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Perestroika, seltener auch Perestrojka, (russisch ; zu deutsch Umbau, Umgestaltung) bezeichnet einen von Michail Gorbatschow eingeleiteten Prozess zum Umbau des politischen und wirtschaftlichen Systems in der Sowjetunion.

Die Perestroika sollte dem Sozialismus vor allem durch freie Wahlen in die Parlamente und Räte, Gewaltenteilung und Ausbau des Rechtsstaatsprinzipes ein demokratisches Antlitz geben und dadurch den gesamten Ostblock stabilisieren, wobei die privilegierte Stellung der Kommunistischen Partei der Sowjetunion erhalten bleiben sollte.

Die Perestroika beinhaltete einige Lockerungen der Parteidirektiven in der Politik der Zentralverwaltungswirtschaft. So wurde Betrieben eingeräumt, selbstständig Entscheidungen zu treffen, was vor allem zu einer Erhöhung der Löhne führte. Diese Erneuerungen war für die alteingesessene sozialistische UdSSR ein enormer Fortschritt; allerdings versäumte man es auf dem langen Weg zur Marktwirtschaft, eine entsprechende Infrastruktur zu schaffen und eine angemessene Steuerpolitik zu verwirklichen.

Die kommunistische Staatsform war nun außerdem nicht mehr maßgeblich. Mit Abschaffung der Breschnew-Doktrin konnte nun jeder Staat frei entscheiden, welcher Staatsideologie er sich anschließt. Gorbatschow erklärte, wenn sich ein Staat dazu entscheiden sollte, sich vom Sozialismus abzuwenden, würde die Sowjetunion nicht eingreifen.

Wirtschaftliche, ökologische und politische Probleme sollten nun global betrachtet werden, da nur eine grenzüberschreitende, globale Ansicht den Frieden auf der Welt langfristig sichern könne. In diesem Zusammenhang sollten auch die Vereinten Nationen stärker einbezogen werden.

Michail Gorbatschow bedachte bei seinen Überlegungen allerdings nicht, dass die Stimmung im Ostblock bereits zu brodeln anfing. Ein Reformwillen von Seiten der Sowjetunion wirkte auf die Menschen wie ein Signal und verleitete sie dazu, nach Reformen im gesamten Einflussbereich der UdSSR immer mehr Freiheiten zu fordern und ermöglichte es ihnen schließlich, das gesamte Ostblocksystem ins Schwanken zu bringen.

In Teilen der SED-Führung in der DDR riefen Glasnost und Perestroika besondere Empörung hervor. Obwohl die DDR stets als Vorzeigemodell der Sowjetunion gehandelt wurde, wollte das Zentralkomitee der SED die durch Gorbatschow angestrebten Reformen nicht auf sich übertragen. Dadurch distanzierte sich die Führung der DDR sowohl von der Sowjetunion als auch von der eigenen Bevölkerung.

Siehe auch


Literatur


  • Michail Gorbatschow: Perestroika. München: Droemer Knaur. - ISBN 3-42603-961-3
  • Aris Beemster: "Perestroika und Glasnost". Berlin: Droemer Knaur - ISBN 3-42701-872-3

Weblinks


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