Spanisch ist eine Sprache, die auf den Philippinen von großer historischer Bedeutung ist. Sie war bis 1973 Amtssprache und bis ins Jahr 1987 ein Pflichtfach an philippinischen Hochschulen. Nach den letzten Zählungen von 1990 sprechen zwei, bis drei Millionen Filipinos Spanisch und 292.630 Filipinos die Kreolsprache Chavacano. Es gibt außerdem tausende von spanischen Lehnwörtern in allen 170 philippinischen Sprachen sowie 13 Millionen Dokumente in den philippinischen Archiven, die in Spanisch verfasst und von der Regierung anerkannt sind. Tatsache ist, dass Spanisch als Umgangs- und Geschäftssprache auf dem Archipel vom Aussterben bedroht ist, obwohl das Spanische seit einiger Zeit auf den Philippinen eine Art Wiedergeburt erlebt.
Die spanische Sprache kam 1565 auf das Archipel, als der Konquistador Miguel López de Legazpi die erste spanische Siedlung auf der Insel Cebu gründete. Für die folgenden 333 Jahre (1565 - 1898) waren die Philippinen spanisches Territorium.
Obwohl die spanischen Kolonialherren der indigenen Bevölkerung ausdrücklich verboten hatten die Sprache zu erlernen, sprachen bald rund 10% der Eingeborenen Spanisch. Für eine Mestizo Minderheit war es, wie für die Spanier, die einzig gesprochene Sprache, für gebildete Ilustrados wurde es zur zweitwichtigsten Sprache. Die Priester und Missionare der römisch-katholischen Kirche predigten ebenfalls auf Spanisch, stellten aber eingeborene Übersetzer an, die die religiösen Botschaften in die hiesige Sprache übersetzten und schufen somit eine zweisprachige Kategorie, die als Ladino bekannt ist.
Die indigene Bevölkerung wurde üblicherweise nicht in die spanische Sprache eingeführt, zweisprachige Personen wie zum Beispiel der Dichter und Dolmetscher Gaspar Aquino de Belen schufen die ersten Poesien in Tagalog in römischer Schrift. Werke wie Pasyon, die von de Belen geschrieben wurden und das Leben und den Tod von Jesus Christus darstellten, wurden in verschieden Versionen wiedergegeben. Später wurden auch spanische Balladen von Chivalry verfasst, die heute zur Weltliteratur gehören. Für die Mehrheit, die kein Spanisch sprach, gab es Verse und Komödien.
Gründe dafür, dass sich Spanisch auf dem Archipel nie richtig entfaltete, war die Tatsache, dass die Philippinen keine direkte Kolonie Spaniens waren. Das Inselreich wurde von Mexiko aus regiert, das ein Teil Neuspaniens war. Es wurde erst nach der Unabhängigkeit Mexikos von Spanien im Jahre 1821 von Madrid aus regiert.
1593 wurde die erste Druckerpresse erfunden. Ein großer Teil der Kolonialgeschichte der Philippinen wurde auf Spanisch niedergeschrieben. Genauso wurden Grundbesitzrechte, Zeitungen, Literatur und Verträge auf Spanisch verfasst. Dokumente aus dieser Zeit werden von den Richtern der Philippinen noch heute anerkannt.
1611 wurde die Universidad de Santo Tomas gegründet. Im Jahre 1863 verordnete die Königin Spaniens Isabella II. den Philippinen ein einheitliches Schulsystem.
17. Jahrhundert
Im frühen 17. Jahrhundert wurde der indigene Drucker Tomas Pinpin beauftragt, ein Wörterbuch zu drucken, womit die tagalogsprachige Bevölkerung die spanische Sprache erlernen konnte. Sein Buch wurde durch die dominikanische Presse veröffentlicht und erschien im Jahr 1610. Anders als von den Dominikanern in Auftrag gegeben, verwendete Pinpin in seinem Wörterbuch das Spanische des wohlhabenden Spaniers, statt die des Untergebenen. Pinpin`s Buch war das Erste überhaupt, dass von einem Eingeborenen geschrieben und veröffentlicht wurde.
