Das Ölfördermaximum, oft auch Peak-Oil (engl. peak oil, wörtl. Erdölgipfel, auch Hubbert's Peak bzw. depletion mid-point), Ölspitze oder (Öl-)fördergipfel, bezeichnet den Zeitpunkt, ab dem die Gesamtförderung mehrerer Ölfelder ihr Maximum erreicht. Insbesondere das globale Ölfördermaximum ist von großer Bedeutung, da der Rückgang der Ölförderung dann erstmals nicht mehr ausgeglichen werden kann und somit die Verfügbarkeit von Erdöl stetig abnimmt. Anders ausgedrückt kann Erdöl spätestens ab diesem Zeitpunkt nicht mehr als quasi unerschöpflicher, billiger Rohstoff und Energieträger zur Verfügung stehen. Eine wichtige Folge dieses Mangels ist ein stetig steigender Preis, da das Angebot die Nachfrage nicht mehr befriedigen kann.
Die wichtigste Größe bei der Beurteilung der weltweiten Ölversorgung ist die "Fördermenge pro Zeit" (Förderquote). Die üblicherweise genutzte statische Reichweite (dem Verhältnis aus Reserven und momentanem Verbrauch) der weltweiten Erdölreserven (BP: geschätzt ca. 40-50 Jahre) ist irreführend, da sie suggereriert, dass man bis zur Erschöpfung aller Reserven eine konstante Förderung aufrechterhalten könne. Neben physikalischen Zusammenhängen (siehe unten) ignoriert sie darüber hinaus, dass selbst beim Einsatz hochmoderner Technik nur etwa 70 % der Reserven gefördert werden können. In den bedeutenden Ölfeldern im Nahen Osten wird dieser Spitzenwert längst nicht erreicht, auch weil durch zu schnelles Pumpen viele Lagerstätten beschädigt wurden. Die Förderquote allerdings ist der bei weitem wichtigste Einflussfaktor auf den Weltmarktpreis, denn bei bislang beständig steigender Nachfrage nach Öl wird der Preis überproportional ansteigen. Nicht mehr primär die Nachfrage wird dann den Preis auf dem Markt regulieren, sondern das immer knappere Angebot (sog. „Verkäufermarkt“). Ohne Änderungen der weltweiten Energieversorgung muss dies zu einer letzten, finalen Ölkrise führen.
Für ein Verständnis um die wichtige Rolle billigen Erdöls in allen Lebensbereichen sei beispielsweise erwähnt, dass
Erdöl ist heute (2006) sichtbar (Rohstoff) oder unsichtbar (Energie) in quasi allen industriell hergestellten Gütern enthalten und ist die Basis der industrialisierten Welt. Besorgt wurde das sich ankündigende Fördermaximum deshalb zunehmend thematisiert. Seit 2005 behandeln sowohl eine aktuelle Studie der Internationalen Energieagentur (IEA) als auch des US-Energieministeriums - im sog. "Hirsch Report" - das Problem eines Fördermaximums. Auch die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe befasst sich mit dem Phänomen und schätzt den Zeitpunkt des Fördermaximums in spätestens 10 bis 20 Jahren; dies ist eine vergleichsweise optimistische Schätzung. In den USA hat der Präsident George W. Bush das weltweite Fördermaximum in die politische Agenda aufgenommen, wenn auch ohne das Faktum öffentlich selbst direkt zu benennen. In seiner jährlichen Ansprache „State of the Union Address“ („SOTU“) am 31. Januar 2006 vor dem amerikanischen Kongress kündigte er – unter dem Titel „Anstoß für fortschrittliche Energien“ (Advanced Energy Initiative) – eine Abkehr von „Amerikas Ölabhängigkeit“ und eine Hinwendung zum Ausbau alternativer Energien an, womit allerdings, neben den „klassischen“ regenerativen Energien wie Sonne, Wind und Biokraftstoffe, auch und vor allem die Kernenergie gemeint ist G. W. Bush: State of the Union 2006, in: Office of the Press Secretary 31.01.2006 In einem TV-Gespräch hat Bushs bis 2005 amtierender Wirtschaftsminister Don Evans kurze Zeit später die Peak-Oil-Befürchtungen der Bush-Regierung mit Blick auf die „SOTU“-Rede noch einmal bestätigt. Evans: „Es gibt weltweit kein ausreichendes Ölangebot (mehr) für ein vollumfängliches Wachstum unserer Wirtschaft oder der Weltwirtschaft.“ („There is not enough supply of oil in the world to grow our economy or the global economy at its full potential...“) [http://www.msnbc.msn.com/id/11161938 Hardball with Chris Matthews' for Feb. 2nd - Transscript, in MSNBC.com 03.02. 2006 2006.
Hubbert-peak-erläuterung.png.]]
Die Förderung einer konventionellen Ölquelle erfolgt in mehreren Phasen, vgl. Abb.1 oben. Dem Fund folgt die Erschließung. Zu Beginn der Förderung steht die Lagerstätte unter sehr hohem physikalischen Druck. Dies hat zur Folge, dass die Förderung während eines Zeitraumes, der von Quelle zu Quelle stark schwanken kann, annähernd konstant gehalten werden kann. Mit zunehmender Ausbeutungszeit wird es jedoch schwieriger, die Förderraten konstant zu halten. Der Eigendruck einer Quelle nimmt rasch ab und muss künstlich, etwa durch Einpumpen von Wasser, angehoben werden. Außerdem wird zu Beginn zunächst dünnflüssiges, leichtes Öl gefördert. Die verbleibenden Mengen sind deshalb zunehmend zähflüssig und schwer. Eine weitere Maßnahme ist deshalb das Einleiten von Chemikalien, die das Öl verflüssigen und es zu den Bohrlöchern fließen lassen. Durch diese zusätzlichen Anstrengungen steigert sich der energetische und finanzielle Aufwand zur Ausbeutung kontinuierlich, und nach einer Phase annähernd konstanter Förderleistungen tritt die Förderung des Ölfeldes deshalb in seine letzte Phase, die Förderabnahme (eng: decline) ein. Diese Phase kann durch hohen technischen Aufwand, beispielsweise durch Horizontalbohrungen, verlängert werden. Selbst zeitweilige Steigerungen der Förderung wurden schon durch technische Neuerungen erzielt. Der allgemeine Trend jedoch ändert sich nicht mehr.
Durch Untersuchungen der amerikanischen Ölförderung konnte der US-Ölgeologe Marion King Hubbert in den 1950er Jahren zeigen, dass die Gesamtförderung mehrerer Quellen dem Verlauf einer Gaußschen Glockenkurve folgt, vgl. Abb.1 unten. Da die Daten zur Ausbeutung amerikanischer Ölfelder sehr genau aufgezeichnet wurden und öffentlich bekannt waren, konnte Hubbert durch ihre Auswertung bereits 1956 das US-amerikanische Fördermaximum auf das Jahr 1971 datieren und behielt Recht. Das Modell der Hubbert-Kurve wurde auch in der Folge bestätigt, etwa für die Erdölproduktion Norwegens, die im Jahre 2001 ihren Höhepunkt erreichte.
Das Modell setzt allerdings voraus, dass die Förderung einer Ölquelle den oben beschriebenen Phasen folgt. Die Übertragung auf die Weltölförderung ist deshalb äußert problematisch, da die Förderung einzelner Ölquellen oft politisch beeinflusst wird (Bsp.: Ölembargo gegen den Irak oder die freiwillige Beschränkung der norwegischen Produktion). Hinzu kommt, dass Daten bezüglich der Erdölförderung vieler Länder, insbesondere der OPEC-Staaten, nicht öffentlich sind, teilweise sogar dem Staatsgeheimnis unterliegen und aus politischen Gründen absichtlich gefälscht wurden. Bekannt ist, dass die Förderung der Nicht-OPEC-Staaten insgesamt zurückgeht. Zudem wird angenommen, dass die Förderquote der OPEC-Staaten schon nahe an ihrem Maximum liegt und sich nur noch im Irak und an der westafrikanischen Küste steigern lässt. Auch kann man das Fördermaximum erst nachträglich datieren, wenn die Förderquoten im Rückblick analysiert werden. Eine weitere große Unsicherheit ist die Definition von konventionellem Erdöl, was zur Folge hat, dass manche Staaten unkonventionelle Reserven (wie zum Beispiel Teersande) für konventionelle ausgeben und somit die Datenlage verfälscht wird. Dementsprechend weit gestreut sind auch die Prognosen für den geschätzten Zeitpunkt des weltweiten Fördermaximums:
Weltweite-Erdölproduktion-Grafik.png
Die weltweite Ölförderung kannte seit Beginn der industriellen Erdölnutzung generell nur steigende Fördermengen. Ausnahmen waren die zwei Ölkrisen 1974/75 und 1979/83. Zwischen 1979 und 1983 sank die weltweite Produktion von ~67 Mio. auf ~58 Mio. Barrel/Tag. Diese beiden Krisen waren politisch motiviert und hatten, im Gegensatz zum weltweiten Fördermaximum, keine physikalischen Gründe. So stieg die Produktion bis 1998 dann auch wieder fast linear an mit einem durchschnittlichen Wachstum von 2 % jährlich (auf der Basis von 1983). Erst dann kam es zu einem leichten Rückgang (1998–1999), gefolgt von einem zweiten zwischen 2000 und 2002. Beide Rückgänge können respektive durch Abnahmerückgänge nach der Asienkrise und der Wirtschaftskrise nach dem Platzen der Dotcom-Blase und dem jeweils sich ergebenden, extrem niedrigen Ölpreis (vgl. Abb.6) begründet werden. 2002 drückten zusätzlich noch die Anschläge auf das New Yorker Welthandelszentrum die Nachfrage nach Flugbenzin.
Abb.2 zeigt die weltweite Ölförderung (Quelle: IEA) zwischen Januar 2001 und März 2006. Zur Verdeutlichung des Trends sind die Rohdaten zweimal gemittelt (jeweils 12 Werte außer an Rändern der Zeitachse). Links ist dieser zweite Rückgang bis nach den erwähnten Terroranschlägen zu erkennen, gefolgt von einem starken Anstieg (3,9 %!) bis Mitte 2004. Dieser steile Anstieg spiegelt zum einen die sich schnell erholende Weltwirtschaft als auch den rasant wachsenden Ölbedarf vor allem Chinas wider und wurde bei den Voraussagen des Zeitpunkts des Fördermaximums, das dadurch zeitlich näher rückt, nicht vorausgesehen. Ein Vergleich mit dem Preis zeigt allerdings, dass selbst dieser Anstieg den wachsenden Mangel nicht wettmachen konnte. Dann, ab 2004 flacht die Kurve trotz anhaltend starken Wirtschaftswachstums, vor allem in China und Indien, erneut ab (man erkennt den kurzzeitigen Rückgang verursacht durch den Wirbelsturm Katrina und den vorübergehenden Ausfall der dortigen Ölförderanlagen). Diese Abflachung wird mit ausbleibenden Investitionen der Ölkonzerne nach der Asienkrise begründet, die den Ölpreis vorübergehend auf bis zu 10$/b fallen ließ und so für Verluste bei den Ölfirmen sorgte. Diese Begründung ist allerdings umstritten, da die Ölfirmen trotz Rekordgewinnen (der französische Ölkonzern Total verdiente 2005 über 12 Mrd. Euro Handelsblatt (24.5.2006), Exxon Mobil gar 36 Mrd. DollarDeutschlandfunk, „Im Wettlauf um Energiequellen“, 13.3.2006) selbst heute (2006) in großem Stil Aktien zurückkaufen, statt neu zu investieren.
