Peroxisomen (Glyoxisomen im Speichergewebe von Pflanzensamen), auch Microbodies genannt, sind evolutionär sehr alte Zellorganellen in eukaryotischen Zellen. Sie verbrauchen in vielfältigen Stoffwechselfunktionen Sauerstoff und gelten daher als die ersten Entgiftungsapparate, die mit dem Auftreten einer sauerstoffhaltigen Atmosphäre erforderlich wurden.
Aufbau
Es handelt sich bei Peroxisomen um kleine (200 - 500 nm Durchmesser), mit einer einfachen
Membran umhüllte
Vesikel, die sich im
Cytoplasma einer Zelle befinden. In diesen räumlich abgetrennten Bereichen (
Kompartimenten) können, durch die Membran geschützt, Reaktionen ablaufen, die für den Organismus gefährlich wären, würden sie im
Cytoplasma erfolgen. Dies ist ein Beispiel für die Wichtigkeit der Zellkompartimentierung. Peroxisomen enthalten Enzyme (
Oxidasen), die Wasserstoff von verschiedenen Substraten abspalten und mit molekularem
Sauerstoff zu
Wasserstoffperoxid verbinden. Der Wasserstoffperoxid abbauenden
Peroxidase verdanken die Peroxisomen ihren Namen. Anzahl, Größe und Proteinausstattung der Peroxisomen sind abhängig von Zelltyp und Wachstumsbedingungen.
Aufgabe
Peroxisom.png
In den Peroxisomen befinden sich ca. 60 Monooxygenasen und Oxidasen genannte
Enzyme, die den oxidativen Abbau von
Fettsäuren,
Alkohol und anderen schädlichen Verbindungen katalysieren. Das bedeutet, dass die Enzyme Wasserstoffe von verschiedenen Substraten abspalten und an molekularen Sauerstoff binden. Dabei entsteht das giftige Wasserstoffperoxid. Unter den Enzymen befindet sich die namensgebende Peroxidase, deren Wirkung in
Redoxreaktionen in der Abbildung hervorgehoben wird. Für ihre Funktion wird das Wasserstoffperoxid verbraucht, das als Zellgift im
Cytoplasma viele wichtige Biomoleküle zerstören könnte. Eine andere Möglichkeit zur Entgiftung besteht in dessen sofortiger Umsetzung durch
Katalase in einer
Disproportionierungsreaktion, wobei Wasser und Sauerstoff entsteht.
Katalase verwandelt Wasserstoffperoxid zu Wasser und Sauerstoff: 2 H
2O
2 → 2 H
2O + O
2. Oft sind die Enzymkonzentrationen so hoch, dass sie kristalline Aggregate (
Nucleoide) bilden.
Nach der Endosymbiontenhypothese wurden im weiteren Verlauf der Evolution bakterienartige Organismen durch die "Urkaryonten-" (Vorläufer der Eukaryoten-) Zellen aufgenommen, die bereits über einen sinnvollen Sauerstoff-Verwertungsapparat (Citratzyklus und Atmungskette) verfügten und damit zur ATP-Synthese auf dem Wege der oxidativen Phosphorylierung befähigt waren. Dies waren die Vorläufer der "modernen" Mitochondrien.
Interessanterweise wurden Peroxisomen dabei nicht überflüssig, sondern sie wurden in den Katabolismus eingebunden; zum Bindeglied wurde das (energiereiche) Acetyl-CoA. Die Abbildung zeigt beispielhaft, wie Ethanol eingesetzt wird, um nicht nur Wasserstoffperoxid zu entgiften, sondern auch selbst in einen Metaboliten (Acetyl-CoA) von allgemeiner Bedeutung im Katabolismus (Energiegewinn) und Anabolismus (Aufbau von Fettsäuren, Cholesterin usw.) überführt zu werden. Peroxisomen tragen somit zur Verstoffwechslung von Alkohol bei.
Darüber hinaus katalysieren sie wichtige Schritte bei der Biosynthese von Lipiden der Myelinscheide von Nerven (daher gehen Störungen ihrer Funktion oft mit neurologischen Schäden einher).
Entstehung
Im Unterschied zu den
Lysosomen sind Peroxisomen keine Abkömmlinge des
Golgiapparates, sondern, wie
Mitochondrien, "selbstreplizierend" in dem Sinne, dass die notwendigen peroxisomalen Proteine und Lipide aus dem Cytosol importiert werden, womit das Material zur Teilung bereitsteht.
Glyoxisomen
Glyoxisomen sind spezialisierte Peroxisomen, die man in den Speichergeweben fettreicher Samenzellen findet. Sie erhielten ihren Namen, da sie am
Glyoxylat-Zyklus beteiligt sind. Die in den Glyoxisomen enthaltenen Enzyme ermöglichen die Nutzung von Fetten zum Aufbau von Biopolymeren (
Zucker,
Proteine), die für das Pflanzenwachstum nötig sind. In Pflanzen haben Peroxisomen auch an der
Photorespiration teil - dort ebenfalls in Kooperation mit Mitochondrien.
Erkrankungen
Erkrankungen bei denen Peroxisomen eine Rolle spielen:
1. Peroxisomendefekte
- Zellweger-Syndrom
- Rhizomele Chondrodysplasia punctata Typ 1 (Mutation vom PEX7-Gen)
- Neonatale Adrenoleukodystrophie
- Infantiles Refsum-Syndrom
2. Peroxisomaler Enzymdefekt
- Pseudo-Zellweger-Syndrom (Mutation der Acyl-CoA-Oxidase)
- X-chromosomale Adrenoleukodystrophie (sek. durch peroxisomalen Transporterproteindefekt für VLCFA-CoA-Synthetase)
- Rhizomele Chrondrodysplasia punctata Typ 2 (Mutation vom DHAPAT-Gen)
Siehe auch: Oxidativer Stress
Weblinks
Peroxisomen und Glyoxisomen bei Botanik online
Literatur
- Alberts, B. et. al.: Molecular Biology of the Cell. Garland Science, 4. Auflage, 2002. ISBN 0815340729.
- Campbell, N.; u. a.: Biologie. 1. Aufl., 1. korrigierter Nachdr., Spektrum Akademischer Verlag 1997, Heidelberg. ISBN 3-8274-0032-5 .
Zellbiologie
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