Peter Greenaway (* 5. April 1942 in Newport, Wales, Vereinigtes Königreich) ist ein britischer Experimentalkünstler, Drehbuchautor, Filmregisseur, Kameramann und Cutter und Professor an der European Graduate School in Saas-Fee.
Sein erster abendfüllender Spielfilm "Der Kontrakt des Zeichners", war ein geschickt erdachtes kriminologisches Puzzle rund um einen eitlen Maler im England des ausgehenden 17. Jahrhunderts. Darauf folgten der surreale Film "ZOO-A Zed and two Noughts" über Tiere, Verwesung, Symmetrie, Schicksal und den Maler Vermeer, sowie der Film "Der Bauch des Architekten" und der wieder sehr ins Surrealistische ziehende "Drowning by Numbers" (dt. "Verschwörung der Frauen"). 1989 erreichte er einen neuen Grad an Publizität durch die skandalöse schwarze Komödie "The Cook, the Thief, his Wife and her Lover", deren Aufführung in Amerika verboten wurde. Neue visuelle Dimensionen erzeugt Greenaway dann 1991 in seiner Shakespeare-Verfilmung "Prospero's Books" mit John Gielgud in der Hauptrolle. Die selbst für Greenaway überspitzte und oft obszöne Kirchensatire "The Baby of Mâcon" fiel bei Kritik und Publikum durch, wurde aber durch deren Begeisterung für das wunderschön inszenierte "The Pillowbook" mit Vivian Wu und Ewan McGregor ausgeglichen. Mit "8 1/2 Women" schuf Greenaway eine witzige Hommage an Fellini voller sexueller Obsessionen, die aber die Komplexität und den Anspielungsreichtum früherer Werke nicht erreicht.
Greenaways neuestes Projekt, "The Tulse Luper Suitcases", umfasst drei Spielfilme, eine Fernsehserie, 92 DVDs, CD-ROMs, und Bücher über das Leben von Tulse Luper und seine 92 Koffer mit obskurem Inhalt. Tulse Luper taucht als Figur und Mitarbeiter (so z.B. Production Assistant für "A Walk Throuh H") in mehreren Filmen Greenaways auf, so in "The Falls" oder in den Kurzfilmen "Vertical Features Remake" und "A Walk Through H". In Greenaways Filmen entfaltet sich rund um Luper eine Art Mythologie, zu der eine Reihe immer wieder auftretender Charaktere gehört (z.B. Lupers Gegenspieler Van Hoyten).
Greenaways künstlerischer Anspruch ist kein geringerer als der, die Sprache des Films - die nach seiner Auffassung seit den 1920er Jahren keine Entwicklung mehr erfahren habe - grundlegend zu erneuern. Kennzeichen seiner Filme sind lange Totaleinstellungen auf minuziös durchgestaltete, statische Arrangements von Dekorationen und Schauspielern, die den Zuschauer zu hoher Aufmerksamkeit und genauem Hinsehen nicht nur einladen, sondern auch zwingen, wenn er der Handlung folgen will. Regelmäßig nutzt Greenaway für die Sprache seiner Filme auch Ausdruckselemente anderer Kunstformen, z. B. der Bildenden Kunst ("Der Kontrakt des Zeichners"), der Architektur ("Der Bauch des Architekten") oder der Literatur ("The Pillowbook").
Ein weiteres Erkennungszeichen seiner Filme ist die Verwendung einer zwar reizvollen und interessanten, jedoch kühlen Musik, die die Ironie der Bilder unterstreicht und ein emotionales Mitgehen des Zuschauers gänzlich ausschließt. Die Musik zu fünf der Filme von Greenaway ("Der Kontrakt des Zeichners", "Ein Z und zwei Nullen", "Verschwörung der Frauen", "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber" und "Prosperos Bücher") schrieb der englische Komponist Michael Nyman. Die Musik zu "Der Bauch des Architekten" schrieb Wim Mertens.
Filmregisseur | Drehbuchautor | Mann | Waliser | Geboren 1942
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