Das sich abzeichnende Plateau wird von Meldungen begleitet, wonach im Frühjahr 2006 einige sehr große Ölfelder die Phase der Förderabnahme erreicht hätten oder sich schon darin befänden:
Abb.3 zeigt die Erdölproduktion außerhalb der OPEC-Staaten, die Daten stammen aus Quellen des World Oil Balances Word Oil Balance Charts, in: IEA: Oil Market Report 2006 und sind ab 2004 Schätzungen. Ein Vergleich mit der weltweiten Förderung zeigt, dass der Anteil aus OPEC-Förderländern mehr als 50 % ausmacht. Die Grafik zeigt darüber hinaus, dass das Fördermaximum der Ölproduzenten außerhalb der OPEC und der Sowjetunion (FSU) im Jahre 2000 überschritten wurde. Wie die IEA im Oil Market Report vom 14. und 28. März 2006 meldete, steigerten die Nicht-OPEC-Länder (auch Sowjetunion) trotz des hohen Preises und der boomenden Weltwirtschaft die Ölförderung vom Jahre 2004 auf 2005 nicht mehr. Allerdings wird dort eine Steigerung der Förderung für 2006 prognostiziertNon-OPEC Oil Supply (PDF), in: IEA Monthly Oil Market Report 14.03.2006 *. Nach Ansicht einiger Experten ist das Fördermaximum bei dieser Kombination im Jahre 2010 zu erwarten. Allerdings wird dabei vorausgesetzt, dass die OPEC solange noch in der Lage ist, den wachsenden Weltbedarf und die sinkende Förderung der restlichen Welt gleichzeitig aufzufangen.
In den OECD-Europa-Ländern sinkt die Ölförderung um 5 % jährlich (Tendenz steigend). Derzeit (Jan. 2006) können noch etwa 36 % des Bedarfes aus eigenen Quellen gedeckt werden. Es ist zu erwarten, dass 2015 in der EU 92 % importiert werden müssenErneuerbare Energien haben volkswirtschaftlichen Nutzen in Milliardenhöhe, in: Informationskampagne für Erneuerbare Energien, 15.02.2006 Im Oil Market Report[http://omrpublic.iea.org/World/Wb_all.pdf Monatlicher Ölbericht der IEA (12. Mai 2006) wird darüber hinaus für 2006 eine Nicht-OECD-Nachfragesteigerung von 1,0 Millionen Barrel pro Tag prognostiziert. Allerdings wird dabei eine Fördersteigerung der Nicht-OECD-Länder von 1,2 Millionen Barrel pro Tag angenommen. Daraus ergibt sich eine Lücke für die OECD-Länder, denn die Nachfrage steigt hier um angenommene 0,5 mb/d bei einer sinkenden Förderung von ca. 0,3 mb/d – folglich fehlen dem Markt im Jahre 2006 0,6 Millionen Barrel pro Tag. Damit verbessert sich die Prognose im Vergleich zum Vormonat um 0,3 mb/d.
Als direkte Folge davon wird der Anteil von OPEC-Öl auf dem Weltmarkt steigen, insbesondere aus Saudi-Arabien, Irak und Iran. Anfang 2006 förderte die OPEC 34 Mio. Barrel pro Tag, worin allerdings 4,4 mb/d Flüssiggas (NGL) inbegriffen sindOil Supply (PDF), in: IEA Monthly Oil Market Report 14.03.2006 *. Durch die wachsende Abhängigkeit der Industrienationen von OPEC-Öl könnte diese durch Änderung der Förderquote massiv Einfluss auf den Preis und damit politischen Druck ausüben. Das Ziel der OPEC war es, den Preis durch Förderquoten zu regulieren. Prinzipiell ist diese Form der Regulierung nach dem weltweiten Fördermaximum allerdings nicht mehr notwendig, da jeder Produzent fördern kann, soviel er will ohne dass die Nachfrage nachlassen wird. Dadurch macht sich die OPEC theoretisch überflüssig. Als preistreibende Kraft wird sie in den industrialisierten Ländern dennoch gefürchtet.
Bewiesene-reserven.png von 1980-2005]]
Wie oben erläutert folgt die Ölförderung aus mehreren Quellen idealerweise einer symmetrischen Gaußschen Normalverteilung. Dies bedeutet, dass der Höhepunkt der Förderung annähernd erreicht ist, wenn die Hälfte des förderbaren Öls verbraucht ist. Die Schätzung der Reserven spielt daher bei der Vorhersage des Maximums eine entscheidende Rolle. Allerdings sind die angegebenen Reserven oft sehr zweifelhaft und spiegeln mehr politische Interessen wider als physikalische Tatsachen. So entschieden 1985 die OPEC Förderländer, ihre Produktionsraten an die jeweiligen Reserven zu koppeln; wer hohe Reserven aufweisen konnte, durfte mehr fördern und umgekehrt. Wie in Abb.4 deutlich zu sehen, provozierte diese Entscheidung eine allgemeine künstliche Anhebung der Reserven der einzelnen Mitgliedsstaaten, da jeder höhere Förderquoten bei hohem Preis erhalten wollte. Eine Erhöhung der Reserven erlaubt es den betroffenen Staaten zudem, höhere und zinsgünstigere Kredite zu erhalten. Dies war beispielsweise der Grund, weshalb der Irak seine Reserven 1983 erhöhte, als er sich im ersten Golfkrieg gegen den Iran befand. Auch andere Beispiele mahnen zu extremer Vorsicht bei offiziell angegebenen Reserven:
Bevor aus einer Ölquelle gefördert werden kann, muss sie entdeckt werden. Je nach Größe einer Ölquelle dauert es unter Umständen Jahrzehnte, bis die Förderraten sinken. Um also einen steigenden Erdölbedarf zu decken muss entsprechend mehr Öl entdeckt werden. Abb.5 zeigt die Ölfunde seit 1930 bis 2050, wobei die weißen Balken Schätzungen sind. Mit eingefügt ist die jährliche Förderung. Man erkennt die großen Ölfunde Ende der vierziger Jahre im persischen Golf und die großen Funde Anfang der achtziger Jahre in der Nordsee. Das meiste Öl wurde allerdings in den sechziger Jahren gefunden. Seitdem nehmen die Funde, von einigen Ausnahmen abgesehen, beständig ab, seit 2003 liegen sie sogar kontinuierlich unter den prognostizierten Werten. Große Ölfelder sind generell leichter zu entdecken als kleine und so kommt hinzu, dass die noch neu entdeckten Ölfelder tendenziell kleiner werden und schwieriger auszubeuten sind als die Entdeckungen vergangener Zeiten. Daraus folgt, dass sich die kontinuierlich zunehmende Produktion mehr und mehr aus alten Ölfeldern speist. Seit Anfang der achtziger Jahre wird mehr Öl produziert als neues gefunden und die Lücke öffnet sich beständig.
