Petrus Stuyvesant (engl. Peter, niederl. Peter oder Pieter; * 1612 in Peperga, Friesland, Niederlande; † 1672 in New York) war ab 1643 Gouverneur von Curaçao und ab 1647 Generaldirektor der von der Niederländischen Westindien-Kompanie (WIC) verwalteten Kolonie Nieuw Nederland, bevor diese 1664 von England in Besitz genommen wurde.
1644 kehrte er in die Niederlande zurück. Zwei Jahre später ernannte man ihn zum Generaldirektor von Neu-Niederlande. Er erhielt den Auftrag, den wirtschaftlichen Ertrag der Kolonie zu verbessern und die Feindseligkeiten mit den Indianern zu beenden. Seinen Amtseid legte er am 28. Juli 1646 ab und machte sich auf die Reise nach Amerika, wo er am 11. Mai 1647 eintraf.
Zwei Wochen später fand die offizielle Amtseinführung statt und Stuyvesant ernannte einen Rat und setzte einen Gerichtshof ein. Als Zugeständnis an den Volkswillen ließ er in einer allgemeinen Wahl 18 Delegierte wählen, aus denen der Gouverneur und sein Rat einen Ausschuß von 9 Vertretern bildeten. Dessen Befugnisse waren allerdings lediglich beratender Natur.
Um die Verhältnisse in der Kolonie zu verbessern, sorgte er für den Bau besserer Wohn- und Gasthäuser, etablierte einen Markt und eine jährliche Viehmesse und regte die Gründung einer öffentlichen Schule an.
Die ersten beiden Jahre als Gouverneur in Neu-Niederlande verliefen nicht ohne Widerstände für Stuyvesant.
Einerseits kam es zu Streitigkeiten mit den Großgrundbesitzern. Die "Patroons" wollten sich in ihren Rechten nicht von Stuyvesant beschränken lassen. Sie behinderten den Handel der Kolonie und weigerten sich, sich seiner Autorität unterzuordnen.
Auf der anderen Seite hatte Stuyvesant mit dem Rat zu kämpfen, der häufig anderer Auffassung war. Dies gipfelte in einem Beschwerdeschreiben des Rates an den Statthalter in den Niederlanden, der daraufhin Stuyvesant nach Holland bestellte. Da diese Anordnung allerdings nicht von der Amsterdamer Kammer der Kompanie bestätigt worden war, weigerte sich Stuyvesant dieser Aufforderung Folge zu leisten.
Dazu kam noch, dass viele Bürger unzufrieden waren, weil man den Eindruck hatte, dass er sehr despotisch die Geschicke der Kolonie lenke und primär die Interessen der Kompanie verfolge.
Währenddessen gelang es Stuyvesant allerdings, wirtschaftliche Erfolge zu verbuchen. So sicherte er der Kolonie 1648 das Privileg für den Handel mit Brasilien und 1652 für den Sklavenhandel mit Afrika.
Trotz der sichtbaren Erfolge kam es immer wieder zu Streitigkeiten über die Grenzen der Kompetenz des Gouverneurs und die Siedler forderten mehr Rechte.
1653 hatte sich eine Versammlung -- bestehend aus je zwei Abgeordneten aus jeder Siedlung in Nieuw Nederland - für Reformen ausgesprochen. Stuyvesant befahl der Versammlung sich aufzulösen und lehnte die Forderungen kategorisch ab.
Da man sich in der Kolonie nicht einigen konnte, wurde im Mutterland eine neue Regelung für die Verwaltung der Kolonien erarbeitet und es wurde beschlossen eine Gemeindeverwaltung einzurichten. Als Folge erhielt Nieuw Amsterdam am 2. Februar 1653 die Stadtrechte. Als Vorbild dieser Neuordnung diente die Verwaltung in den Niederlanden.
Stuyvesant sah in dieser neuen Form allerdings keine Einschränkung seiner Macht und fuhr fort nach seinem Gutdünken die Kolonie zu lenken.
Neben den Niederlanden hatten auch die Schweden eine Kolonie am Delaware River gegründet. Stuyvesants Vorgänger Willem Kieft hatte sich um eine friedliche Koexistenz bemüht und freundschaftliche Beziehungen unterhalten, da er die eigentliche Bedrohung in den Briten sah. Stuyvesant verfolgte eine andere Strategie.
