Philip II of Macedon CdM.jpg Philipp II. (griechisch ; * um 382 v. Chr., † 336 v. Chr. in Aigai) war König von Makedonien und der Vater Alexanders des Großen. Seine Regierungszeit dauerte von 359 bis 336 v. Chr.
Philipp II. war mehrfach verheiratet und hatte mehrere Kinder, aber mit Alexander nur einen geistig gesunden und erbberechtigten Sohn. Die militärischen Leistungen des makedonischen Heeres unter Alexander beruhen zu einem großen Teil auf der Militärreform Philipps II., der auch die Vormachtstellung Makedoniens begründete.
Das antike Makedonien war ein weitgehend agrarisch geprägter Staat am Nordrand der griechischen Staatenwelt. Schon in der Antike war es umstritten, ob und inwiefern die Makedonen mit den Griechen verwandt waren – ein Streit, der noch heute für reichlich Konfliktstoff sorgt.Eugene N. Borza, Greeks and Macedonians in the Age of Alexander. The Source Traditions, in: Transitions to Empire. Essays in Greco-Roman History, 360–146 BC, in honor of E. Badian, Univ. of Oklahoma Press, Norman 1996, S. 122–139, ist bezüglich einer Verwandtschaft mehr als skeptisch. Dagegen vgl. die diversen Ausführungen von Hammond, etwa: Nicholas G.L. Hammond, Literary evidence for Macedonian speech, in: Historia 43/2 (1994), S. 131–142. Im Folgenden wird mit „Makedone(n)“ nur die Herkunft aus dem antiken Makedonien ausgedrückt. Vor allem aber wurde Makedonien, das so gut wie keine städtische Kultur besaß – für die Griechen eines der Hauptmerkmale „zivilisierten Lebens“ –, dessen Regierungsform das Königtum war, das in Griechenland fast völlig verschwunden war, und dessen Bevölkerung an geradezu archaischen Sitten festhielt, von den Griechen als „halbbarbarisch“ betrachtet. Das Königshaus der Argeaden wurde jedoch als griechisch angesehen. Die Häfen an der Küste befanden sich in griechischer Hand, während Makedonien als Lieferant von Holz und Pech einige Bedeutung hatte.
Vor allem aufgrund innerer Strukturprobleme hatte Makedonien, abgesehen vom Peloponnesischen Krieg (431 bis 404 v. Chr.), in dessen Verlauf die Makedonen mehrmals die Seiten gewechselt hatten, vor der Regierungszeit Philipps II. kaum eine Rolle in den griechischen Machtkämpfen gespielt. Der einflussreiche Adel, der in regionale Cliquen des Hoch- und Tieflandes gespalten war, achtete streng auf seine Autonomie, sodass sich der Einfluss des Königs oft genug nur über einen geringen Teil des eigentlichen Königreichs erstreckte und weite Teile seiner direkten Kontrolle entzogen waren, zumal der König eher die Stellung eines primus inter pares unter den Adligen einnahm. Viele Regierungswechsel in Aigai (oder ab etwa 400 v. Chr. in Pella) verliefen höchst blutig. Dennoch konnte der König, wenn er genug politischen Instinkt besaß und den Adel an sich band, relativ uneingeschränkt herrschen, da er formal nur auf die makedonische Heeresversammlung, die etwa bei der Akklamation des Königs oder bei Hochverratsprozessen eine Rolle spielte, Rücksicht nehmen musste. Allerdings war dies vor Philipp keinem König wirklich gelungen.Zur Geschichte Makedoniens vor Philipp II. siehe Eugene N. Borza, In the Shadow of Olympus. The Emergence of Macedon, Princeton 1990.