In dem Investitionsverhalten der großen Ölfirmen spiegelt sich dieser Trend wider. Die an einigen Stellen zu beobachtende Zurückhaltung beim Neubau von Pipelines und Raffinerien könnten die Vorzeichen einer „untergehenden Industrie“ darstellen. Wenn sich dort große, langfristige Investitionen nicht mehr lohnen, werden sie nicht mehr getätigt. Stattdessen wird mit dem vorhandenen Material unter Volllast produziert. Indizien könnten ferner der nicht stattfindende Neubau von Öltankern, die maroden Förderanlagen in Russland und am Kaspischen Meer, der schleppende Aufbau der irakischen Ölproduktion oder die voll ausgelasteten, überalterten Elektrizitätswerke und Raffinerien in den USA sein. Diese Umstände können schon bei kleinen Störungen und Engpässen zu erheblichen Auswirkungen auf den Ölmarkt und den Preis führen (Volatilität).
Allerdings erscheint es einigen Experten bei höheren Ölpreisen lohnenswert, bisher nicht intensiv untersuchte Gebiete (z. B. Sibirien) exploratorisch anzugehen und unkonventionelle Lagerstätten auszubeuten. Neben sehr hohen Erschließungs- und Förderungskosten spricht vor allem gegen unkonventionelle Erdölquellen (Ölsande, Ölschiefer, Tiefseebohrungen, Sibirien- oder Alaska-Exploration, Bitumen etc.) die negative Energiebilanz, weil hier die Förderung und Raffinierung in einigen Fällen mehr Energie verbrauchen würde, als das geförderte Erdöl enthält. Zudem haben die meisten dieser unkonventionellen Öltypen einen etwas (<0,5 ) höheren CO2-Ausstoß, da sie teerartiger sind und längere Kohlenwasserstoffketten enthalten. Auch liegen diese Quellen zum Teil in ökologisch sensiblen Gebieten.
Einige Experten gehen davon aus, dass auch mit der heute eingesetzten Technik die bekannten Öllagerstätten nicht optimal ausgenutzt würden. Dies liege daran, dass der Aufwand für die Entwicklung und den Einsatz von Techniken, die eine bessere Ausnutzung ermöglichen, nicht lohnend sei. Mit einem steigenden Ölpreis würde es aber sehr wahrscheinlich lohnend werden, mit höherem Aufwand eine bessere Ausnutzung zu erreichen. Nun stimmt es zwar, dass in der Vergangenheit die Fördereffizienz stetig erhöht worden ist. So ist in den vergangenen ca. 85 Jahren die Ausbeute verdoppelt worden. Doch selbst wenn diese Steigerung weiterhin zu erwarten wäre, wäre dies bei heutigem Verbrauch nicht hinreichend. Zudem wird davon ausgegangen, dass die Technologieentwicklung in der Ölförderung kaum noch optimiert werden kann. Durch spezielle Techniken wird, um die Produktion zu steigern, trotzdem zunehmend auf die schwierigere Lage reagiert. Einige Experten halten dabei jedoch eine übertriebene, von den Industrienationen oft geforderte Steigerung der Fördermenge für letztendlich schädlich, da hohe Extraktionsraten ein Ölfeld irreversibel beschädigen oder dazu führen können, dass ein gesteigerter Prozentsatz an schlecht oder gar nicht förderbarem Öl im Feld zurückbleibt. Bei kleineren Ölfeldern in Syrien wurde dieser Effekt bereits beobachtet. Dies könnte bestehende und einkalkulierte Prognosen über Öl-Reserven nachträglich negativ beeinflussen. Ein solcher Umstand bei einem großen Feld wie beispielsweise Ghawar (Saudi-Arabien) würde vermutlich Panikreaktionen hervorrufen. Dort wurden wegen der nachlassenden Ergiebigkeit bereits „Flaschenbürstenbohrungen“ mit Wasserinjektionen durchgeführt.
Nach marktwirtschaftlichen Mechanismen muss der Preis für ein Gut steigen, solange die Nachfrage größer ist als das Angebot. Die weltweite Nachfrage nach Öl nimmt durch anhaltendes Wirtschaftswachstum kontinuierlich zu. In der Vergangenheit konnte die Ölförderung mit dieser steigenden Nachfrage Schritt halten. Allerdings kommt es bereits im Vorfeld des weltweiten Fördermaximums zu Nachfrageüberschüssen, wenn die Förderrate allmählich abnimmt, wie es seit Anfang 2004 zu beobachten ist (vgl. Abb.2). Der Preis steigt in diesem Fall solange, bis genügend Marktteilnehmer ihre Nachfrage zurückziehen, weil sie den Marktpreis nicht mehr bezahlen können oder wollen. Abb.6 zeigt, dass schon ab ca. 1999 der Ölpreis tendenziell zunimmt; nur das Platzen der Spekulationsblase am Neuen Markt mit der wirtschaftlichen Rezession Anfang sowie die Terroranschläge auf das Welthandelszentrum am 11. September 2001, die eine sinkende Nachfrage nach Flugkerosin zur Folge hatten, konnten den Preis noch einmal senken.
