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Die Phillips-Kurve ist ein einfaches ökonomisches Modell, das den Zusammenhang zwischen der Veränderung von Löhnen bzw. Preisen auf der einen und Arbeitslosigkeit auf der anderen Seite erklärt. Die Phillips-Kurve wurde erstmalig 1958 vom englische Statistiker und Ökonomen Alban William Housego Phillips publiziert und ist seitdem mehrfach modifiziert worden, etwa von Paul Samuelson und Robert Solow 1960.

Ursprüngliche Phillips-Kurve


Traditionelle_Phillipskurve.PNG Die auf Phillips' Arbeiten aufbauende Kurve fußt auf einem in Großbritannien festgestellten negativen Zusammenhang zwischen der Wachstumsrate der Nominallöhne und Arbeitslosigkeit. Phillips begründete dies damit, dass v. a. zwei Perspektiven die Lohnentwicklung einer Volkswirtschaft beeinflussen: (1) verteilungspolitische Zielsetzungen (also beispielsweise der Wunsch der Arbeitnehmer nach einem größeren Anteil am gesamtwirtschaftlichen Einkommen) und (2) der Beschäftigungsgrad. Demnach steigt das Lohnniveau bei einem hohen Beschäftigungsgrad und es sinkt (bzw. steigt langsamer) bei einem niedrigeren Beschäftigungsgrad.

Modifizierte Phillips-Kurve


Modifizierte_Phillipskurve.PNG

Historische Betrachtung

Da im Allgemeinen ein enger Zusammenhang zwischen Lohnwachstum und Inflation vermutet wird, lassen sich aus der ursprünglichen Kurve auch Rückschlüsse auf den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation ziehen. Grund: Die meisten ökonomischen Modelle gehen davon aus, dass sich höhere Lohnkosten (neben dem Wachstum der Produktivität) direkt in einer höheren Inflationsrate niederschlagen. Somit bestünde also zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation ein Trade-off; niedrige Arbeitslosigkeit geht einher mit hoher Inflation, hohe Arbeitslosigkeit tritt auf mit niedriger Inflation bzw. Deflation.

Die Phillips-Kurve wurde dabei vermehrt als Speisekarte angesehen, aus der man die für das eigene Land optimale Kombination aus Arbeitslosigkeit und Inflation frei wählen könne. Berühmt ist dabei der Ausspruch des damaligen deutschen Bundeskanzlers Helmut Schmidt geworden, ihm seien fünf Prozent Inflation lieber als fünf Prozent Arbeitslosigkeit. (Laut Professor Kurt W. Rothschild sagte der österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky ähnliches.) Als Folge dieser Erkenntnis ließen viele Regierungen eine relativ hohe Inflation zu, weil sie annahmen, dass dies zu niedrigeren Arbeitslosigkeitszahlen führen würde.

In den 1970er Jahren herrschte in vielen Ländern jedoch eine Stagflation, was zunächst als Widerlegung der Phillips-Kurve gesehen wurde. Spätere Analysen ergaben allerdings auch für die siebziger Jahre einen stabilen Zusammenhang von Arbeitslosigkeit und Inflation, wenn man die Inflationsrate um durch Rohstoffmärkte induzierte Preissteigerungen bereinigt, denn es waren zum Teil die steigenden Rohölpreise, die die Stagflation ausgelöst hatten.

Phillips-Kurve und NAIRU

Nachdem die Idee der modifizierten Phillips-Kurve in den 1970ern schon überholt schien, erlebte sie in der zweiten Hälfte der 1990er eine Renaissance in Form der Theorien zur NAIRU, der non accelerating inflation rate of unemployment. Diese gibt jene Arbeitslosenquote an, die mit dem Ziel der Preisniveaustabilität am besten vereinbar ist, da auf dem Arbeitsmarkt keine Knappheiten auftreten. Eine höhere Arbeitslosenquote geht einher mit Deflationsgefahr, eine niedrigere Arbeitslosenquote führt tendenziell zu Inflation.

Angebotsseitig wurde dies folgendermaßen gedeutet: Zur Senkung der Arbeitslosigkeit müsse man nicht eine höhere Inflation zulassen, sondern vielmehr die Rigiditäten auf dem Arbeitsmarkt beseitigen.

Keynesianische Phillips-Kurve


Keynesianische_Phillipskurve.PNG Schmidt bediente sich der modifizierten Phillips-Kurve, obwohl er als Schüler von Karl Schiller eher ein Anhänger der keynesianischen Nachkriegsökonomie war. Nach streng keynesianischem Verständnis gibt es aber keine echte Auswahl zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit, da nach keynesianischem Verständnis die Geldpolitik auch langfristig Einfluss auf Wachstum und Beschäftigung nehmen kann, während die Inflation vereinfacht als Kerninflation dargestellt wurde. Mit anderen Worten: Die Wirtschaftspolitik kann nach keynesianischem Verständnis keine Inflations-Arbeitslosigkeits-Kombination wählen sondern über wachstumsfördernde Politik lediglich die Arbeitslosigkeit beeinflussen. Weitere Entwicklungen erfolgten durch die neoklassische Synthese als auch durch die von Edmund Phelps und Milton Friedman begründete Konterrevolution.