Erschwerend kam die geostrategische Lage Makedoniens hinzu, das sich einer ständigen Bedrohung durch die Illyrer und andere Völkerschaften aus dem Balkanraum ausgesetzt sah. Makedonien verfügte zwar über eine schlagkräftige Reiterei, jedoch nur über eine unzureichende Infanterie, da es keine städtische Schicht gab, welche die Kosten für Waffen und Rüstungen hätte tragen können. Zu Philipps Leistungen gehört es, den Reformbedarf der Heeresstruktur erkannt und effektiv bewältigt zu haben. Mehr als seine militärisch-organisatorische Begabung zeichneten ihn seine diplomatischen Fähigkeiten aus, da es ihm gelang, den aufsässigen makedonischen Adel erstmals zu kontrollieren und das Königtum so zu stärken, dass es zu Philipps Zeit fast absolutistisch war.
Griechenland_371-362.jpg Philipp II. wurde als Sohn des Königs Amyntas III. und der Eurydike geboren. In seiner Jugend lebte er als Geisel im griechischen Stadtstaat Theben im Haus des Feldherrn Pammenes. Er war während der Regentschaft des Ptolemaios von Aloros, des Geliebten der Eurydike, der den Thron faktisch usurpiert hatte, als Sicherheit für die Einhaltung des Bündnisses zwischen Theben und Ptolemaios dorthin gebracht worden. Erst als sein älterer Bruder Perdikkas III. König wurde, kehrte Philipp aus Theben zurück, wo er die Fähigkeiten des durch Epaminondas neuorganisierten und gedrillten thebanischen Heeres bewundern konnte, das 371 v. Chr. die Spartaner, die bis dahin in offener Feldschlacht als unbesiegbar galten, vernichtend hatte schlagen können und damit die thebanische Hegemonie begründet hatte. Philipp sollte sich die in Theben erworbenen Erfahrungen später zu Nutze machen.
Er übernahm für seinen unmündigen Neffen Amyntas (IV.) 359 v. Chr. (nach Ansicht mancher Historiker bereits Ende 360) die Regentschaft, da sein älterer Bruder Perdikkas in einer Schlacht gegen die Illyrer gefallen war, und wurde offenbar recht bald an Stelle des jungen Amyntas König. Im Gegensatz zu früheren Fällen der makedonischen Geschichte, in denen „Vormünder“ ihre Schutzbefohlenen ermordeten, ließ Philipp seinen Neffen am Leben. Amyntas (IV.) lebte bis zu Philipps Tod 336 v. Chr. an dessen Hof; erst dann ließ ihn Philipps Sohn Alexander der Große beseitigen.
Makedonien war vom Zusammenbruch bedroht, die Illyrer anscheinend kurz davor, große Teile des Reiches dauerhaft zu besetzen. Andere Nachbarn wie die Paioner und die Thraker oder auch Athen verfolgten Eigeninteressen auf Kosten des geschwächten Staates. Philipp schaffte es, durch eine Vielzahl von Zusagen, Tributen, Bestechungen und militärischen Aktionen, das Königreich vor dem Zusammenbruch zu bewahren, und konnte in den folgenden Jahren seinen Machtbereich sogar ausweiten. Der mächtige Adel stand offenbar in den Krisenjahren nach 359 v. Chr. geschlossen hinter Philipp. In den ersten Jahren seiner Regentschaft muss es Philipp auch schon gelungen sein, die obermakedonischen Königreiche wie Lynkestis oder Elimiotis unter seiner Führung zu vereinen und in sein Herrschaftssystem zu integrieren. Dies war zuletzt Alexander I. über ein Jahrhundert früher gelungen, der sie aber im Gegensatz zu Philipp II. nicht fest an sich binden konnte.