Die abnehmende Förderrate wirkt vor dem eigentlichen Maximum zunächst hauptsächlich bremsend für das Wirtschaftswachstum, da die eigentliche Fördermenge noch nicht zurückgeht und nur keine zusätzlichen Abnehmer bedient werden können. Die Situation verschärft sich, wenn es zu einem tatsächlichen Rückgang der weltweiten Förderung kommt und sich die Angebotsseite verringert. Ab diesem Moment müssen sich auch bisherige Marktteilnehmer mit weniger Öl zufrieden geben. Dies lässt den Preis solange steigen, bis wiederum genügend Marktteilnehmer aussteigen. Die weitere Entwicklung wird davon geprägt, wie sich die Nachfrage reguliert. Ein weiterer Grund für erhebliche Turbulenzen an den Ölmärkten kann das Verbraucherverhalten und die Intervention von Spekulanten darstellen. Das Fördermaximum wird deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit von massiven Preisschwankungen und auch temporären Förderungsrückgängen begleitet sein, bevor der finale Preisanstieg beginnt.
Finanziell gut ausgestattete Weltregionen werden bei einem steigenden Ölpreis zunächst den Hauptanteil der Weltölproduktion absorbieren, was zu einem direkten Mangel in Entwicklungsländern führt. Die US-amerikanische Intervention im Irak wird als Versuch gedeutet, die dortige Förderung bei zunehmender Knappheit für die USA zu reservieren. Von Colin Campbell stammt mit dem Rimini-Protokoll (auch Depletion-Protokoll) ein Vorschlag, mit Hilfe dessen der Ölpreis niedrig gehalten und der Effekt des Fördermaximums minimiert werden soll. Allerdings sind die Ölproduzierenden Staaten nicht an einem niedrigen Ölpreis interessiert.
Steigende Ölpreise schlagen sich in der Folge in sehr vielen vom Öl abhängigen Produkten nieder, was zu einer allgemein steigenden Inflation beiträgt. Die wirtschaftliche Nachfrage muss zwangsläufig zurückgehen, da die Konsumenten mehr Geld für Energie und Ölprodukte ausgeben müssen. Falls nicht rechtzeitig Alternativen für den ausfallenden Rohstoff Erdöl gefunden werden, der die Abhängigkeit beendet, erzeugt die mangelnde Nachfrage eine letzte große Rezession.
Dies wird von einigen Ökonomen bestritten die annehmen, dass der Markt Übergangsprobleme im Spiel von Angebot und Nachfrage praktisch von alleine löst. Es wird angenommen, dass sogenannte unkonventionelle Ölvorkommen (Ölsand, Ölschiefer) mit steigenden Ölpreisen profitabel würden. Allerdings besteht die Gefahr, dass aufgrund der heute gegebenen so nie zuvor dagewesenen Volatilität der Märkte (elektronischer Handel, spekulatives Kapital) Überreaktionen stattfinden, und die Lösung durch den Markt mit enormen Verwerfungen einhergeht die selbst eine schlimmere Wirkung habenals das Absinken der Ölfördermenge selbst.
Einige Experten gehen ferner davon aus, dass beispielsweise die oft zitierten riesigen Ölsand-Vorkommen in Kanada nicht im erhofften Maße ausgebeutet werden können, weil dazu mehr Energie notwendig ist, als die Ausbeutung einbringt (ERoEI < 1, s.u.). In diesem Fall ist der Preis unerheblich.
Ölverbrauch-bip.png und Erdölverbrauch in Deutschland 1965-2005]]
Die Problematik um das Ölfördermaximum ist sehr komplex und selbst von Fachleuten schwer zu durchschauen. Ein allgemeiner Konsens besteht darin, dass sich der heutige Lebensstandard in den industrialisierten Ländern mit seinem hohen Energieverbrauch nicht wird aufrechterhalten lassen. Es erscheint auch sehr unwahrscheinlich, dass sich die heutige Wachstumsideologie fortsetzen lassen wird, wie im folgenden gezeigt. Deutschland ist heute (2006) fünftgrößter Erdölverbraucher (in absoluten Zahlen) der Welt. Abb.7 zeigt die preisbereinigten Veränderungen des deutschen BIP (bis 1990 BRD, danach gesamtes Bundesgebiet) zusammen mit den Änderungen des Verbrauchs an Erdöl von 1965 bis 2005. Man erkennt, dass beide Reihen ähnliche Verläufe zeigen und sich gegenseitig beeinflussen. Geringere Zuwächse des Erdölverbrauchs gingen einher mit niedrigeren BIP-Zuwächsen und umgekehrt, teilweise um ein Jahr versetzt. Allerdings sieht man auch, dass der Bedarf an zusätzlichem Erdöl während des gewählten Beobachtungszeitraums tendenziell abnimmt, von zunehmendem Verbrauch von über 10 % Ende der 1960er Jahre bis zu eher abnehmendem Verbrauch seit Mitte der 1990er Jahre, während die BIP-Zuwächse nur geringfügig abnehmen. Vor allem Mitte der 1980er Jahre (1987-89) konnte das BIP um 1,5-3,9 % gesteigert werden, während der Erdölverbrauch um 2,2-5,5 % abnahm. Ähnliches sieht man Ende der 1990er Jahre während des Informatikbooms (BIP-Zuwächse um 2-3 % mit um 2-3 % sinkendem Erdölbedarf). Wenn der deutsche Erdölbedarf auch tendenziell abzunehmen scheint, so sieht man doch seit der Jahrtausendwende wieder eine enge Kopplung beider Verläufe. Um einer dauerhaften Rezession zu entgehen müsste der notwendige Bedarf an Rohöl für zusätzliches Wachstum jährlich um 7-8 % pro Jahr abnehmen, was der prognostizierten Abnahme der weltweiten Ölförderung entspräche. Da die deutsche Wirtschaft stark vom Export abhängig ist, müsste diese Entwicklung auch im Rest der Welt, bzw. bei den Abnehmern deutscher Produkte stattfinden.