Die schwedischen Besitzungen teilten Neu Niederlande und machten sie dadurch angreifbarer, deshalb zielte er von vornherein darauf ab, die schwedischen Forts zu besiegen und die schwedische Kolonie zu erobern. Zu diesem Zweck ließ er 1651 "Fort Casimir" errichten. Er plante das schwedische "Fort Christina" zu umzingeln, aber der Plan schlug fehl, denn die Schweden eroberten ihrerseits im Jahr 1654 "Fort Casimir", nannten es fortan "Fort Trefalddighet".
Stuyvesant sammelte seine Kräfte und besiegte mit seinen Truppen im August 1655 die Schweden endgültig. Neuschweden existierte nicht mehr. Die Niederländer besetzten die ehemaligen schwedischen Forts und gliederten die ehemaligen schwedischen Gebiete in die neu geschaffene Kolonie Neu-Amstel, ein.
Während seiner Abwesenheit kam es in der Kolonie zu Überfällen durch Indianer.
Ausgelöst wurde der Konflikt durch die Ermordung einer Indianerin durch einen niederländischen Siedler. Sie hatte einen Pfirsich aus einem Baum auf seiner Plantage gepflückt und er hatte sie dafür erschossen.
Die Indianer nutzten die Abwesenheit Stuyvesants und seiner Truppen -- die mit dem Kampf gegen die Schweden beschäftigt waren --, um die fast wehrlose Kolonie zu überfallen. Drei Tage lang griffen ungefähr fünfhundert Krieger die Gegenden Hoboken, Pavonia und Staten Island an. Es starben circa einhundert Siedler, weitere einhunderfünfzig wurden gefangen genommen und viele Häuser wurden zerstört.
Nachdem Stuyvesant zurückgekehrt war, bemühte er sich um eine Lösung des Konflikts und begann Verhandlungen mit den Häuptlingen. Es gelang ihm zunächst die Gefangenen gegen Lösegeld frei zu bekommen. Im Verlauf weiterer Unterredungen konnten die Streitigkeiten beigelegt werden.
Am 30. Januar 1658 traf sich Stuyvesant mit Häuptlingen der Stämme aus der Gegend um den Hudson River, um über den Kauf von Land zu verhandeln. Er erwarb das gesamte Gebiet zwischen dem Hackensack River und dem Hudson River, von Weehawken und Secaucus bis zum "Kill van Kull".
Aus diesem Landkauf ergab sich die Gründung der Ortschaft Bergen im Jahr 1660 (hieraus sollte später Jersey City entstehen). Die Siedlung wurde mit einer Holzpalisade umgeben, um die Bewohner vor Indianerangriffen zu schützen. Diese Gegend ist heute der "Bergen Square" in Jersey City.
Im März des Jahres 1660 wurde schließlich ein formaler Friedensvertrag unterzeichnet. Nach dieser Krise ordnete Stuyvesant an, dass die Siedler um Pavonia eine feste - gut zu verteidigende - Siedlung errichten sollten, anstatt weiter auf isolierten Höfen zu leben.
1664 übertrug Charles II. seinem Bruder James, dem Duke of York, eine große Landfläche in den amerikanischen Kolonien -- einschließlich Nieuw Nederlands. Ziel war es, die Lücke an der Nordostküste in den amerikanischen Besitzungen zu schließen, und so trafen am 27. August 1664 vier englische Kriegsschiffe unter dem Kommando von Captain Richard Nicholls im Hafen von Nieuw Amsterdam ein.
Am 30. August 1664 forderten die Engländer Stuyvesant zur Kapitulation auf. Man versprach allen, die die Herrschaft der englischen Krone anerkennen würden, Leben, Land und Freiheit.
Stuyvesant war eigentlich gewillt, die Kolonie zu verteidigen, fand aber keinen Rückhalt in der Bevölkerung und war am 6. September 1664 gezwungen, den Übergabevertrag zu unterzeichnen. Der Kommandant der englischen Flotte wurde vom Stadtrat zum Gouverneur ernannt und die Stadt erhielt zu Ehren des Herzogs von York den neuen Namen New York.
Die ehemalige Kolonie Nieuw Nederland wurde geteilt und es entstanden die englischen Kolonien New York und New Jersey.
1665 reiste Stuyvesant noch ein letztes Mal in die Niederlande, um Bericht zu erstatten und sich zu verantworten. Anschließend kehrte er nach Amerika zurück, wo er den Rest seines Lebens auf einem großem Anwesen außerhalb New Yorks verbrachte. Sein Haus stand ungefähr dort, wo heute die 8th Street verläuft. Er besaß außerdem ein zweites Haus, das in der Straße in New York stand, die heute seinen Namen trägt.
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