Monetaristische Phillips-Kurve


Monetaristische_Phillipskurve.PNG Die Monetaristen um Milton Friedman, Karl Brunner oder Allan H. Meltzer kritisieren sowohl die modifizierte als auch die keynesianische Phillips-Kurve als unzureichend. Sie argumentierten, Geld- und Fiskalpolitik seien lediglich in der Lage, die Inflation zu beeinflussen - nicht jedoch den Beschäftigungsgrad. Der Grund dafür ist, dass Geldpolitik nach monetaristischer Sicht langfristig (eigentlich ökonomisch richtig: mittelfristig) keine realen Effekte hat, sondern lediglich Inflation bewirkt.

Von keynesianischer Seite hat die monetaristische Phillips-Kurve viel Kritik erfahren - bedeutet die Darstellung der Monetaristen doch, dass vor allem die Geldpolitik nicht zur Stimulierung des Wirtschaftswachstums genutzt werden könne, sondern sich auf die Erhaltung der Preisstabilität konzentrieren solle, sowieso nichts Erstrebenswertes durch eine Geldpolitik erreicht werden könne, die nicht strikte Preisstabilität verfolge. Die Kritiker sehen darin

Allerdings beinhaltet die Botschaft der Monetaristen auch einen optimistischen Inhalt: Eine auf Disinflation ausgerichtete Wirtschaftspolitik müsse nicht mit der Problematik starker Beschäftigungseinbrüche leben.

Das monetaristische Standardmodell der Phillipskurve sieht formal wie folgt aus

  1. w_t = a(U^n - U_t ) + b \cdot \pi _t^e ,\quad a > 0,b > 0
  2. \pi _t = \omega _t
  3. \pi _t^e - \pi _{t - 1}^e = \tau (\pi _{t - 1} - \pi _{t - 1}^e ),\;0 \le \tau < 1

Hierbei sind w_t die Lohnzuwachsrate (= w _t - w _{t-1}), U^n die natürliche Arbeitslosenrate, U_t die tatsächliche Arbeitslosenrate, \pi_t die Inflationsrate (= p _t - p _{t-1}) und \pi _t^e die erwartete Inflationsrate, jeweils für die Periode t

Um Erwartungen modifizierte Phillips-Kurve


Um_Erwartungen_modifizierte_Phillipskurve.PNG Zu einer weiteren Modifikation der Phillips-Kurve gelangt man durch die Betrachtung der Inflationserwartungen der Wirtschaftssubjekte. Diese spielen für die Wirksamkeit der Geldpolitik eine wesentliche Rolle. Vollzieht eine Zentralbank eine expansive Geldpolitik, so müsste dies nach der modifizierten Form einerseits zu höherer Inflation (monetaristische Perspektive) und andererseits über die niedrigeren Zinsen zu einer Stimulierung der Wirtschaft und damit zu einem Beschäftigungswachstum führen (Bewegung von (1) nach (2)).

Die höhere Beschäftigung ist nach diesem Verständnis jedoch lediglich darauf zurückzuführen, dass bei steigenden Preisen und (zunächst) gleich bleibenden Nominallöhnen der Reallohn der Arbeitnehmer zurückgegangen ist, weswegen die Unternehmen mehr Arbeitskräfte einstellen. Da die Arbeitnehmer dies nicht vorhersehen, spricht man in diesem Zusammenhang von einer Überraschungsinflation. Damit entspricht die um Erwartungen modifizierte Phillips-Kurve der modifizierten zumindest kurzfristig.

In der langen Frist erkennen jedoch die Arbeitnehmer, dass sich ihre Löhne nicht an die aktuelle Inflationsentwicklung angepasst haben, weswegen sie von ihren Arbeitgebern Nominallohnsteigerungen zum Ausgleich der Inflationsverluste fordern. Demnach steigen die Nominallöhne letztlich also im gleichen Maß wie die Inflation, weshalb die Beschäftigung (bei gleich bleibender Inflation) wieder aufs ursprüngliche Niveau zurückgeht (3). Da dieser Sachverhalt bei jeder wirtschaftspolitischen Einflussnahme auf die Inflation auftrete, sei die Phillips-Kurve in der langen Frist senkrecht, so die monetaristische Sichtweise.

Dem Modell zugrunde liegt hierbei die Annahme adaptiver Erwartungen, d. h. die Wirtschaftssubjekte vermuten, dass die bisherige Wirtschaftspolitik auch in Zukunft beibehalten wird. Geht man jedoch davon aus, dass die Wirtschaftssubjekte über alle vorhandenen relevanten Informationen verfügen (Annahme rationaler Erwartungen, siehe dazu Robert E. Lucas, Thomas J. Sargent, Robert J. Barro und Neil Wallace), so werden sie die von der Zentralbank induzierte Überraschungsinflation antizipieren und zeitgleich höhere Nominallöhne fordern, so dass der Umweg über die kurzfristige Perspektive entfällt - die Phillips-Kurve wäre dann auch in der kurzen Frist senkrecht.

Arbeitsmarkt | Makroökonomie

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