Die zwei großen Ungewissheiten sind die Energieeinsparungspotenziale und die Möglichkeiten alternativer Quellen. Da Erdöl außer der hohen Energiekonzentration noch weitere Vorteile mit sich bringt, sind seinem Ersatz jedoch Grenzen gesetzt. Denn fraglich ist, ob Alternativen a) finanziell ähnlich günstig wie Öl sein können b) ähnliche qualitative Eigenschaften aufweisen (Transportfähigkeit) sowie c) quantitativ ausreichend bereitgestellt werden können. Dabei wird häufig nicht genügend beachtet, dass Erdöl – was die Energiefrage betrifft – in der Hauptsache als leicht transportabler, mitführbarer Treibstoff dient und in der (standortgebundenen) Elektrizitätsgewinnung nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt.
Des weiteren ist fraglich, inwieweit sich die Gesellschaft rechtzeitig auf einen möglichen Wechsel wird einstellen können und ob bei einer Abnahme des Verbrauchs von Erdöl noch die Ernährung der Weltbevölkerung gesichert ist und die Wirtschaft fortbestehen kann. Selbst wenn die Stromversorgung mit Kernenergie oder alternativen Energiequellen aufrechterhalten werden kann, so wird ein Mangel von Erdöl große Auswirkungen auf praktisch alle Bereiche des Lebens haben. Man nimmt allerdings an, dass sich ein großer Teil des Bedarfs vorerst von dem dann teuren Erdöl auf billigeres Erdgas u. ä. verlagern wird, was natürlich die Problematik nur verzögert.
Der weltweite Transport beruht zu 97 % auf Erdöl (Benzin, Diesel, Kerosin) oder Erdgas. Für Kerosin ist noch keine Alternative bekannt, auch für die Schifffahrt fehlt es weitgehend an Ersatzmöglichkeiten. Treibstoffersatz für Fahrzeuge ist zwar theoretisch vorhanden, jedoch im Vergleich zum Erdöl mit ungleich höheren Kosten und Aufwendungen verbunden. Für den energieintensiven Schwertransport sind diese Alternativen daher nur beschränkt nutzbar. Meist wird vernachlässigt, dass erneuerbare Energien in erster Linie elektrischen Strom produzieren. Dieser lässt sich zwar relativ verlustfrei (5 %) auch über 1000 km transportieren. Leider lässt er sich mit der heutigen Technik nur schwer, in geringen Mengen und mit schlechten Wirkungsgraden speichern. Für den Verkehr und Transport kommen hier nur die sehr verlustbehafteten Techniken wie Batterien und Wasserstoff als Energieträger in Frage oder ein automatisches Schienensystem für Automobile ähnlich der S-Bahn.
Des weiteren wird derzeit weltweit in die Kapazitätserweiterung von Bio-Ethanol, Biodiesel und Anlagen, die synthetische Treibstoffe (BtL-Kraftstoff, GtL-Kraftstoff, CtL-Kraftstoff) herstellen, investiert. Die Herstellung von ausreichend Biotreibstoffen zur Aufrechterhaltung der weltweiten Automobilflotte scheitert generell an der zukünftigen Konkurrenz auf landwirtschaftlichen Flächen zwischen Nahrungsmittel- und Treibstoffproduktion. Ohne den Einsatz von Öl für Düngung und Pestizide ist der landwirtschaftliche Flächenbedarf zur Nahrungsmittelproduktion höher als bisher. Auch gehört die heutige (Vor-Fördermaximum) ohnehin mit weiteren Problemen behaftete (Verlagerung des Lagers auf die Straße - Verkehrskollaps) Praxis der Lagerreduktion durch bedarfsorientierte Lieferung dann der Vergangenheit an.
Globalisierung beruht prinzipiell auf zwei Säulen: Weltweite Kommunikation und weltweiter, billiger Transport. Ohne billige Transportmöglichkeiten wird der weltweite Handel in dem derzeitigen Ausmaß nicht mehr möglich sein und die Globalisierung einschränken, wenn nicht gar beenden. Theoretisch müsste eine komplette Umstellung des Güterverkehrs auf alternative Kraftstoffe weitgehend bis zum Zeitpunkt des weltweiten Ölfördermaximums möglich und abgeschlossen sein, um die Globalisierung nicht zu beeinträchtigen. Das gleiche gilt für einen sehr großen Anteil der in der Industrie und Landwirtschaft eingesetzten Maschinen, die bisher ebenfalls mit Erdölprodukten angetrieben werden. Diese Szenarien sind nach Fachmeinung allerdings nicht mehr zu verwirklichen, womit eine der beiden Säulen der Globalisierung, der billige Transport, wegfiele und sich die Märkte zwangsläufig relokalisierten Jean-Luc Wingert, Jean Laherrere: La vie après le pétrole : De la pénurie aux énergies nouvelles, Verlag Autrement, 2005 ISBN: 2 7467 0605 9.
Allgemein ist mit einer Umgestaltung der Wirtschaftsweise zu rechnen: Die heutige Abhängigkeit von Mineralöl wird sich mittel- bis langfristig auflösen müssen. Damit einhergehend wird sich die Art des Wirtschaftens verändern, beispielsweise hin zu einem mehr regionalen Wirtschaften, die durch kürzere Transportwege und ein höheres Maß an regionaler Selbstversorgung die Abhängigkeit von Mineralöl verringertNorbert Rost: Regionales Wirtschaften mit Regionalwährungen kontra „Peak Oil“ 04.06. 2005 2006.
