Peter der Ältere Stromer (auch Peter (d. Ä.) Stromeir, Peter d. Ä. Stromair; * um 1315; † 3. Dezember 1388) war ein Nürnberger Rats- und Handelsherr. Er entwickelte die so genannten Nürnberger Nadelwald-Saaten. Dank dieser Aufforstung
Beginnend ab Ostern (9. April) 1368 unternahm Stromer auf mehreren hundert Morgen des Lorenzer Reichswaldes umfangreiche Versuche einer planmäßigen Forstkultur. Dabei wurden Samen von Kiefern und Tannen sowie wahrscheinlich auch von Fichten und Laubhölzern gezielt gesät. Vor allem die Tannen- und Kiefern-Saaten hatten Erfolg. Die Versuche und ihre zeitliche Datierung lassen sich durch Dokumente belegen. So erwähnt Peter Stromers Halbbruder Ulman Stromer diese in seiner um 1390/1400 verfassten Schrift Püchl von mein geslecht und abentwr, dem ältesten erhaltenen geschichtlichen Schrifttum Nürnbergs. Darin schreibt er unter anderem:
Das klingt nicht sensationell, bedeutete tatsächlich aber einen gewaltigen Sprung nach vorn bei der Überwindung des mittelalterlichen Weltbildes. Denn in diesem galten Nadelbäume mit ihren scheinbar wertlosen Früchten, den „Kien-Äpfeln“, als „arbores malae et nonfructiferae“, also als schlechte und keine Früchte tragende Bäume und damit als Teil einer vom Teufel zur Verhöhnung Gottes und der Menschen geschaffenen Anti-Welt. Auch waren eine wirtschaftliche Vorausplanung und irdische Daseinsvorsorge für kommende Generationen – mithin durch die Abkehr vom Raubbau im Wald Ansätze zu einer forstlichen Nachhaltigkeit – dem mittelalterlichen Denken vollkommen fremd, von planmäßig ausgeführten Experimenten ganz zu schweigen. Die Nürnberger Nadelwald-Saaten stellen daher einen außergewöhnlichen Fortschritt nicht nur in der Forstwirtschaft, sondern in der Technik der Urproduktion überhaupt dar. Sie sind auch ein frühes Zeugnis der Verbindung von Wald und Bergbau, die später in den Forstordnungen und durch Hans Carl von Carlowitz noch deutlicher hervortreten sollte.
Stromer ließ Tannen- und Kiefernzapfen sammeln, aus diesen die Samen lösen und in Waldböden sowie brach liegende Felder säen. Zur Vorbereitung der Saat wurden diese Flächen mit einem Waldpflug tief aufgebrochen. Wahrscheinlich zum Schutz der Kulturen mit ihren jungen Nadelbäumen vor Frost und Vergrasung und für eine bessere Durchwurzelung des Bodens ließ er auch Birken säen. Durch genaue Beobachtungen und Versuche entwickelten Stromer und seine Nachfolger - Nürnberger Forstleute aus seinem Verwandtenkreis – in der folgenden Zeit die am besten geeigneten Techniken für die Ernte und das Klengen der Samen, ermittelten den richtigen Saatzeitpunkt (Frühjahr), die passende Saat-Tiefe im Boden und geeignete Pflanzabstände. In generationenlang weitergegebenen Erfahrungen kamen sie auch dahin, zu unterscheiden, welche Böden für welche Baumarten am besten geeignet waren. Bei der Lagerung der Samen beschäftigten sie früh Fragen des Forstschutzes, wenn es etwa darum ging, das wertvolle Saatgut gegen Fraß durch die allseits präsenten Hausmäuse zu schützen.
Das neue Verfahren erregte umgehend großes Interesse und wurde durch den Rat der Stadt Nürnberg gefördert. Nachdem die Reichsstadt unter Peter Stromers Mitwirkung 1372 das Reichsforstmeisteramt der Familie Coler erworben hatte, setzte Stromer die Waldsaaten im Auftrag der Stadt in großem Stil bis zu seinem Tode am 3. Dezember 1388 fort. Der Nürnberger Reichswald wurde so zum ersten Kunstforst der Welt und Stromer selbst zum „Vater der Forstkultur“. Die Nürnberger Forstwirtschaft, an der nicht gespart wurde, nahm seinerzeit den ersten Rang in der Welt ein und trug entscheidend dazu bei, dass sich die Reichsstadt als eines der führenden Wirtschaftszentren auch in der beginnenden Neuzeit behaupten konnte (siehe dazu auch Geschichte der Stadt Nürnberg).
Alsbald begannen sich daher auch andere Städte und Grundherren des In- und Auslandes für diese Art des Waldbaus zu interessieren. So genannte Tannensäer , durch die forstlichen Verwalter des Reichswaldes ausgebildet, zogen aus, um die gewonnenen Erkenntnisse und mit ihm den Ruhm Nürnbergs durch Europa zu tragen. Schon ab 1426 wurde mit Nürnberger Waldsamen, Waldsäern und nach Nürnberger Technik der Frankfurter Stadtwald gesät und 1457 im Steinfeld bei Wiener Neustadt. Bald darauf waren die Tannensäer in ganz Zentraleuropa aktiv, darunter vor 1483 im badischen Schwarzwald, 1485 in Ungarn und 1496 im mitteldeutschen Bergbaugebiet in Sachsen.
Ihre Technik der Samengewinnung, -behandlung und -aussaat ist durch Aufzeichnungen überliefert. Die erste hatte der Frankfurter Rat bereits 1426 verfassen lassen – man hatte einfach den von Nürnberg gesandten Tannensäer Kunz Hülpühel ausgehorcht. Doch auch die Reichsstadt Nürnberg gab die Kenntnis der Technik später an andere Städte und Fürsten weiter. Über Noe Meurers Schrift Jag vnd Forstrecht (1576) ging sie schließlich in die allgemeine Forstpraxis und -lehre ein.
In den kommenden Jahrhunderten wurde die Waldsaat immer weiter verbessert, die Nürnberger Spezialisten behielten ihre Vorrangstellung dabei bis zum Dreißigjährigen Krieg 1618-1648. So importierten Peter Stromers Großneffen Ulrich Grunther und Bartholomeus Groland ab 1485 aus Füssen Samen der Europäischen Lärche und säten diese mit Erfolg im Nürnberger Reichswald aus. So begann der Anbau an sich standortsfremder Baumarten in deutschen Wäldern.
Peter Stromers Pionierleistung ist dabei schon seinen Zeitgenossen bewusst gewesen und von ihnen entsprechend gewürdigt worden. So bewahrten sie sein Gedächtnis in einem Bild, das zu den frühesten Porträts der deutschen mittelalterlichen Malerei gehört.
Forstleute | Unternehmer | Unternehmer (Montanindustrie) | Deutscher | Mann | Nürnberg | Gestorben im 14. Jh. | Gestorben 1388
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