Henri Philippe Benoni Omer Joseph Pétain (* 24. April 1856 in Cauchy-à-la-Tour, Département Pas-de-Calais; † 23. Juli 1951 auf der Île d'Yeu) war französischer General, dann Marschall von Frankreich und vorübergehend sogenannter Chef de l'État (Staatschef) des von der Besatzungsmacht Deutschland geduldeten Vichy-Regimes.
1888 absolvierte er die Kriegsakademie in Paris. Beim französischen Militär machte er sich durch seine Ablehnung der reinen Offensivstrategie unbeliebt und stieg nur langsam in dessen Hierarchie auf.
Im Ersten Weltkrieg erreichte er den Rang eines Generals und wurde aufgrund seiner Verdienste in der Schlacht um Verdun in Frankreich als "Held von Verdun" geehrt. 1918 wurde er zum Marschall von Frankreich ernannt. Seit 1922 setzte sich Pétain vehement für die Errichtung der Maginot-Linie ein.
1934 war er Kriegsminister im Kabinett von Gaston Doumergue, 1939 Botschafter in Spanien.
1940, nach der französischen Kriegsniederlage gegen Deutschland, beauftragte ihn die Nationalversammlung mit der Bildung einer Regierung, die in Vichy im nicht von Deutschland besetzten Teil Frankreichs ihren Sitz hatte. Ihm und seiner Regierung wurde von der Nationalversammlung die Vollmacht erteilt, eine neue Verfassung auszuarbeiten. Pétain nannte sich daher Chef de l'État und verfügte über nahezu absolute Vollmachten. Seit 1941 verlor das konservativ-autoritäre Vichy-Regime immer mehr seinen Rückhalt in der Bevölkerung.
Im Juli 1942 begannen die französische Polizei und Verwaltung mit der Deportation ausländischer und französischer Juden in die deutschen Vernichtungslager. Am 11. November 1942 besetzten deutsche Truppen den bisher "unbesetzten" Teil Frankreichs (Operation Anton) als Antwort auf die alliierte Landung in Nordafrika. Durch die Unterstützung Adolf Hitlers gewann Pierre Laval als Ministerpräsident zunehmend an Einfluss.
Pétain wurde 1944 nach der Landung der Alliierten in der Normandie interniert nach Sigmaringen gebracht, wo er mit seinem Stab im dortigen Schloss des Fürsten von Hohenzollern untergebracht wurde. Mit der Regierungsadministration kamen rund 2000 Franzosen ins Exil der damals 5600 Einwohner zählenden Stadt Sigmaringen. Aus der süddeutschen Kleinstadt wurde formal bis zum 21. April 1945 die "Hauptstadt des besetzten Frankreichs".
Am 14. August 1945 wurde Pétain nach seiner Rückkehr nach Frankreich von einem französischen Kriegsgericht wegen seiner Kollaboration mit dem Deutschen Reich zum Tode verurteilt. Die Strafe wurde durch seinen späteren indirekten Nachfolger Charles de Gaulle in lebenslange Haft umgewandelt. Pétain starb 1951 während seiner Haftzeit.
Er wurde in Port-Joinville (Pays de la Loire, Département Vendée), auf dem Cimetière de l'île d'Yeu beigesetzt.
Mann | Franzose | Staatspräsident (Frankreich) | Militärperson (Frankreich) | Académie française | Erster Weltkrieg (Person, Frankreich) | Zweiter Weltkrieg (Person, Frankreich) | Geboren 1856 | Gestorben 1951
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