Der Ölmangel provoziert gravierende Probleme in der Nahrungsmittelproduktion und -verteilung. Die Abhängigkeit der Landwirtschaft und somit der Nahrungsmittelproduktion von billigem Erdöl ist heute (2006) vollkommen. Maschinen und Traktoren laufen mit inzwischen schon subventionierten ölbasierten Treibstoffen, seit Beginn des 20. Jahrhunderts werden synthetische Düngemittel (Verbrauch in Deutschland 1999: 3 Mio. Tonnen (~244 kg/ha landwirtschaftlicher Nutzfläche), Quelle: FAO) zur Produktionssteigerung eingesetzt, deren Herstellung im Haber-Bosch-Verfahren große Mengen an Energie verbraucht. Ähnliches gilt für Pflanzenschutzmittel und Biozide, ohne deren Einsatz die landwirtschaftlichen Erträge erheblich geschmälert würden. Des weiteren werden Systeme zur Lebensmittelaufbewahrung und -lagerung, wie beispielsweise Kühlschränke, in ölbetriebenen Fabriken hergestellt und unter Benutzung von Öl verteilt. Durch anhaltend billiges Öl entstand auch ein System der Nahrungsmittelverteilung über weite Strecken, das in der Zeit teuren Öls (Nach-Fördermaximum) nicht mehr funktioniert. Beispielsweise ergab eine Studie des Wuppertal Instituts 1993, dass die verschiedenen Zutaten eines Erdbeerjoghurts im Schnitt 3500 km zurücklegen, bevor sie vermengt werden "Les ravages du mouvement perpétuel" in Le Monde Diplomatique, 01/2005.
Hervorgerufen durch eine bis dahin beispiellose Produktionssteigerung auf der Basis von billigem Öl war die erste Hälfte des Erdölzeitalters (Vor-Fördermaximum) von kontinuierlicher Landflucht und Bauernsterben begleitet. Um 1800 lebten beispielsweise 75 % der deutschen Bevölkerung von der Landwirtschaft, bis 2006 nahm deren Prozentsatz auf 2-3 % ab SPIEGEL ONLINE Jahrbuch. Diese Zahlen sind einigermaßen repräsentativ für alle Industrienationen. Es konnte bislang nicht gezeigt werden, dass dieser kleine Bevölkerungsanteil weiterhin in der Lage sein wird, ohne den Einsatz billigen Öls für ausreichend Nahrung zu sorgen.
Durch die Abhängigkeit der Landwirtschaft vom Öl wird durch das Ölfördermaximum eine Situation erzeugt, in der nicht nur wirtschaftliche Probleme auftreten, sondern auch die Hungerproblematik drastisch verschärft wird. So wird erwartet, dass die weltweite Nahrungsproduktion und, nach Colin Campbell, die Weltbevölkerung ebenfalls ihren Höhepunkt erreicht (siehe auch Bevölkerungsfalle). Aufgrund der entstehenden gesellschaftlich notwendigen Umstrukturierungen wird diese Entwicklung auch die reichen Industriestaaten nicht verschonen, obgleich auch weniger ausgeprägt. Im Hinblick auf diese Problematik gilt das weltweite Fördermaximum als Wendepunkt in der Geschichte der industrialisierten Welt, verbunden mit einer Wiederbelebung der Landwirtschaft (Reagrarisierung).
Seit dem Beginn der Industrialisierung konnte nicht nachgewiesen werden, dass ein Wachstum, gemessen am BIP ohne vermehrten Erdölverbrauch möglich ist (vorher war dies allerdings offensichtlich sehr wohl der Fall). Der Wert von Geld bedeutet heute Vertrauen in Wirtschaftswachstum, da aus Mangel an ausreichend Edelmetallen schon lange keine Deckung von Geldwert durch direktes materielles Gut (etwa: Edelmetall) mehr gegeben ist. Durch US-amerikanische Kredite an erdölproduzierende Länder und die dichte Verflechtung des weltweiten Banken- und Finanzsystems ist deren Abhängigkeit von billigem Öl seit der Ablösung des Dollarkurses vom Goldwert vollkommen (Stichwort: Petrodollar). Eine starke Inflation des Dollars und weiterer wichtiger Währungen gilt als sicher. Laut einer Studie der Investmentbank Goldman Sachs gilt der Ölpreis inzwischen als unangefochten größtes Risiko für die Weltwirtschaft (37 % langfristig und 27 % mittelfristig).
Der Mangel an Erdöl wird sich vor allem auf die Energieversorgung auswirken. Da es aus heutiger Sicht (2006) unwahrscheinlich ist, die Verluste durch sinkende Förderraten vollständig durch alternative Energien auszugleichen, bedeutet das Ölfördermaximum eine Abnahme der weltweiten Energieproduktion in absoluten Zahlen. Abb.8 zeigt die Energieversorgung pro Kopf in Barrel Öläquivalent, ab 1999 sind die Werte Schätzungen nach der Olduvai Theorie von R.C. Duncan. Einzelne Punkte sind in der Legende beschrieben und an 1999 Fiktion. Es ist zu sehen, dass das Energieversorgungsmaximum trotz weiterhin steigender Energieproduktion schon 1979 erreicht war, da die Weltbevölkerung seit der ersten Ölkrise schneller wuchs als neue Energie produziert werden konnte. Das heißt, dass seit diesem Zeitpunkt lediglich eine Umlagerung des Energieverbrauchs stattfindet, vornehmlich von der Dritten in die Erste Welt und dort von Arm nach Reich. Durch die zu erwartende Abnahme der Energieproduktion wird sich dieser Trend mit dem Ölfördermaximum verschärfen.
Häufig wird die Höhe des Energiekonsums als Maß für die Komplexität einer Zivilisation dargestellt. Die moderne Industriegesellschaft mit den auf ihr aufbauenden Dienstleistungs- und Informationssektionen entstand diesen Annahmen zufolge durch den bis dahin unerreicht hohen Energieverbrauch durch die Entdeckung und Nutzung billigen Erdöls. Folgt man dieser Argumentation, muss diese Industriegesellschaft, unabhängig von politischen und gesellschaftlichen Ereignissen, enden, wenn die erforderliche Energie nicht mehr bereitgestellt werden kann. Die chaotischen Zustände in Westafrika werden als direkte Folge der Energieabnahme gedeutet, die sich mit zunehmendem Energiemangel ausweiten werden. Das Wissen um technisch anspruchsvolle Alternativen wird mit dem Zerfall der Zivilisation verschwinden, womit diese Alternativen, Erzeugnisse der industriellen Zivilisation, und deshalb letztendlich lediglich Ölderivate, das Öl nicht lange überleben können. Als Ergebnis wird die Dauer des Industriezeitalters wird auf etwa hundert Jahre geschätzt (bis etwa 2030), vgl. Abb.8.
