Die Pfalz ist eine Region in Südwestdeutschland im Süden des Bundeslandes Rheinland-Pfalz. Sie hat etwa 1,4 Mio. Einwohner. Wegen der idyllischen Landschaft und des im Osten sehr milden Klimas wird die Pfalz in der Werbebranche gerne als die „deutsche Toskana“ bezeichnet.
Der zum Biosphärenreservat Pfälzer Wald-Nordvogesen gehörende Pfälzer Wald bedeckt mehr als ein Drittel der Region und ist die größte zusammenhängende Waldfläche Europas. Der höchste Berg der Pfalz ist der im Nordpfälzer Bergland gelegene Donnersberg (687 m). Der tiefste Punkt der Pfalz (87,3 m) liegt auf der Gemarkung der Stadt Frankenthal und befindet sich nur wenige hundert Meter vom Rhein entfernt.
Die Nordpfalz besteht aus einem einzigen Landkreis, der 1969 durch Zusammenlegung der Kreise Kirchheimbolanden und Rockenhausen geschaffen wurde:
Die Vorderpfalz weist bei weitem die größte Siedlungsdichte auf, auch die meisten größeren Städte sind hier zu finden. Zudem liegt in der Vorderpfalz das bevölkerungsreichste Dorf Deutschlands, Haßloch, das rd. 21.000 Einwohner hat.
Landkreise und kreisfreie Städte der Vorderpfalz (mit Kfz-Kennzeichen) sind:
Landkreise und kreisfreie Städte der Westpfalz (mit Kfz-Kennzeichen) sind:
(Auf der Skizze wurde der zur Westpfalz gehörende Landkreis Kusel vergessen.)
Speyer Merian 1640.jpg mit dem Dom, Stich von Merian, 1640]] Historisch bestand die heutige Pfalz bis zum Ende des 18. Jahrhunderts aus mehreren Territorien, von denen die größten die Gebiete des Pfälzer Kurfürsten, des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken und des Hochstifts Speyer waren. Das Gebiet um Kirchheimbolanden unterstand dem Haus Nassau. Daneben existierten kleinere reichgräfliche und ritterschaftliche Territorien und nicht zuletzt die Freie Reichsstadt Speyer. Das Gebiet der Kurpfalz (einschließlich seines rechtsrheinischen Teils um Mannheim und Heidelberg) wurde noch vor der Französischen Revolution mit Bayern vereinigt, als die altbayerische Linie der Wittelsbacher ausstarb und 1777 Kurfürst Carl Theodor aus der Linie Pfalz-Sulzbach das Erbe in München antrat.
Im Verlauf der französischen Revolutionskriege wurden in den 1790er Jahren die gesamten linksrheinischen Gebiete und damit auch die heutige Pfalz von französischen Truppen besetzt. Im Frieden von Lunéville (1801) wurde das linksrheinische Deutschland formal und völkerrechtlich Teil der Französischen Republik. Die pfälzischen Territorien wurden mit anderen Gebietsteilen (unter Einschluss dessen, was nach 1815 als "Rheinhessen" bezeichnet werden sollte) im neugebildeten Département Donnersberg (Mont Tonnerre) zusammengefasst und spätestens ab 1802 als integrierter Bestandteil des französischen Staates verwaltet. Die rechtsrheinischen Gebiete der Kurpfalz gingen im Großherzogtum Baden auf.
Nach den Befreiungskriegen und dem Wiener Kongress (1815) kam die territorial neu umrissene (linksrheinische) Pfalz 1816 als „Rheinkreis“ zurück an Bayern. Es handelte sich dabei um eine Entschädigung für die Gebiete rechts des Inn und die Stadt Salzburg, welche Bayern im Münchner Vertrag von 1815 an Österreich abgetreten hatte. Im Jahre 1835 verfügte der bayerische König Ludwig I., dass die Verwaltungseinheiten der mittleren Ebene nicht mehr entsprechend dem französischen Vorbild nach Flüssen, sondern nach historischen Bezugspunkten benannt werden sollten. Der „Rheinkreis“ wurde daher in „Rheinpfalz“ umbenannt. Die Benennung sollte an die lange Tradition wittelsbachischer Herrschaft in der Region vor 1816 erinnern und zudem eine Verwechselung mit der nordostbayerischen Oberpfalz ausschließen. Vor diesem historischen Hintergrund stand „Rheinpfalz“ lange Zeit auch für das pfälzische Weinbaugebiet. Seit dem 27. August 1993 lautet die Bezeichnung für dieses Anbaugebiet ebenfalls „Pfalz“.