Die Rolle des Spanischen im Nationalismus der Philippinen
Während der spanischen Herrschaft und des langsamen Aufkommens des philippinischen Nationalismus, wurden die ersten Beschaffungen des Landes auf Spanisch verfasst. Aber auch die philippinische Literatur und somit die frühe Kultur der Philippinen wurde in der Sprache der Kolonialherren niedergeschrieben. Ein wichtiger Grund dafür war, dass Tagalog zu dieser Zeit nicht von allen indigenen Bewohnern verstanden wurde, denn es war nicht so verbreitet, wie in der heutigen Zeit. Die jeweiligen Bewohner der Regionen verstanden beispielsweise nur Cebuano, Ilocano, Bicolano, Visayas oder Bisaya, um nur einige Sprachen aufzuzählen, die auf dem Archipel gesprochen werden. (Siehe auch Philippinische Sprachen)
Während der Kolonialzeit war die Bezeichnung Filipino nur für Spanier gedacht, die auf den Philippinen geboren wurden, oder für die Kinder von Mischehen. Im Zuge der philippinischen Nationalbewegung des späten 19. Jahrhunderts wurde die Bezeichnung Filipino auf alle Einwohner des Landes erweitert. Durch die Liberalisierung des Handels ab 1830 und die Eröffnung des Suez-Kanals entstand zunächst eine neue wohlhabende Schicht aus Mestizen und Einheimischen, die mit liberalen Ideen aus Europa in Berührung kam und das Geld hatte, um ihren Kinder ein Studium zu finanzieren. Die Mitglieder der dadurch entstandenen gebildeten Schicht, die teilweise in Europa studierten, nannten sich ilustrados (deutsch: Aufgeklärte) und trugen maßgeblich zur Bildung des philippinischen Nationalbewusstseins bei. Für die ilustrados war es ein Zeichen von Emanzipation, Bildung und Gleichberechtigung, Spanisch zu sprechen und zu schreiben, was die prominentesten unter Ihnen mit großem Selbstbewusstsein auch taten.
José Rizal, der chinesische und spanische Vorfahren hatte und somit auch als Mestize galt, war der berühmteste unter den ilustrados. Ein Werk auf Spanisch, das er verfasste und das für den aufkommenden Nationalismus der Inselbewohner sehr wichtig und entscheidend war, ist das Buch Noli me Tangere (Dt. Fass mich nicht an), dass in Madrid angefangen und 1887 in Berlin fertiggestellt wurde. Ein Werk, dass die spanische Regierung und den Klerus auf den Philippinen kritisierte. Deshalb verboten es die spanischen Behörden und der Klerus auf den Philippinen. Rizal schrieb selbstverständlich auch in Tagalog und förderte die Sprache. Aber die Mehrzahl seiner Werke ist in Spanisch verfasst, auch der Roman El Filibusterismo, die Fortsetzung des Noli me Tangere, der 1891 in Biarritz fertiggestellt wurde, bei dem es um das Pro und Kontra von Reform und Revolution geht.
Die philippinische Zeitung La Solidaridad, die in von 1889 bis 1895 auf Spanisch in Europa erschien, war das maßgebliche Organ der philippinischen Reformbewegung, die für Reformen auf den Philippinen sowie Parlamentssitze im spanischen Parlament (Cortes) eintrat. Sie wurde von Mitgliedern des damaligen philippinischen Bürgertums geschrieben, die in Europa studiert hatten und mit liberalen Ideen in Berührung gekommen waren. Chefredakteur war Graciano Lopez Jaena, doch auch Rizal und der rhetorisch gewandte Marcelo del Pilar schrieben für diese Zeitung. Die Schriften und Ideen der philippinischen Reformbewegung waren für die spätere Revolution gegen Spanien von entscheidender Bedeutung.
Die amerikanische Ära
Die Regierung der Ersten Philippinischen Republik entschied sich 1898 auf einer offiziellen Versammlung in Malolos, Bulacan dafür, Spanisch weiterhin als Amtssprache zu verwenden. Damit war die Sprache von jetzt an auch frei erlernbar für die Eingeborenen. Diese Entscheidung sollte auch dazu dienen, die Sprecherzahl zu erhöhen. In einem Land, in dem über 80 lokale Dialekte existieren, wäre das Spanische von großem Nutzen gewesen. Die Bemühungen fruchteten allerdings nicht, auch weil die Republik von den USA im Philippinisch-Amerikanischen Krieg bekämpft und bis 1902 besiegt wurde.
Als die Spanier die Philippinen als Kolonie abtraten, waren die philippinischen Medien, die Regierung, Justiz, Behörden, Schulen, etc. spanischsprachig. Noch im frühen 20. Jahrhundert war Spanisch eine dominierende Sprache auf dem Archipel.
Obschon sich Englisch langsam in der Infrastruktur der Philippinen, wie zum Beispiel in der Ausbildung durchzusetzen vermochte, blieb Spanisch eine wichtige Sprache, beispielsweise in der Literatur, weil die Mehrheit der gebildeten Filipinos in der spanischen Sprache erzogen wurde. Obwohl die Mehrheit der Einheimischen im Spanischen ungebildet war, blieb Spanisch also immer noch die wichtigste Sprache auf den Philippinen.