Die zusätzlichen Truppen aus Obermakedonien machten aber nur einen Teil des kommenden militärischen Erfolgs aus. Für den Erfolg der makedonischen Armee waren vielmehr die von Philipp durchgeführten Reformen der Armee, ihrer Ausrüstung (etwa die Einführung der Sarissa, einer gut 6 m langen Lanze) und der Koordination der Waffengattungen ausschlaggebend. Das makedonische Heer wurde zur schlagkräftigsten Armee, welche die Antike bis dahin erlebt hatte und das vorher unbedeutende Makedonien damit zu einem ernsthaften Machtfaktor machte. Dabei konnte sich Philipp auch auf fähige Helfer stützen, wobei sein bester General Parmenion war, der Philipp bereits seit dessen Amtsantritt unterstützt und erfolgreich gegen die Illyrer Krieg geführt hatte. Vor allem aber war diese Armee dem König verpflichtet und ihm, nicht den Adligen, gegenüber loyal. So vergab Philipp Land an Männer, deren Söhne nun in der Elitereiterei – den „Gefährten“ (hetairoi), gegenüber den „Gefährten zu Fuß“ (pezhetairoi) – dienten. Daneben dienten im Heer zahlreiche leichtbewaffnete Fußtruppen, die im Kampf die Flanken deckten oder Unterstützung leisteten. Zusätzlich wurden bei Bedarf Pioniertruppen für Belagerungen eingesetzt.
In den ersten Jahren seiner Regentschaft ließ Philipp nichts unversucht, um sein Reich zu stabilisieren. In den ersten zwei Jahren besiegte er die Illyrer und Paioner und begann dann schon 357 v. Chr. im Küstengebiet Makedoniens zu expandieren, wobei er, ganz Realpolitiker, die beiden dort vertretenen Mächte, Athen und den Chalkidischen Bund, gegeneinander ausspielte. Die makedonische Armee belagerte erst die von Athen gegründete Stadt Amphipolis, dann Pydna. Beide Male kollidierte er mit athenischen Interessen: Die Athener hatten damit gerechnet, dass Philipp ihnen Amphipolis übergeben würde, was dieser freilich nie beabsichtigt hatte; mit Pydna eroberte Philipp sogar eine mit Athen verbündete Stadt. Als Seestädte waren sie aber auch für Makedonien von großem Wert, und Athen war mit internen Problemen zu sehr beschäftigt, um sich um die nordägäischen Probleme zu kümmern.
356 v. Chr. ergriff er die Chance, die Stadt Krenides unter seine Kontrolle zu bringen. Von dort wurde er gegen einen thrakischen Fürsten zu Hilfe gerufen. Krenides wurde in Philippi umbenannt. Die Stadt und das Umland erlaubten ihm nun, die Minen des Pangaiongebirges auszubeuten. Die jährlichen Gewinne der Minen – etwa 1000 Talente (dies war mehr Geld, als Athen auf dem Höhepunkt seiner Macht aus dem Seebundsgebiet erhielt) – nutzte Philipp II., um seinen Einfluss auszudehnen, teils um Söldner anzuwerben, teils um Politikern und Gesandten anderer Städte große Geschenke zu machen und sie auf seine Seite zu holen. Zudem ließ er eine neue Goldmünze mit seinem Namen prägen.
Im Inneren blieb der makedonische Staat relativ lose organisiert. Mittelpunkt aller staatlicher Handlungen war der König. Philipp beließ in den eroberten griechischen Städten in der Regel Garnisonen, ihre Selbstverwaltung wurde aber kaum angetastet, wenn auch Philipp „Beauftragte“ einsetzte, die ihn über die internen Vorgänge informieren sollten. Es bleibt dabei festzuhalten, dass vor allem die Städte in der Küstenregion, die nun und in der Folgezeit an Makedonien fielen, eine wichtige Rolle im neuen Staat spielten, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht.
Bis 355 v. Chr. war wie beschrieben die an Makedonien angrenzende Küstenregion weitgehend in Philipps Hand. Gleichzeitig belagerte Philipp II. Methone, die letzte große mit Athen verbündete Stadt an der nördlichen Ägäis. Die Makedonen stürmten die Stadt im folgenden Jahr, nachdem die Verteidiger erkennen mussten, dass Athen trotz Hilfszusagen nicht im Stande war, den versprochenen Entsatz zu bringen. Philipp verlor dabei sein rechtes Auge. Es folgten Feldzüge nach Thrakien, die zunächst jedoch nicht die erhofften Erfolge hatten. Seine Expansion richtete sich auch nach Süden, nach Thessalien. Thessalische Fürstenhäuser stritten um die Vorherrschaft, darunter auch die Aleuaden von Larissa, mit denen das makedonische Fürstenhaus seit Jahrzehnten befreundet war. Die Aleuaden riefen Philipp II. zu Hilfe, nachdem sich die Phoker auf Seiten ihrer Gegner aus Pherai engagierten.
