Als Perikarditis (Herzbeutelentzündung, ICD-10-Code: I31.9) bezeichnet man in der Medizin eine Entzündung des bindegewebigen Herzbeutels (Perikard) unterschiedlicher Ursache. Häufig findet man begleitend einen Perikarderguss, später auch Fibrosierungen und Verkalkungen, was eine erhebliche Beeinträchtigung der Herzfunktion zur Folge haben kann. Ist auch der Herzmuskel (Myokard) mit betroffen, spricht man von einer Perimyokarditis, ist zusätzlich auch noch die Innenschicht des Herzens (Endokard) beteiligt, von einer Pankarditis.
Das Hauptsymptom der akuten Perikarditis ist oft ein stechender Schmerz hinter dem Brustbein, der sich im Liegen, bei Bewegung, tiefer Atmung und Husten verstärkt und eventuell von Fieber und Tachypnoe begleitet wird. Das sind typische Zeichen einer Pericarditis sicca / fibrinosa (trockene Perikarditis), die oft zu Beginn der Erkrankung vorliegt. Dabei finden sich lediglich entzündliche Auflagerungen im Kontaktbereich der beiden Perikardblätter. Beim Abhören (Auskultation) mit dem Stethoskop fällt in diesem Falle ein schabendes Reibegeräusch über dem Herzen auf. Tritt zusätzlich ein Perikarderguss – eine ausgeprägte Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel – auf, spricht man von einer Pericarditis exsudativa (feuchte Perikarditis), bei der sich die Beschwerden und Geräuschbefunde typischerweise deutlich verbessern oder ganz verschwinden. Sie tritt häufiger als die trockene Verlaufsform auf. Dieser Fall spricht dann eher für eine infektiöse Ursache (Viren, Tuberkulose) der Entzündung. Durch die Flüssigkeitsmenge kann die normale Herzfunktion so weit eingeschränkt werden, dass es zu Herz-Kreislauf-Insuffizienz und im Extremfall zum Schock kommen kann.
Die concretio pericardii bezeichnet strangförmige Verwachsungen zwischen Epi- und Perikard, die accretio pericardii eine Verwachsung des Perikards mit der Umgebung (Mediastinum). Die constrictio pericardii schliesslich bezeichnet ein Panzerherz, welches sich durch eine flächenhafte Obliteration des Herzbeutels z.T. mit Verkalkungen auszeichnet.
Grundsätzlich kann man infektiöse von nicht infektiösen Ursachen unterscheiden. In etwa 80% aller Fälle werden Viren als Auslöser angenommen, auch wenn sie sich keiner eindeutigen Ursache zuordnen lassen.
In der Tiermedizin tritt eine Perikarditis vor allem bei Rindern infolge von die Haube perforierenden Fremdkörpern auf.
Bei der Auskultation findet sich ein schabendes Reibegeräusch, das typischerweise mit dem Ausbilden eines Perikardergusses verschwindet.
Im EKG findet sich ein stadienhafter Verlauf: Initiale ST-Hebungen mit Anhebung des J-Punktes in vielen Ableitungen gehen im Verlauf wieder zurück. Im Zwischenstadium zeigen sich Abflachungen der T-Wellen, denen terminal T-Negativierungen folgen, die sich aber meist komplett zurückbilden. Bei einem Perikarderguss ist eventuell eine periphere Niedervoltage zu sehen.
In der Echokardiographie kann man auch kleinste Ergussmengen erkennen, zusätzlich finden sich Verdickungen des Perikards sowie Binnenechos als Hinweis auf Eiteransammlungen.
Der Röntgen-Thorax ist nur bei ausgeprägten Ergussmengen auffällig.
Eine Perikardpunktion könnte bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion zu Erregerdiagnostik durchgeführt werden, entartete Zellen lassen auf einen Tumor schließen.
Als Basismaßnahmen sind im Krankenhaus Bettruhe sowie klinische und echokardiografische Überwachung angezeigt. Gegen die Brustschmerzen können Schmerzmittel verabreicht werden. Weitere, spezielle Maßnahmen hängen von Krankheitsbild und Ursache ab.
Bei einer drohenden Herzbeuteltamponade (siehe Komplikationen) erfolgt zur Entlastung eine Perikardpunktion mit Ableitung der angesammelten Flüssigkeit. Bei immer wiederkehrenden, schweren Ergussbildungen kann auch eine operative Fensterung des Herzbeutels notwendig werden.
Bei einer Virusinfektion werden nicht-steroidale Antiphlogistika und evtl. Glukokortikoide gegeben. Die Gabe von Antibiotika erfolgt bei bakteriellen Infektionen, Antimykotika werden bei Pilzerkrankungen verabreicht.
Bei den andern Formen wird die jeweilige Grunderkrankung behandelt, z.B.: Immunsuppression beim rheumatischen Fieber, Stabilisierung oder Verbesserung von Nieren- oder Schilddrüsenfunktion, etc.
Zwei Komplikationen sind von besonderer Wichtigkeit:
Bei der Herzbeuteltamponade kann es durch große Exsudatmengen des Perikardergusses zur Behinderung der Herzfüllung kommen mit der Folge einer Einflussstauung und eines kardiogenen Schocks. In diesem Fall muss eine sofortige Entlastungspunktion durchgeführt werden.
Die chronische Perikarditis kann nach Abklingen einer akuten Entzündung des Herzbeutels und/oder einer unzureichender Behandlung resultieren. Dabei können sich durch narbige Verwachsungen und Verkalkungen des Herzbeutels ebenfalls Störungen der Ventrikelfüllung ergeben (Perikarditis constrictiva, „Panzerherz“).
Die Vernarbungen können in einigen Fällen vom Herzchirurgen abgetragen werden.
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