Die spanisch-sprechenden ilustrados hatte nicht nur in der Nationalbewegung gegen Spanien, sondern auch im Widerstand gegen Amerika ab 1898 eine maßgebliche Rolle gespielt. Außerdem wurde das Englische nur sehr langsam von den Filipinos angenommen, obwohl ab 1902 Englischlehrer auf die Philippinen geschickt wurden. 1908 stellt das amerikanischen Bildungsministerium fest, dass das spanische weiterhin die einflussreichste Sprache auf den Philippinen war, und dass der Anteil derer die Spanisch sprachen sich sogar erhöht hatte. Selbst 1916 stellte Henry Ford in einem Bericht an den amerikanischen Präsidenten fest, dass das Spanische immer noch unerläßlich war, um sich auf den Philippinen zu verständigen, und dass es keine einzige philippinische Zeitung auf Englisch gab, sondern dass sie alle auf Spanisch waren.
In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts waren die Philippinen ein wichtiger Markt für spanischsprachige Hollywood-Filme, die allerdings oft von den amerikanischen Kolonilabehörden zurückgeschickt wurden, da sie die Amerikanisierungspolitik konterkarierten. Noch 1940 sprachen 6 Millionen Filipinos Spanisch und laut Volkszählung des Jahres 1950 betrug die Zahl der spanischsprechenden Filipinos etwa 6% der Bevölkerung. Während den sechziger und siebziger Jahren wuchsen noch viele Filipinos mit Spanisch als Primärsprache auf. Tagalog und Englisch lernten sie erst später.
Der Bedeutungsverlust der spanischen Sprache
Der Niedergang des Spanischen kann auch mit einer, in dieser Zeit aggressiven Kampagne der Amerikaner für das Englische, in Zusammenhang gebracht werden. Sie machten das Englische zur Sprache des Unterrichts und des Handels sowie zur ersten Amtssprache der Philippinen, obwohl sie es nicht schafften, das Spanische zu verdrängen. Als die Philippinen 1946 von den Amerikanern in die Unabhängigkeit entlassen wurden, bestätigte die philippinische Legislatur das Spanische sowohl als Amtssprache als auch als Pflichtfach im Schulunterricht.
Nach dem Zweiten Welkrieg und während des Regimes von Ferdinand Marcos wanderten viele spanischsprechende, philippinische und spanischstämmige Familien nach Süd- und Nordamerika sowie Spanien aus. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges bombardierten die Amerikaner das von den Japanern besetzte Manila. Dabei wurde nicht nur ein Großteil der alten spanischen Gebäude in Manila zerstört, sondern es starben auch etliche Mitglieder der spanisch-sprechenden Elite.
Heute wird Spanisch von weniger als 3% der Bevölkerung gesprochen. (zwei, bis drei Millionen Zählung aus dem Jahr 1990). Spanisch wurde als Amtssprache 1973 abgeschafft und 1987 sogar als obligatorisches Schulfach aus den Schulen entfernt.
Spanisch hörte im Jahr 1973, während des Marcos Regimes auf, eine Amtssprache zu sein. Dies lag an der mangelnden Förderung in der Öffentlichkeit durch die Regierung. Es wird nur für Zwecke des kulturellen Erbes und auf einer wahlweise freigestellten Grundlage verwendet. Spanisch war ein offizielles Schulfach bis zum Jahre 1987, als die damalige Präsidentin Corazon Aquino es aus dem Lehrplan strich.
Die Ausbreitung oder Wiedereinführung des Spanischen als Amtssprache befindet sich noch heute in einer hitzigen Debatte. In erster Linie wird die Sprache stark mit der philippinischen Kultur und Geschichte in Zusammenhang gebracht. Bemerkenswert ist vor allem, dass es geschätzte 13 Millionen Manuskripte vom 16. Jahrhundert bis ins Jahr 1898 gibt. Es sind Dokumente der Regierung, der Volkswirtschaft, Debatten, Handel- und Rechtsachen, Justiz, Religion, patriotisches Material, etc. Bis in die sechziger Jahre waren Geburtsurkunden in Englisch und Spanisch verfasst. Für Juristen und Historiker ist Spanisch deshalb weiterhin von hoher Wichtigkeit.
Eine Anzahl von Fürsprechern der spanischen Sprache erinnert daran, dass sie von den ersten philippinischen Patrioten als Kommunikationsmittel benutzt wurde. Spanisch wurde zum Beispiel dafür verwendet, die erste Verfassung des Landes, "Constitución Política de Malolos" zu verfassen, Noli me Tangere von José Rizal, dem Freiheitskämpfer, für die Nationalhymne (Den Text in Spanisch gibt es noch heute), patriotisches Propagandamaterial, usw. Das alles wurde auf Spanisch verfasst und die Befürworter meinen, dass deshalb die philippinische Amtssprache Spanisch sein sollte. Der philippinische Nationalismus wurde ursprünglich in Spanisch gepflegt. Aufgrund all dieser Gründe existieren auf den Philippinen zahlreiche Vereinigungen, die für die Rückkehr des Spanischen auf das Inselreich kämpfen.