Innerhalb des Königreichs Bayern genoss die Pfalz eine rechtliche und administrative Sonderstellung, da die bayerische Regierung wesentliche Errungenschaften der französischen Zeit beibehielt. So waren in der Pfalz die Grundherrschaft aufgehoben (im rechtsrheinischen Bayern erst 1848), die Trennung von Justiz und Verwaltung bis auf die unterste Ebene der Verwaltung durchgesetzt (Trennung von Landkommissariaten und Landgerichten) und die völlige Gewerbefreiheit in Kraft. Überdies galt der Code Napoléon bis zum Erlass des BGB im Jahre 1900 als Zivilrecht der Pfalz. Als um 1830 die Sonderrechte der Pfalz immer mehr beschnitten wurden, kam es 1832 auf dem Hambacher Schloss beim damaligen Neustadt an der Haardt zu einer großen Freiheitskundgebung, die als Hambacher Fest in die Geschichte einging.
Die Herrschaft des bayerischen Königshauses wurde durch Bauprojekte wie die königliche Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben und die umfassende Restauration des Doms zu Speyer zum Ausdruck gebracht.
Nach dem Ersten Weltkrieg war die Pfalz entsprechend den Waffenstillstands- und Friedensbedingungen bis 1930 von französischen Truppen besetzt. Der Versailler Vertrag verfügte die Abtrennung westlicher Gebiete der Pfalz, die dem neu gebildeten Saargebiet inkorporiert wurden, das seinerseits unter Verwaltung des Völkerbundes gestellt wurde. Diese Gebietsteile bilden heute den Landkreis "Saarpfalz" innerhalb des Saarlandes. Während der französischen Besetzung kam es zwischen dem 6. November 1923 (Aufstände in Kaiserslautern, Neustadt und Landau) und dem 12. Februar 1924 (Sturm auf das Bezirksamt in Pirmasens) zu separatistischen Bewegungen in der Pfalz, die in der Ausrufung der Autonomen Pfalz durch Heinz Orbis gipfelten, aber rasch scheiterten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Pfalz Teil der französischen Besatzungszone und ging dann nach Verordnung Nr. 57 des französischen Oberkommandos im 1947 neu gebildeten Bundesland Rheinland-Pfalz auf, das neben der Pfalz noch den früher zu Hessen gehörigen Teil Rheinhessen (Hauptstadt Mainz) und das früher zur preußischen Rheinprovinz gehörige moselfränkische Rheinland (mit den Mittelgebirgen Hunsrück, Eifel und Westerwald) umfasst.
Ein Volksbegehren im Jahre 1956 für eine Rückgliederung nach Bayern fand nicht die notwendige Unterstützung in der Bevölkerung.
Mit der Umstrukturierung der Landesverwaltung zum 1. Januar 2000 wurden die Regierungsbezirke in Rheinland-Pfalz aufgelöst. Die Bezirksregierungen wurden in Aufsichts- und Dienstleistungsdirektionen (ADD) beziehungsweise Struktur- und Genehmigungsdirektionen (SGD) überführt, die nunmehr landesweit für ausgewählte Aufgabenbereiche und nicht mehr für alle Aufgaben innerhalb ihres bisherigen Bezirks zuständig sind. In Neustadt befindet sich nun die SGD Süd.
