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Pessach (hebräisch) oder Pascha (aramäisch, gesprochen Pas|cha) gehört zu den höchsten Festen des Judentums. Es erinnert an den Auszug aus Ägypten, also an die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei, mit der sie als eigenes Volk in die Geschichte eintraten. Für gläubige Juden bedeutet dieses Ereignis zugleich die bleibende Erwählung des Judentums zum „Volk Gottes".
Das Pessachfest war traditionell mit Schawuot und Sukkot eins der drei traditionellen israelitischen Wallfahrtsfeste, an denen die Gläubigen nach Jerusalem zum Tempel auf dem Zionsberg pilgerten und dort das Passalamm opferten (Ex 12,3-11). Es wurde aber schon vor der endgültigen Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahre 70 n. Chr. als Hausfest im Kreis der ganzen Familie gefeiert.
Der Name spielt auf einen dramaturgischen Höhepunkt der biblischen Exodusüberlieferung (Ex 1-15) an: die Erzählung vom Todesengel JHWHs, der in der Nacht des Auszugs alle ägyptischen männlichen Erstgeborenen tötete und nur die Hebräer verschonte, die die Türen ihrer Unterkünfte mit dem Blut des Pessachlammes gekennzeichnet hatten (Ex 12). Diese letzte und schlimmste der zehn Plagen soll den Pharao schließlich dazu bewegt haben, die Israeliten ziehen zu lassen.
In vielen Sprachen wird auch das christliche Osterfest als „Pessach" bezeichnet: z.B.
Das Pessachfest dauert sieben Tage, in der Diaspora bei orthodoxen Juden acht Tage. Während dieser Zeit darf gemäß Gottes Gebot (Ex 12,20) nichts Gesäuertes (hebräisch Chamez) verzehrt werden noch sich im Haus befinden. Dies wurde in der rabbinischen Tradition auf alle Speisen, die in irgendeiner Weise mit Gesäuertem in Berührung kamen, ausgedehnt. Sie dürfen an Pessach weder zur Zubereitung oder Darreichung von Speisen, ja nicht einmal zur Viehfütterung genutzt werden. Als Säuerndes gilt jede der fünf Getreidearten Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel (Spelt), die für mindestens 18 Minuten mit Wasser in Kontakt kam, sowie jede Speise und jedes Getränk, das aus einer dieser Getreidesorten hergestellt ist oder sie enthält.
Zur Festvorbereitung werden daher in der Vorwoche sämtliche gesäuerten Nahrungsmittel verzehrt, verschenkt oder verkauft und die übrigen in einem großen Hausputz entfernt. Das Haus wird bis auf den letzten Krümel gereinigt. Chamez, welches vergessen und später entdeckt wurde, darf nicht mehr genutzt werden und wird deshalb weggeworfen. Glasgeschirr wird drei Tage gewässert (jeweils nach 24 Stunden gewechselt). Eisernes Gerät (Töpfe, Besteck) wird abgekocht, um es vorschriftsmäßig koscher zu machen. In vielen Haushalten gibt es Geschirr und Besteck nur für Pessach. Alles Küchenzubehör aus anderen Materialien, wie Holz, Porzellan, Steingut, Plastik usw. wird während des Festes weggeschlossen. Zum Abschluss dieser Hausreinigung wird rituell im Licht einer Kerze jeder Winkel der Wohnung nach verbliebenem Chamez durchsucht.
Dies soll an die biblische Überlieferung erinnern, nach der die Israeliten so rasch aus Ägypten ausziehen mussten, dass zum Säuern und Gärenlassen der Brote als Reisenahrung keine Zeit mehr blieb (Ex 12,34). Während der acht Festtage wird darum nur ungesäuertes Brot (mazza, „Brot des Elends") gegessen. Die Mazzen sind dünne, nur aus Mehl und Wasser ohne Hefe hergestellte knusprige Fladenbrote. Die gesamte Herstellungszeit vom Anrühren des Teiges bis zum Backen darf 18 Minuten nicht überschreiten, damit der Teig auf keinen Fall säuert. Sie sind wesentlich größer als die Oblaten des christlichen Abendmahls, deren religionshistorischen Hintergrund sie bilden.
