Per Fredrik Wahlöö (* 5. August 1926 in Lund, aufgewachsen in Göteborg; † 23. Juni 1975 in Lund) war schwedischer Schriftsteller.
1962 heiratete er seine Kollegin Maj Sjöwall. Beide sind bzw. waren bekennende Marxisten. Insbesondere in ihrem letzten Roman, "Die Terroristen" (deutsche Fassung 1977), kommt die Kritik am schwedischen Gesellschaftssystem unübersehbar zum Tragen:
''"Trotz aller übrigen Unterschiede war dieses Land ebenso wie Schweden eine Scheindemokratie, beherrscht von einer kapitalistischen Wirtschaft und zynischen Berufspolitikern, die sehr darauf achteten, dass der Anschein einer Art von Sozialismus, der zwar nur ein Abglanz davon war, aufrechterhalten wurde." (aus: "Terroristen", 1977, S. 26, als Gedanken Gunvold Larssons zu einer südamerikanischen Diktatur)
Dazu wird im Gegenzug stets ein Zitat vom Maj Sjöwall aufgegriffen, welches einen abgeschwächteren Charakter besitzt:
"Man konnte zwar schon 1963 die zunehmende Versumpfung der schwedischen Sozialdemokratie voraussehen, aber andere Dinge waren völlig unvorhersehbar: Die Entwicklung der Polizei in Richtung auf eine paramilitärische Organisation, ihr verstärkter Schußwaffengebrauch, ihre groß angelegten und zentral gesteuerten Operationen und Manöver (...) . Auch den Verbrechertyp mußten wir ändern, da die Gesellschaft und damit die Kriminalität sich geändert hatten: Sie waren brutaler und schneller geworden." (Maj Sjöwall)
Gemeinsam mit Maj Sjöwall schrieb er auf Basis des Genres des Kriminalromans den überaus erfolgreichen gesellschaftskritischen Roman-Zyklus "Roman om ett brott", deutsch: "Roman über ein Verbrechen". Die Krimi-Reihe mit Kommissar Martin Beck war von vornherein auf zehn Bände (Dekalogie)angelegt:
Die Bücher des Schriftsteller-Ehepaares Maj Sjöwall & Per Wahlöö aus Schweden wurden in diverse Sprachen übersetzt, für Kino und Fernsehen verfilmt und gewannen zahlreiche Preise (u. a. den Edgar Allan Poe Award für "Alarm in Sköldgatan" und einen weiteren Edgar für "Endstation für Neun"). Die Verfilmungen bedienen sich, obwohl sie zum Teil sicherlich dramaturgisch geschickt gemacht sind, meist nur einer Grundstruktur der jeweiligen Geschichten, verzichten auf die damalige politische Position des Autorengespanns, transportieren den Plot in die Gegenwart, um dennoch sozialkritische Ambitionen, wie etwa bei der Behandlung des Themas Kinderpornographie, erkennen zu lassen. Die Grundzeichnung der Charaktere wird jedoch meist vernachlässigt.
Siehe auch: Liste schwedischsprachiger Schriftsteller
Autor | Literatur (20. Jh.) | Literatur (Schwedisch) | Kriminalliteratur | Schwede | Mann | Geboren 1926 | Gestorben 1975
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