Die Region der Pfalz ist in Landkreise und kreisfreie Städte untergliedert. Diese sind Mitglieder des Bezirksverbandes Pfalz, einer Körperschaft des öffentlichen Rechts, die auf früheren Verwaltungsstrukturen basiert: Der Conseil général, im Jahre 1800 von Frankreich übernommen, mündete 1816, als nach Ende der Ära Napoleons die Pfalz dem Königreich Bayern zugeschlagen wurde, im durch Bayern genehmigten 20-köpfigen Landrath, der schließlich zum Bezirkstag Pfalz, dem Parlament des Bezirksverbandes Pfalz, wurde.
Der Bezirksverband verwaltet verschiedene kulturelle und soziale Einrichtungen in der Region und fördert die Zusammenarbeit zwischen den Landkreisen und kreisfreien Städten. Vorsitzender des Bezirksverbandes ist seit 2004 der Frankenthaler Oberbürgermeister Theo Wieder (CDU).
In Wörth am Rhein, in einem eng mit Karlsruhe und damit Baden-Württemberg verbundenen Wirtschaftsraum, werden in einem Werk von Daimler-Chrysler Lastwagen gebaut, die in alle Welt exportiert werden.
Die Westpfalz ist strukturschwach, da z. B. die dort traditionelle Schuhindustrie sich in einer schwierigen Phase befindet. In und um Kaiserslautern bieten das Opel-Werk und (noch) die US-Streitkräfte wichtige Arbeitsplätze. Im Umfeld der Universität Kaiserslautern siedeln sich vermehrt junge, innovative Firmen an, die moderne Arbeitsplätze schaffen.
Die Pfälzerinnen und Pfälzer („Pälzer“), die auf humorvolle Art gerne als „Pälzer Krischer“ bezeichnet werden oder sich auch selbst so nennen, gelten als ein „unverfälschter“ Menschenschlag. Ihnen wird persönliche Offenheit, natürliche Neugier und Geselligkeit nachgesagt, aber auch Direktheit und Dickköpfigkeit. Wichtige Eigenschaft ist die sprichwörtliche Pfälzer Gemütlichkeit - man setzt sich gerne zusammen an einen Tisch und speist und trinkt gemeinsam. Konsumwein wird aus Schoppengläsern getrunken, die eine Kapazität von 0,5 Liter haben.
Meist handelt es sich dabei um das traditionelle Pfälzer „Dubbeglas“. In beschaulicher Runde (etwa auf dem Dürkheimer Wurstmarkt oder anderen Weinfesten) ist es nicht unüblich, dass der Schoppen reihum gereicht wird. Die traditionelle Pfälzer Küche ist teilweise recht deftig und umfasst u. a. grobe Bratwürste, Saumagen, Leberknödel sowie Flääschknepp (Fleischklöße), die typischerweise mit Meerrettichsoße, Sauerkraut oder Weinknorzen, einer besonderen Art Roggenbrötchen, serviert werden. Legendär sind die „Gebreedelde“, die Pfälzer Bratkartoffeln, die häufig mit Speckstückchen oder Leberwurst angereichert werden. Auch „Grumbeere mit weißem Kees“, Pellkartoffeln mit Quark, sind in der Pfalz ein beliebtes Gericht.
Wenngleich Pfälzerinnen und Pfälzer eher konservativ-liberal und tolerant sind, kann die Gemütlichkeit auch in Zorn umschlagen, wenn etwas nicht so läuft, wie es soll. Wenn dann die „Donnerkeile“ fliegen („Dunnerkeitel“ - beliebter Pfälzer Fluch), sollte man besser in Deckung gehen. Schließlich waren die Pfälzer maßgeblich am Bauernkrieg (1525), am Hambacher Fest (1832) und an der Märzrevolution (1848) beteiligt...
Auf Grund der beiden letztgenannten Ereignisse gilt die Pfalz auch als ein Stammland der frühen deutschen Demokratiebewegung. Als deutsches Grenzgebiet hat die Pfalz Jahrhunderte hindurch immer wieder Heimsuchungen durch Kriege erfahren, was wohl auch zu dem engen Zusammenhalt der Pfälzer geführt hat.
Siehe auch unter Literatur: Clemens Jöckle in "Pfälzische Geschichte", Band 2, Seiten 307-361)
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