Thessalien war zu dieser Zeit Nebenschauplatz des Dritten Heiligen Krieges, in den Makedonien so verwickelt wurde (353 v. Chr.): Die Phoker besetzten Delphi und reklamierten die Einnahmen des berühmten Orakels von Delphi für sich, woraufhin die delphische Amphiktyonie – das für Delphi zuständige Kultbündnis – Philipp um Hilfe bat. Dieser nahm die Gelegenheit gerne wahr. Philipp erhoffte sich davon nicht zuletzt einen propagandistischen Nutzen: Schon 356 v. Chr. hatte er den Sieg seines Pferdewagens bei den Olympischen Spielen geschickt auszunutzen verstanden; nun spielte er wieder die „panhellenische Karte“. Gleichzeitig war der Hilferuf auch ein willkommener Vorwand, um makedonische Truppen nach Zentralgriechenland zu verlegen. Nach der Schlacht auf dem Krokusfeld in Thessalien (352 v. Chr.) wurde Philipp für sein Engagement im Krieg gegen die Phoker von den Thessalern als Archon (und damit Führer) ihres Bundes anerkannt.
DemosthenesRGM.jpg Mit der Eroberung wichtiger Silber- und Goldvorkommen am Pangaion (s.o.) hatte sich Philipp genügend Spielraum für seine weiteren Pläne verschafft, die in der Hegemonie über ganz Griechenland gipfelten.Wohl nicht zu Unrecht nannte es Alfred Heuß „das große Spiel um Hellas“: Propyläen Weltgeschichte, Bd. 3, Berlin 1991 (ND), S. 389. 349 v. Chr. fiel Stageira, die Heimatstadt des Aristoteles, und im folgenden Jahr eroberten die Makedonen auch das strategisch wichtige Olynth auf der Chalkidike nach einjähriger Belagerung. Athen konnte der makedonischen Expansion nur hilflos zusehen: Im Frieden des Philokrates im Jahr 346 v. Chr., im selben Jahr, als die Phoker endgültig geschlagen wurden, wurde bereits die makedonische Vormachtstellung über weite Teile Griechenlands anerkannt.
343 v. Chr. schloss Philipp mit dem damaligen persischen Großkönig Artaxerxes III., dem letzten bedeutenden Achämeniden, einen Nichtangriffspakt – wohl wissend, dass er ansonsten den Zorn des Großkönigs zu einem für Philipp ungünstigen Zeitpunkt riskierte, zumal Philipp aufständische persische Statthalter teils heimlich, teils offen unterstützt hatte. Bis 340 v. Chr. war Thrakien vollständig in makedonischer Hand; es wurde einem makedonischen strategos unterstellt. Währenddessen belagerte Philipp Byzanz und eroberte sogar eine athenische Getreideflotte. Damit aber wurde die für Athen lebenswichtige Versorgung mit Getreide aus dem bosporanischen Reich gefährdet, weshalb die Athener nun unter dem Einfluss des Redners und Politikers Demosthenes, der insgesamt vier eindringliche Reden gegen die Politik Philipps gehalten hatte (siehe Philippika), Philipp II. den Krieg erklärten.
Anfang August 338 v. Chr. vernichtete Philipp II. jedoch das athenische und thebanische Heer durch den massiven Kavallerieeinsatz, der von seinem Sohn Alexander geleitet wurde, in der Schlacht von Chaironeia. Es war das Ende des letzten ernsthaften Aufbäumens der restlichen Griechen gegen Philipp und, wenn dies den Zeitgenossen auch noch nicht klar war, das Ende der traditionellen Poliswelt. Philipp behandelte das unterlegenen Athen, wo es durchaus auch Vertreter einer pro-makedonischen Politik gab (etwa Aischines oder Demades, der den Frieden zwischen Makedonien und Athen aushandelte), recht milde, während Theben infolge der Niederlage eine makedonische Besatzung erhielt und auch an politischer Autonomie einbüßte.