Der_Sederteller_fuer_den_Pessachauftakt.jpg Das eigentliche Pessach beginnt mit dem Abendgottesdienst in der Synagoge, dem das große Festmahl im Familienkreis folgt: der Seder („Ordnung“). Bestimmte Speisen mit symbolischer Bedeutung werden nach einem genau festgelegten Verlauf gemeinsam eingenommen. Währenddessen verliest der/die Sederleiter/in jeweils die entsprechende Bibelstelle und Erklärungen aus der Pessachliturgie (Haggada), die die Bedeutung der Speise erklärt. Nach dem Verzehr der symbolischen Speisen folgt das eigentliche Festmahl. Es werden in bestimmten Abständen insgesamt vier Becher Wein getrunken, die Gottes Verheißungen symbolisieren: Er wollte die Kinder Israels nach Ex 6,6f herausführen, erretten, erlösen und als eigenes Volk annehmen. Ein fünfter Becher steht für den Propheten Elijahu bereit, der erwartet wird, um das Kommen des Messias anzukündigen. Im liberalen Glauben wird ebenfalls ein Becher Wasser für Miriam bereitgestellt. Während des Seder singt die Familie vor allem Lob- und Danklieder.
Am letzten Festtag wird der israelitischen Toten mit einer Seelenfeier "Jizkor" gedacht. Die folgenden sieben Wochen bis zum Fest Schawuot gelten als Trauerzeit.
Das Pessach ist, mehr noch als viele andere jüdische Feste, ein Familienfest, mit dem die Angehörigen sich in die Ursprungstraditionen ihres Volkes stellen, diese erinnern und neu für sich bekräftigen. Jeder soll sich fühlen, als wäre er selbst aus Ägypten ausgezogen und seinen Kindern davon erzählen. Diese Erinnerung soll die Identität und den Zusammenhalt des Judentums, auch in aller Zerstreuung und Verfolgung, bewahren. Die Trennung von „privater" und „öffentlicher" Geschichtserinnerung oder „sakraler" und „profaner“ Religiosität ist dem Judentum in allen seinen Richtungen und Schattierungen fremd.
Dieser Glaube wurzelt wahrscheinlich in der Deutung, die Jesus selbst seinem Tod gab. Sein letztes Mahl am Vorabend seiner Hinrichtung wird von den älteren Evangelien als Pessachmahl dargestellt. Danach folgte Jesus dem traditionellen Ablauf des Seder, wandelte aber die Deutung der Speisen ab und sagte bei der Austeilung der Mazzen und des Segenskelches (Mk 14,12-26):
Für den Glauben der Urchristen geschieht in Jesu Tod darum der Israel verheißene „neue Exodus", die umfassende Befreiung von aller Sünde und die Rettung aus dem Verderben im Endgericht Gottes. Als das Osterlamm übernimmt Jesus ein-für-allemal die Stelle des geopferten Pessachlammes: Gott schenkt Gerechtigkeit durch die Hingabe seines eigenen Sohnes und schafft dadurch für alle Menschen die Versöhnung mit Gott. Diese Gnadentat ist nach den Evangelien von keiner menschlichen Vorleistung abhängig und wurde auch von den ersten Jüngern Jesu als unbegreifliches Geschenk Gottes erfahren und verkündet: Gott selbst habe das Blut seines Sohnes endgültig als „Schutzzeichen" für Alle, auch die Sünder und Mörder Jesu, angenommen, indem er ihn auferweckt habe.
Das jüdische Pessach ist daher auch der Ursprung der christlichen Karwoche, die vom Sonntag Palmarum über den Gründonnerstag und Karfreitag bis zum Osterfest – der Feier der Auferstehung Jesu, dem höchsten christlichen Feiertag – führt. Das ursprünglich täglich, mindestens sonntäglich gefeierte Abendmahl ist die christliche Form des Pessachmahls. Die Erinnerung an Israels Exodus ist konzentriert auf die Erinnerung an Jesu Tod und Auferstehung (1. Kor 11,26): Diese schließt notwendig die Heilshoffnung des Judentums ein und ist nur auf ihrem Hintergrund als universales Heil für alle Völker zu verstehen.
In der frühen Kirchengeschichte wurde lange um den Ostertermin gestritten (siehe Osterfeststreit). Gerade indem die Kirchenväter sich schließlich auf den Sonntag nach dem Pessachtag, nicht diesen selber verständigten, bestätigten sie die Herkunft und Abhängigkeit des Osterfestes vom Pessach. Ostern wird also heute immer am Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond, also nach dem ersten Tag des Pessachfestes gefeiert. Wenn dieser Tag ein Sonntag ist, fallen beide Feste sogar auf denselben Tag.
50 Tage nach Pessach begehen die Juden Schawuot, das Wochenfest, das ebenfalls in veränderter Weise als Pfingstfest in die christliche Tradition Eingang gefunden hat.
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