article

Als Penzberger Mordnacht werden die Ereignisse bezeichnet, die sich am 28. April 1945 in Penzberg (ca. 50 km südlich von München gelegen) abspielten.

Geschehnisse


Am Morgen dieses Tages war der Krieg für Bayern als beendet gemeldet und die durch die Nationalsozialisten abgesetzten Bürgermeister aufgefordert worden, ihre Positionen wieder einzunehmen. In Penzberg verhinderte der Ex-Bürgermeister Hans Rummer daraufhin die Sprengung des Bergwerkes, befreite die Kriegsgefangenen in den nahgelegenen Lagern und setzte den NS-Bürgermeister ab. Während die demokratische Regierung, die vor 1933 in der Gemeinde regiert hatte, versuchte, sich neu zu konstituieren, umstellte das Werferregiment 22 das Rathaus. Nach durch den Münchner Gauleiter erteilter Erlaubnis ließ der Befehlshaber des Regiments Rummer und seine Kollegen gegen 18 Uhr erschießen.

Eine Einheit des so genannten "Werwolf Oberbayern", angeführt durch den bekannten, fanatischen Schriftsteller Hans Zöberlein, stieß danach zu dem Werferregiment. Bei der folgenden "Strafaktion" ermordete diese Einheit als 'Fliegendes Standgericht' weitere acht Menschen, die als Widerständler galten, darunter eine schwangere Frau.

Opfer


Insgesamt starben in der Penzberger Mordnacht 16 Menschen, das ungeborene Kind nicht mitgerechnet:

  • Michael Badlehner (erschossen)
  • Gottlieb Belohlawek (erhängt)
  • Franz Biersack (erhängt)
  • Michael Boos (erschossen)
  • Johann Dreher (erschossen)
  • Agathe Fleissner (erhängt)
  • Franz Xaver Fleissner (erhängt)
  • Albert Grauvogel (erhängt)
  • Rupert Höck (erschossen)
  • Josef Kastl (erschossen)
  • Ludwig März (erschossen)
  • Hans Rummer (erschossen)
  • Paul Schwertl (erschossen)
  • Johann Summerdinger (erhängt)
  • Johann Zenk (erhängt)
  • Therese Zenk (erhängt)

Prozess


Der Prozess gegen die Mörder von Penzberg begann am 14. Juni 1948. Er wurde im Penzberger Kameradschaftshaus geführt und dauerte etwa zwei Wochen. Es wurden angeklagt und verurteilt:

  • Oberstleutnant Berthold Ohm, Kommandant des Werferregiments 22, zu 15 Jahren Zuchthaus;
  • Hans Bauernfeind, Chef des "Fliegenden Standgerichts" der Werwolf-Einheit, zum Tode;
  • Hans Zöberlein, Chef der Werwolf-Einheit, zum Tode;
  • Martin Rebhahn, Mitglied des Werwolfs, zu lebenslänglichem Zuchthaus;
  • Ferdinand Zila, Mitglied des Werwolfs, zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus;
  • Felix Achtelik, Mitglied des Werwolfs, zu lebenslänglichem Zuchthaus.

Freigesprochen wurden:

  • Hauptmann Kurt Bentrott, Abteilungskommandeur im Werferregiment 22 und
  • Fritz Rethage, dort Batteriechef.

Die Todesstrafen wurden beim Übergang zum Recht der neuen Bundesrepublik Deutschland in lebenslängliche Freiheitsstrafen umgewandelt. Ohm und Bauernfeind kamen 1956 bzw. 1950 durch vorzeitige Begnadigungen frei. Zöberlein wurde 1958 aus gesundheitlichen Gründen entlassen.

Gedenken


Im Penzberg gibt es eine Gedenkstätte für die Opfer; eine Dauerausstellung über die Mordnacht befindet sich im Stadtmuseum. Jedes Jahr findet am 28. April eine Gedenkfeier statt, alle fünf Jahre (zuletzt 2000) eine größere Gedenkveranstaltung.

Weblink


* Kurze Beschreibung des Geschehens mit Fotos der Opfer (Dokumentation Obersalzberg des Instituts für Zeitgeschichte)

Kriegsverbrechen des Nationalsozialismus

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Penzberger Mordnacht".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld