wurden.
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