Philipp begründete 337 v. Chr. den so genannten Korinthischen Bund, dem alle griechischen Stadtstaaten außer Sparta angehörten. Er wurde dessen Hegemon und bevollmächtigter Stratege und kontrollierte somit de facto den Bund, der vor allem ein Instrument zur Durchsetzung der Politik Philipps war. Er rief auch einen Allgemeinen Frieden (κοινή ειρήνη, koiné eiréne) aus – eine langgehegte Hoffnung vieler Griechen, die der ständigen Kriege überdrüssig waren – und erreichte die Zustimmung des Bundes zu einen Feldzug gegen das Perserreich. Die Begründung war Rache zu nehmen für die Zerstörungen während des Feldzugs des Xerxes 140 Jahre zuvor; in Wirklichkeit aber ging es wohl darum, die Kräfte der stets unruhigen Stadtstaaten auf ein gemeinsames Ziel zu richten und von antimakedonischen Aktionen abzulenken. Gleichzeitig versprach der Feldzug reiche Beute und eine Ausdehnung des makedonischen Einflusses.Siehe unter anderem E. F. Bloedow, Why did Philip and Alexander Launch a War against the Persian Empire?, in: L’Antiquité classique. Revue semestrielle, Bd. 72, Bruxelles 2003, S. 261–274.
Philipp hatte mehrere Ehefrauen, teils auch mehr als eine gleichzeitig. Der antike Schriftsteller Satyros von Kallatis nennt sieben:
Soweit bekannt, hatte Philipp II. insgesamt nur fünf Kinder von seinen oben genannten Frauen. Von Nikesipolis hatte er eine Tochter namens Thessalonike, von Philinna einen Sohn namens Arrhidaios, von Olympias Alexander und Kleopatra und von seiner letzten Frau Kleopatra eine Tochter namens Europa.
Alexander the great 1.jpg Das Verhältnis zu seinem Sohn Alexander war oft sehr angespannt, wobei Alexander wohl bestrebt war, die Leistungen seines Vaters noch zu übertreffen. Aus Alexanders Kindheit ist eine Episode überliefert, die ebenso den glühenden Ehrgeiz Alexanders wie aber auch den Stolz Philipps auf dessen Leistungen deutlich macht: Als eines Tages das Pferd Bukephalos Philipp angeboten wurde, wies er es zurück, da es scheinbar nicht zu bändigen war. Alexander jedoch erklärte, dass er es schaffen könnte, was ihm auch gelang. Daraufhin habe Philipp stolz erklärt:
Offenbar wollte Philipp jedoch verhindern, dass Olympias zu großen Einfluss auf seinen Sohn nahm; andererseits war auch Philipps Verhalten teils zwiespältig: Philipp, der auch den griechischen Philosophen Aristoteles nach Pella geholt hatte, damit er Alexander und einige seiner Freunde unterrichtete, erwartete wohl die bedingungslose Loyalität seines Sohnes, auch wenn dessen Stellung als sein Nachfolger nicht gesichert war. Gleiches galt für seine Mutter Olympias, die keinen speziellen Rang unter den vielen Frauen Philipps hatte und deren Einfluss nur daher rührte, Mutter des wahrscheinlich nächsten makedonischen Königs zu sein. Andere Kinder Philipps – wie Alexanders Halbbruder Arrhidaios – oder zukünftige männliche Nachkommen Philipps stellten eine Gefahr für Alexanders Stellung im makedonischen Reich dar. Nicht Eifersucht, sondern Machtinstinkt bestimmten die Handlungen der ehrgeizigen Olympias. Auf diese Konkurrenz zwischen Philipps Söhnen weist die Pixodaros-Affäre von 336 v. Chr. hin, in deren Zusammenhang mehrere Freunde Alexanders ins Exil geschickt wurden: Dabei hatte sich Philipp um gute Beziehungen zu Pixodaros bemüht, dem persischen Statthalter in Karien, und ihm seinen Sohn Arrhidaios als Schwiegersohn vorgeschlagen. Alexander, der offenbar eine Zurücksetzung seiner Person befürchtete, bot sich nun selbst als Schwiegersohn des Pixodaros an, jedoch kam keine Verbindung mehr zustande.
