Nachstehende charakteristische Gangarten (Allüren) bei Pferden werden unterschieden:
Grundgangarten
Die meisten Pferderassen haben nur die Grundgangarten. Dies ist auf Zucht zurückzuführen, um leichter reitbare Pferde zu erhalten, denn jede Gangart erfordert einen anderen Bewegungsablauf des Reiters, der erlernt werden muss.
Schritt
Eine ruhige Viertaktgangart ohne Schwebephase, bei der das Pferd die
Hufe in der Reihenfolge links vorne - rechts hinten - rechts vorne - links hinten setzt, wobei die Bewegungen sich ein wenig überlappen. Als fehlerhaft gilt ein
passartiger Gang (in der deutschen bzw. klassischen
Reitlehre - es gibt freilich Pferderassen von Passgängern, etwa beim Isländer den Rennpass). Man unterscheidet Mittelschritt, versammelten und starken Schritt. Die beiden letzteren werden erst nach der Grundausbildung des Pferdes verlangt. Beim starken Schritt mit mehr Raumgriff tritt der Hinterhuf deutlich über den Abdruck des Vorderhufs hinaus, man spricht auch von Rahmenerweiterung, bei der die Schrittfrequenz nicht eiliger, aber die Schritte ausgreifender und die Nickbewegung des Pferdekopfs deutlicher werden. Beim versammelten Schritt soll sich die
Versammlung erhöhen, nicht lediglich der Schritt verlangsamt und verkürzt werden (Pass-Gefahr; siehe auch weiter unten: Pass). Starker und versammelter Schritt werden erst in fortgeschrittenen und höheren Dressuraufgaben verlangt.
Trab
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Eine schnelle Zweitaktgangart, bei der jeweils das diagonale Beinpaar gemeinsam vorgeschwungen wird. Zwischen den beiden Bodenberührungen gibt es dabei eine kurze Schwebephase. Die Einhaltung der Gangart ist wichtig im
Trabrennen, bei Nicht-Einhaltung erfolgt Disqualifikation.
Man unterscheidet beim Dressurreiten versammelten Trab, Arbeitstrab, Mitteltrab und starken Trab. Übungen aus der hohen Schule sind ein Trab nahezu auf der Stelle, als Piaffe bezeichnet, und ein Trab mit einer verlängerten Schwebephase und akzentuierter gehobenen Beinen als Passage.
Galopp
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Eine schnelle Dreitaktgangart, für den Linksgalopp ist die Bewegungsfolge rechts hinten - rechts vorne und links hinten - links vorne, dann ausgeprägte Schwebephase. Er kann auch spiegelbildlich als Rechtsgalopp geritten werden.
Gallop.jpg
Der Galopp kann als eine Abfolge von
Sprüngen aufgefasst werden. Diese lange nicht gesicherte Erkenntnis wurde, durch eine Wette animiert, erstmals
1878 durch den
Fotografen
Eadweard Muybridge fotografisch festgehalten. Bei der von ihm entwickelten Aufnahmetechnik löste ein galoppierendes Pferd durch Reißleinen kurz hintereinander versetzte
Kameras aus, die die verschiedenen Phasen des Galopps als Einzelbilder festhalten konnten.
Nach neuesten Messungen ist der Galopp eigentlich eine Viertaktgangart, da links hinten und rechts vorne in der Bewegungsfolge nicht wirklich exakt gleichzeitig gesetzt werden. Je schneller der Galopp geritten wird, umso größer ist der zeitliche Unterschied zwischen links hinten und rechts vorne. Der Unterschied ist allerdings so gering, dass er für den Reiter unbedeutend ist. Es gibt allerdings zwei Fälle, in denen der Viertakt deutlich sichtbar wird: Beim sehr schnellen Renngalopp sowie beim extrem langsamen Galopp. Letzteres ist je nach Reitweise erwünscht oder verpönt.
Eine besondere Variante des Galopps ist der Rückwärtsgalopp, bei dem das Pferd die gleiche Bewegungsabfolge ausführt, jedoch die Beine nach hinten setzt. Er kann nur andressiert werden. Auch der Galoppwechsel a tempo kann als eine Abwandlung des Normalgalopps angesehen werden. Hierbei wechselt das Pferd bei jedem Galoppsprung die Galoppart vom Links- zum Rechtsgalopp und zurück.
Siehe auch: Fliegender Galoppwechsel, Außengalopp
Besondere Gangarten
Die besonderen Gangarten sind nicht bei allen Rassen anzutreffen. Meist sind diese Gangarten genetisch festgelegt. Ein Erlernen des Passgangs ist zwar für viele Pferde möglich, aber solche mit der genetischen Anlage dazu tun sich sehr viel leichter dabei. Ein Pferd hat maximal fünf Gangarten.
Tölt
Der Tölt ist eine Spezialgangart, die für den Reiter besonders angenehm und rückenschonend ist. Im Gegensatz zu Trab und Galopp hat Tölt keine Sprungphase, sondern ist eine gelaufene Gangart. Der Reiter sitzt fast regungslos auf einem locker schwingenden Rücken. Tölt hat, abhängig von der Ganglage und Ausbildung des Pferdes, eine hohe Tempovarianz zwischen Schritt- und Galopptempo.
Die Fußfolge von Tölt ist dieselbe wie die des Schrittes: hinten links, vorne links, hinten rechts, vorne rechts.