| Energieform | Sustainability Journal |
|---|---|
| Wasserkraft | 10:1 |
| Naturgas | 5:1 - 10:1 |
| Wind | 3:1 - 10:1 |
| Kohle | 1:1 - 10:1 |
| Solaranlagen | 1:1 - 10:1 |
| Kernkraft | 4:1 |
| Biodiesel | 3:1 |
| Ethanol | 1,2:1 |
| Wasserstoff | 0,5:1 |
Der entstehende Mangel an Erdöl bedeutet einen Mangel an (i) einer Energiequelle und (ii) einem Rohstoff, wobei der Verlust an Energie sehr viel schwerwiegender ist als der Mangel des Rohstoffs. Beispielsweise beruhen etwa 40 % des Gesamtenergieverbrauchs in Deutschland auf Erdöl. Die bisher aus Öl gewonnene Energie kann zu einem gewissen Teil eingespart und zu einem gewissen Teil durch andere Energiequellen ersetzt werden. Eine Möglichkeit, alternative Energiequellen abzuschätzen, bietet der ERoEI (Energy Returned on Energy Invested etwa: Erzeugte Energie aus aufgewandter Energie) Index, der beschreibt, wie viel Energie aufgewendet werden muss (EI), um eine bestimmte Menge Energie zu erzeugen (ER). ERoEI ist also ER/EI. Je größer dieser Wert, desto 'billiger' ist die Energiequelle. Eine etwas andere Darstellung desselben Sachverhalts ist die so genannte Nettoenergie, die den Teil der Energie bezeichnet, den man beim Prozess herausbekommt, wenn man von der erzeugten Energie (ER) die eingesetzte (EI) abzieht. Also ER-EI. Ein ERoEI von eins (1:1) bedeutet eine Nettoenergie von null, und es wird irrelevant, wie hoch der Ölpreis liegt.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts lag der ERoEI für die Ölproduktion bei 100:1. Heutzutage liegt er bei etwa 10:1 für konventionelle Ölfelder und etwas darunter für Tiefwasserbohrungen im Ozean oder ähnlich aufwendige Produktionsmethoden und -stätten. Die Ölproduktion aus den kanadischen Ölsanden findet unter massivem Einsatz von Erdgas und Wasser statt. Das bitumenartige Öl ist sehr zäh und muss erhitzt werden, um es vom Sand trennen zu können, und muss danach unter weiterem Energieeinsatz reformiert werden, damit leicht fließender Treibstoff daraus wird. Der ERoEI wird auf zwischen 3:1 und 4:1 liegend geschätzt. Die Tabelle zeigt weitere (grob geschätzte) ERoEI für unterschiedliche Energieträger und -vektoren. Daraus geht hervor, dass Ethanol und Wasserstoff als Energiequelle nicht geeignet sind (wohl aber ggf. als Energievektor). Die Werte für Windkraft schwanken sehr stark und können mitunter ERoEI von 50:1 erreichen (s. u.). Außer dem Ersatz an schierer Energie ist zu beachten, dass Erdöl hervorragende Eigenschaften bezüglich seines Transportes bietet (flüssig, schwer brennbar im Rohzustand). So bietet elektrischer Strom derzeit kaum eine Lösung für Düngererzeugung und Transport.
Es bleibt zu beachten, dass der ERoEI sowohl vom technischen Stand als auch von der Verfügbarkeit eines Rohstoffs selbst (-> Öl) oder seiner Voraussetzungen (-> Ethanol) abhängen und somit keinesfalls eine Konstante darstellen.
Hauptartikel: Kernenergie
Die Kernenergie stellt eine Möglichkeit dar, die Stromversorgung mittelfristig zu stützen. Für die Nutzung in konventionellen Atomkraftwerken (AKW) gelten die weltweiten Uranvorkommen allerdings als begrenzt, was sich auch im seit 2005 steigenden Weltmarktpreis ausdrückt. Bei einem Umstieg auf die unter anderem wegen Sicherheitsbedenken umstrittene Brütertechnologie, die derzeit nur in wenigen Kraftwerken verwendet wird, könnte die Reichweite erheblich gesteigert werden, da auch nur noch 1/60 der ursprünglichen geförderten Menge für die gleiche Leistung von heute nötig wäre. China hat 2004 angekündigt, bis 2020 insgesamt 30 neue Reaktoren zu bauen, und auch in Finnland wird ein AKW gebaut. Die Gründe dafür liegen aber vermutlich weniger in der Angst der Regierungen vor einer nahenden Ölspitze als in den vergleichsweise geringen Treibhausgas-Emissionen durch Kernkraftwerke. Des Weiteren bemühen sich Energiekonzerne, den teilweise beschlossenen Ausstieg aus der Atomkraft rückgängig zu machen. Ein weiteres grundlegendes Problem neben der langfristigen Rohstoffsicherung und der Sicherheit der Kernkraftwerke ist die Endlagerung des radioaktiven Abfalls.
Hauptartikel: Kernfusion
Die Kernfusion gilt als theoretische Alternative, um Strom und daraus Wasserstoff zu erzeugen. Allerdings nehmen selbst Optimisten an, dass bis zur technischen Nutzung noch etwa 50 Jahre vergehen werden. Angesichts der technischen Probleme wird teilweise sogar schon vorgeschlagen, die Forschung an der Kernfusion ganz einzustellen. Angesichts der sich im Moment abzeichnenden Energieproblematik würde daher die Kernfusion bestenfalls als langfristige Energiequelle eine Rolle spielen. Wasserstoff selbst ist keine auf der Erde vorhandene Energiequelle, sondern nur ein Energieträger. Dieser ist also keine Alternative zum Erdöl als Energiequelle.
Hauptartikel: Erneuerbare Energien
Diejenigen Energieformen, die nach menschlichen Maßstäben unerschöpflich sind, werden erneuerbare Energien genannt. Der größte Teil von ihnen entsteht direkt oder indirekt durch die Sonneneinstrahlung und -wärme.
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