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Die Bezeichnung Payola setzt sich zusammen aus den Worten pay (engl.: bezahlen) und Victrola und steht für den Vorgang des "pay for play" (engl.: "bezahlen für das Spielen"). Dieser Vorgang beschreibt die Bestechung von Disc-Jockeys und Programm-Redakteuren von Rundfunk- und Fernsehsender durch eine Plattenfirma, die so das häufige Spielen eines bestimmten Liedes durchzusetzt. Auf diese Weise läßt sich die Popularität eines Liedes ankurbeln und damit die Tonträgerverkäufe steigern. In Ländern in denen die Charts nicht allein durch die Verkaufszahlen erhoben werden, sondern der Einsatz eines Liedes bei Rundfunk- oder Fernsehsendern in die Charts mit einfließt, entsteht zudem ein Ping-Pong Effekt.

Für erstes Aufsehen sorgt Payola in den 1950er Jahren. Die Praktiken der Payola sind aber bis in die heutige Zeit in der Musikindustrie üblich. Die Plattenfirma Sony BMG, zum Beispiel, zahlt im Juli 2005 im Rahmen eines Vergleichs zehn Millionen US-Dollar um einen Prozeß wegen Payola abzuwenden. Das Plattenlabel Warner Music Group, zahlte kaum ein halbes Jahr später fünf Millionen US-Dollar und wendete mit dieser Strafschadensersatzzahlung ebenfalls ein Gerichtsverfahren ab. Insgesamt wurden somit 15 Millionen US-Dollar an die Rockefeller Foundation für musikalische Erziehung im US-Bundesstaat New York überwiesen.

Anfang 1959 hielt der sogenannte Payola Skandal die US-amerikanische Öffentlichkeit in Atem. Der Grund für die Affäre war die Einschätzung der großen Plattenfirmen, der Markt hätte sich an ihnen vorbei entwickelt. Tatsächlich dominierten die kleinen Independent Plattenfirmen, lizenziert durch die BMI den Markt. Die Konkurrenz der ASCAP behauptete, die Dominanz der BMI wäre lediglich aufgrund von Payola entstanden. Diese Behauptung war im Grunde nichts weiter als das Fortführen eines schon Mitte der 1950er Jahre begonnenen Konkurrenzkampfes, in dem die ASCAP immer wieder versuchte ihre Monopolstellung aufrecht zu halten. Laut einem Artikel des Billboard Magazins war Payola im gesamten Musikbusiness seit den 20er Jahren üblich und ein bekanntes Problem. Doch diesmal kam es zu einer Untersuchung der Federal Communications Commission von insgesamt 25 DJs und Redakteuren auf Bestechlichkeit. Zudem verlangte die Kommission von 5300 Radio- und TV Stationen detaillierte Angaben über Sendeverhalten und die damit verbundenen Leistungen unter Eid. Damit brach eine Welle der Hysterie los. Es kam zu Denunziationen, DJs wurden anonym bedroht, Radio- und TV-Stationen überwachten ihre Mitarbeiter oder unterzogen sie einem Test mit dem Lügendetektor. In der Öffentlichkeit förderten die Medien den Eindruck Payola gäbe es nur im Zusammenhang mit dem Rock'n'Roll, oder wäre gar erst durch diesen entstanden. Die Einstellung des überwiegenden Teils der Bevölkerung, der Rock'n'Roll verderbe und gefährde die Jugend, wurde mit der Assoziation zu kriminellen Machenschaften noch angefeuert. Als Folge wurde im Radio und TV immer weniger Rock'n'Roll Musik gespielt. Zum einen, um dem öffentlichen Druck nachzugeben, zum anderen um nicht den Unwillen einflussreicher Interessensgruppen auf sich zu ziehen, die im Rock'n'Roll eine Art "Bedrohung der nationalen Sicherheit" sahen. Die zwei bekanntesten DJs die während des Payola Skandals beobachtet wurden, waren Dick Clark und Alan Freed. Mit den Anklagen gegen sechs der überwachten DJs und deren Verurteilung 1962 verschwand Payola wieder aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit.

Im Jahr 2005 wurden wieder Bestechungsfälle bekannt. Die Firma Sony/BMG soll mit Urlaubsreisen, Elektronikartikel, Unterstützung für Hörer-Wettbewerbe und der Beteiligung an Betriebskosten New Yorker DJ bestochen haben. Der engagierte Einsatz des Staatsanwalts Eliot Spitzer führte schliesslich zur Zahlung von 10 Millionen Dollar durch Sony/BMG um eine Klage abzuwenden.

Literatur


  • Arnold Shaw: Die Story Des Rock'n'Roll, Rowohlt Verlag, Reinbek 1978, ISBN 3-85445-091-5-627-00096

Siehe auch


Weblinks


Musikindustrie

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