Das philippinische Zivil- und Strafrecht ähnelt bis heute dem spanischen Vorbild (dass wiederum dem Code Napoleon entstammt) und enthält trotz seiner seit 1950 gültigen englischen Fassung noch jede Menge spanischer Ausdrücke wie reclusion perpetua, arresto mayor oder culpa. Trotz der amerikanischen Kolonialzeit und massiver Amerikanisierungspolitik beinhaltet das heutige Rechtssystem auf den Philippinen weiterhin spanische Traditionen, unter anderem die zentrale Bedeutung des Zivilgesetzbuchs bei der Rechtsprechung sowie die im Gegensatz zum angelsächsichen Rechtssystem sehr niedrige Bedeutung von Präzedenzfällen.
Die Kultur der Philippinen ist stark durch die spanische Kolonialzeit geprägt. Die philippinische Sentimentalität, die der lateinamerikanischen sehr ähnelt, hat zur Popularität sowohl von Latino-Popstars als auch lateinamerikanischer Telenovelas beigetragen. Am auffälligsten ist jedoch der römische Katholizismus, der von fast 90% der Filipinos praktiziert wird und dabei spanische, mexikanische und einheimische Einflüsse in sich vereint.
In Manila befindet sich eine Niederlassung des Instituto Cervantes, dem Institut der spanischen Regierung zur Förderung der spanischen Sprache und Kultur. Dazu sind die Philippinen Mitglied in der Unión Latina. Die spanische Sprache genießt inzwischen wieder Popularität und Beliebtheit unter den jungen Filipinos, unter anderem weil der Latino-Trend der letzten Jahre den etwas altbackenen Ruf des Spanischen bei der Jugend korrigierte.
Da die Philippinen von Neuspanien (Mexiko) aus regiert wurden, hat das philippinische Spanisch eine größere Ähnlichkeit mit dem Mexikanischen Spanisch, als mit dem europäischen Spanisch. Noch heute existieren in Acapulco (Mexiko) einige Filipino-Kolonien.
Phonetik
Vokabular
Es gibt auch lateinamerikanische Archaismen, die von indigenen philippinischen Sprachen geliehen wurden. Es gibt tatsächlich im Mexikanischen Wörter, die nicht aus dem europäischen, sondern aus dem philippinischen Spanisch stammen. Zum Beispiel Avocado, Guava, Papaya, Zapote etc.
Es gibt rund 4000 spanische Wörter im Tagalog und rund 6000 Wörter im Visayas und anderen Dialekten. Wie beispielsweise im Kalender, in der Uhrzeit, das alles nur mit kleinen Änderungen. Veraltete spanische Wörter, wie Sabon (Seife), Relos (Uhr), Cuarta (Geld), sind im Tagalog konserviert. Wobei manche spanische Wörter auf den Philippinen eine andere Bedeutung haben.
Chavacano, auch genannt Zamboangueño ist eine auf dem Spanischen basierende Kreolsprache. Sie wird meistens im Süden, in den Provinzen von Zambonaga gesprochen. Die Sprache entwickelte sich ursprünglich in Cavite (Philippinen), als die Spanier dort Handels- und Militäreinrichtungen gründeten. Sie entwickelte sich später in den verschiedensten Regionen der südlichen Philippinen weiter. Chavacano gehört zur Lingua franca.
http://groups.yahoo.com/group/hispanofilipino/ Eine Vereinigung, die sich für das Spanische auf den Philippinen einsetzt. (Englisch)
http://filipinokastila.tripod.com/ Eine Erklärung, warum die Filipinos wieder Spanisch sprechen lernen sollten. (Englisch)
http://www.los-indios-bravos.com/ (Englisch, Spanisch)
http://revista-arbil.iespana.es/(46)cire.htm (Spanisch)
http://www.arbil.org/%2863%29sint.htm (Spanisch)
http://groups.yahoo.com/group/circuloprogresivo/ (Spanisch)
http://www.geocities.com/Tokyo/Pagoda/7029/tagallano.html (Spanisch)
http://filipinokastila.tripod.com/hispani.html (Spanisch)
http://www.geocities.com/kaibigankastil/index.html (Tagalog, Spanisch und Englisch)
http://manila.cervantes.es/ (Englisch, Spanisch)
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