Bereits 337 v. Chr. nahm sich Philipp mit Kleopatra eine weitere Frau. Sie war die Nichte des makedonischen Generals Attalos, der bereits großen Einfluss am Hof von Pella hatte. Dies führte zu erheblichen Spannungen zwischen Philipp und Alexander; es ist auch gemutmaßt worden, dass Philipp, aus welchen Gründen auch immer, Alexander nach dessen Erfolg bei Chaironeia nicht mehr recht vertraute.Vgl. Peter Green, Alexander of Macedon, Berkeley u.a. 1991 (ND), S. 90ff.
Bei einer Feier beleidigte Attalos Alexander, indem er ihn indirekt als illegitimen Thronfolger bezeichnete, ein durchaus übliches Mittel im politischen Kampf am makedonischen Königshof. Nach diesem Eklat, bei dem Philipp selbst sogar Partei für Attalos ergriff und mit einem Schwert auf Alexander losgehen wollte, was ihm aufgrund seines alkoholisierten Zustandes aber nicht gelang, machte sich Alexander über seinen Vater lustig und ging zusammen mit seiner Mutter ins Exil nach Epeiros.Plutarch, Alexander, 9. Ein halbes Jahr später kehrte Alexander aber nach Pella zurück, auch wenn die Spannungen weiter bestehen blieben. Dennoch erwies sich Alexander ansonsten den Anforderungen seines Vaters (was beispielsweise militärische Angelegenheiten betraf) als gewachsen; er sollte auch am Feldzug gegen Persien teilnehmen.Selbst nach Philipps Tod sollte der Vater-Sohn Konflikt nicht ohne Folgen bleiben: Während Alexanders Feldzug kam es 328 v. Chr. in Marakanda zu einem Streit zwischen Alexander und Kleitos, einem seiner engsten Freunde, der Alexander zuvor auch das Leben gerettet hatte. Kleitos fühlte sich durch seine Versetzung hinter die Frontlinien zurückgesetzt und erklärte, Alexander verleugne seinen Vater Philipp, da er sich nun als Sohn des Zeus-Ammon fühle. Daraufhin geriet Alexander derart in Wut, dass er Kleitos tötete, was er nachher aber zutiefst bereut haben soll: vgl. u.a. Arrian, Anabasis, 4,8 oder Plutarch, Alexander, 50–52.
Philip II Macedonia.png Bevor Philipp jedoch zum Feldzug aufbrechen konnte (eine Heeresabteilung unter dem Befehl Parmenions stand bereits in Kleinasien), wurde Philipp während der Hochzeit seiner Tochter Kleopatra mit dem Molosserfürsten Alexander von Epeiros, einem Bruder der Olympias, den er um 350 v. Chr. als König in Epeiros eingesetzt hatte, von seinem Leibwächter Pausanias im Sommer 336 v. Chr. ermordet, wobei in den Quellen verschiedene Motive angeführt werden, so unter anderem, dass Pausanias von Attalos zutiefst gedemütigt worden war und von Philipp keine Genugtuung erhielt.
Die Mitwisserschaft seiner Ehefrau Olympias (oder auch Alexanders) wurde in der Vergangenheit häufig von Historikern vermutet, die einfach deren charakterliche Einschätzung aus Plutarchs Alexandervita übernahmen, in der Olympias sehr schlecht beurteilt wird. An seinem Tod hatten aber viele Mächte Interesse: die von ihm unterworfenen Stadtstaaten Griechenlands, die persischen Herrscher Kleinasiens, die Ziel des damals bevorstehenden Feldzugs geworden wären, oder auch Einzelpersonen oder Machtgruppen des makedonischen Hofes. Aus den bekannten Quellen ist diese Frage nicht abschließend zu klären, obwohl wenigstens die Beteiligung der Olympias an dem Komplott recht wahrscheinlich ist.Zum Mord vgl. unter anderem J. R. Ellis: The Assassination of Philip II, in: Ancient Macedonian Studies in honor of Charles F Edson, hrsg. von H. J. Dell, Thessaloniki 1981, S. 99–137.