Anders als beim Schritt wechseln sich im Tölt jedoch Ein- und Zweibeinstützen ab. Die Phasenfolge des Tölts ist daher:
- hinten links fußt auf - Einbeinstütze hinten links
- vorne links fußt auf - laterale Zweibeinstütze
- hinten links fußt ab - Einbeinstütze vorne links
- hinten rechts fußt auf - diagonale Zweibeinstütze
- vorne links fußt ab - Einbeinstütze hinten rechts
- vorne rechts fußt auf - laterale Zweibeinstütze
- hinten rechts fußt ab - Einbeinstütze vorne rechts
- hinten links fußt auf - diagonale Zweibeinstütze
Ursprünglich hatten wohl alle europäischen Pferderassen eine genetische Veranlagung für den Tölt. Töltende Pferde wurden im Mittelalter auch als "Zelter" bezeichnet. Mit dem Aufkommen der Kutschfahrerei wurden bequeme Reitpferde unwichtig und reiten unmodern. Da Tölt keine Sprungphase hat und daher im Zug keine einem trabenden Pferd adäquate Leistung erbracht werden kann, stellte sich die Pferdezucht auf Traber um. Durch die Erfindung und Verbreitung des Automobils gab es eine lange Phase der Stagnation in der Reitpferdezucht, die Gebrauchsreiterei starb. Der Pferdebestand war durch die Weltkriege stark dezimiert worden. Ausgehend von der klassischen, oft militärischen Reiterei gab es in Deutschland im Wesentlichen nur noch eine kleine elitäre Minderheit von Dressur- und Springreitern.
Erst mit der Entwicklung der Freizeitreiterei und der starken Verbreitung der Islandpferde nach dem Zweiten Weltkrieg (u. a. auch durch das Engagement von Ursula Bruns, Autorin der Immenhof-Geschichten) auch und gerade in Deutschland wurden der Tölt und das Gangpferdereiten populär. Werblich quasi auf dem Rücken der Islandpferde wurden auch viele andere Gangpferderassen nach Deutschland importiert und werden inzwischen hier gezüchtet, z.B. Peruanische Pasos und Paso Finos, Aegidienberger, American Saddlebreds, Berber und Töltende Traber. Es gibt immer mehr spezielle Gangpferdeturniere für Islandpferde und weitere töltende Rassen, ausgetragen in erster Linie vom Islandpferde Reiter- und Züchterverband (IPZV) und der Internationalen Gangpferdevereinigung (IGV).
Es gibt durchaus Verschiebungen in der Fußfolge. So kommt es, dass nicht jedes Pferd töltet. Von Paßtölter bis zum Trabtölter ist alles vertreten.
Beim Paso Peruano wird der Tölt auch als Paso Llano bezeichnet, beim Paso Fino als Paso.
Pass
Pass
Beim Pass handelt es sich um eine laterale Gangart im Zweitakt in zwei Phasen, bei dem die gleichseitigen Beinpaare abwechselnd auffußen. Das Pferd fällt dabei quasi von einer Lateralen auf die andere. Ruhiger Passgang kann als Ganglage bei Gangpferdearten auftreten. Diese Form von Pass kann jedoch auch bei Dreigängigen Pferden auftreten, wenn ein Pferd stark verritten und aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Pass ist in dieser Form bei jedem Pferd absolut unerwünscht. Wird ein Pferd im Pass geritten, wird es immer steifer, da es sich in dieser Gangart kaum biegen kann. Dies führt langfristig zu schweren Verspannungen und Schäden.
Rennpass
Eine Variation von Pass ist der Rennpass beim Islandpferd, der w.o. jedoch im Renntempo und mit Flugphase geritten wird. Die schnellsten Isländer können eine Geschwindigkeit von 45km/h entwickeln. Da diese Gangart für das Pferd sehr anstrengend ist, reitet man sie nur auf kurzen Strecken und nicht zu oft.
Foxtrott
Der Foxtrott ist eine Spezial-Gangart des
Missouri Foxtrotters, in der das Pferd vorne schreitet und hinten trabt. Die Gangart ist sehr sicher und verhindert relativ gut sowohl eine frühe Ermüdung des Pferdes als auch eine Weitergabe von Bewegungen an den Reiter.
Walk
Der Walk ist die Gangart des
Tennessee Walking Horse. Sie ähnelt dem Tölt. Im Gegensatz zu diesem sind beim Walk allerdings immer drei Hufe am Boden, was nochmals höhere Gangsicherheit ergibt. Der Walk ist ein Viertakt mit Kopfnicken und Zähneklicken.
Marcha
Der Marcha ist die bevorzugte Bewegungsart des
Mangalarga Marchador. Er ist ein langsamer bis mittelschneller Viertakt, bei dem immer mindestens ein Bein am Boden ist. Erklärtes Zuchtziel ist es, eine Gangart zu erreichen, bei der die
Einbeinstütze wegfällt und das Pferd immer mit mindestens zwei Hufen Bodenkontakt hat.
Rack
Der Rack ist eigentlich ein Tölt. Wie beim Slow Gait soll das Pferd auch hier zur Kadenzierung kurze Stopps in die Bewegung einbauen.
Slow Gait
Der Slow Gait ist genau genommen ein Schritt. Im Unterschied zu diesem wird jede Bewegung kurz unterbrochen, was bedeutet, dass das Pferd nach Anheben eines Fußes kurz verharrt.
Geschwindigkeiten
| in m/min | Arbeitstempo | Versammeltes Tempo | Mitteltempo
|
| Schritt | 100 | 60 | 120
|
| Trab | 205 | 100 | 300
|
| Galopp | 288 | 200 | 450
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Siehe auch: Pferdesport, Liste der Pferderassen
Zu den 'geregelten Reitgängen' der klassischen Reitkunst: Siehe auch: Reitkunst
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