1977 entdeckte Manolis Andronikos bei der heutigen Stadt Vergina angeblich das völlig unversehrte Hügelgrab Philipps. Obwohl dort ein Mitglied der makedonischen Königsfamilie bestattet wurde, ist die Identifizierung mit Philipp II. unsicher. Eine vollständige Publikation des Grabes und der Funde steht noch aus.Artikel bei Archaeology.org. Vorläufige Publikation: M. Andronikos, Vergina. The Royal Tombs and the Ancient City, Athen 1984.
Alexander sollte auf den Erfolgen Philipps aufbauen und mit seinem Alexanderzug geradezu märchenhafte Erfolge feiern. Doch hätte Alexander ohne das von Philipp neuorganisierte Heer und die von diesem erreichte Machtstellung, und nicht zuletzt die von Philipp herangezogenen fähigen makedonischen Generäle, wohl niemals derart viel erreichen können. Auch wenn Alexander Philipp wohl an militärischem Talent übertraf, schmälert das die Leistungen Philipps nicht. Dessen war sich wohl auch Alexander bewusst, denn während des Persienfeldzugs soll er Arrian zufolge zu seinen Truppen, als diese aufsässig wurden, gesagt haben:
Der Historiker Theopompos, der Philipp nicht nur positiv beurteilte, konnte durchaus zu Recht verkünden, dass Philipp II. der bedeutendste Herrscher gewesen sei, den Europa bis dahin hervorgebracht hatte.Fragmente der griechischen Historiker, 115 F 27. Die Klagen vieler griechischer Autoren über Philipps Tun beruhen primär auf der grundsätzlichen Ablehnung des Königtums, das die damaligen Griechen als despotische Herrschaft über versklavte Untertanen sahen. Dies verband sich mit der ohnmächtigen Einsicht, dass die Vorstellung eigener Größe fast nur noch Erinnerung war und der militärischen Übermacht Makedoniens nicht widerstehen konnte.
Alle zeitgenössischen Geschichtswerke, welche an Xenophons Hellenika anschlossen (das Werk endete 362 v. Chr.), und Titel wie Philippika oder Makedonika trugen und die Regierungszeit Philipps II. behandelten, sind uns nur als Fragmente erhalten bzw. uns nur dem Namen nach bekannt. Dazu zählen die Werke des Anaximenes, des Theopompos und des Ephoros von Kyme (gesammelt in: Die Fragmente der griechischen Historiker). Allerdings dienten sie teils als Vorlagen für spätere, wenigstens teilweise erhaltene Werke.
Aus diesem Grund sind wir vor allem auf Sekundärquellen angewiesen, die mit deutlicher zeitlicher Distanz zum behandelten Zeitabschnitt entstanden sind. Eine wichtige Darstellung ist das 16. Buch der Universalgeschichte Diodors, der unter anderem Ephoros und Theopompos benutzt hat, wobei Diodor aber einige chronologische Fehler unterliefen. Daneben sei das Werk des Junianus Justinus genannt (ein stark verkürzter Abriss des Geschichtswerks des Pompeius Trogus), welches jedoch mit zahlreichen sachlichen Ungenauigkeiten behaftet ist und auch stilistisch nicht sehr geglückt ist.
Von großer Bedeutung sind die uns weitgehend erhaltenen Reden aus der Zeit Philipps, etwa von Demosthenes, Isokrates, Aischines oder Demades. Ebenso bieten die von Plutarch verfassten Biographien, wie die Alexanders oder des Demosthenes, wertvolle Informationen, wenn sie auch nicht als objektiv-historische Abhandlungen zu verstehen sind. Hinzu kommen nicht-literarische Quellen wie Inschriften, Münzen und archäologische Befunde.
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