Paulskirche1.jpgDer Paulsplatz ist der größte Platz in der Altstadt von Frankfurt am Main. Er wird im Norden von der Berliner Straße, im Osten von der Neuen Kräme, im Süden von der Bethmann- und der Braubachstraße und im Westen vom Nordbau des Neuen Rathauses (erbaut 1900-08) begrenzt. Seit den Kriegszerstörungen von 1944 ist er im Süden direkt mit dem Römerberg verbunden.
Beherrscht wird der Paulsplatz von der 1789 bis 1833 errichteten klassizistischen Paulskirche, dem Sitzungsort der Frankfurter Nationalversammlung von 1848. Der Platz ist eine Fußgängerzone, wie die Neue Kräme und der Römerberg. Der östliche Teil des Platzes ist mit Platanen bestanden, unter denen im Sommer mehrere Straßencafés ihre Tische aufstellen. Neben mehreren sommerlichen Straßenfesten findet auf dem Paulsplatz, wie auch auf dem Römerberg und in der Neuen Kräme, der Frankfurter Weihnachtsmarkt statt.
Im 18. Jahrhundert wurden die Gebäude zu klein, überdies machte sich ihre Baufälligkeit bemerkbar. 1782 wurde die Barfüßerkirche geschlossen und 1786 abgerissen. 1789 begann der Neubau der Kirche unter Stadtbaumeister Johann Georg Christian Hess, der sich aufgrund der Revolutionskriege bis 1833 hinzog.
Während der gotische Bau der Barfüßerkirche in Ost-West-Richtung orientiert war, wurde die neue Kirche ein ovaler Zentralbau mit einem im Süden vorgelagerten Turm, der auch den Haupteingang bildete. Vor dem Turm legte man einen neuen Platz, den Paulsplatz an. Er war im Westen und Osten nur durch zwei schmale Gassen mit den wichtigsten Nord-Süd-Achsen der Altstadt verbunden: Über die westlich gelegene Paulsgasse mit dem Großen Kornmarkt und über die Wedelsgasse mit der Neuen Kräme und dem Römerberg.
Im Westen, Osten und Norden war die Paulskirche von einer dichten Bebauung umgeben. 1838 verließ das städtische Gymnasium die mittelalterlichen Klostergebäude, die alsbald abgerissen wurden. An ihrer Stelle entstand ein Häuserblock zwischen der Neuen Kräme und der Paulskirche, an dessen nördlichen Ende sich von 1840 bis 1952 die Alte Börse befand.
Im Innern befand sich eine Säulenhalle im maurischen Stil, deren Kapitelle der Mezquita, der Kathedrale von Cordoba nachempfunden waren.
Die Alte Börse war auch Sitz des Frankfurter Telegraphenbüros.
Bereits nach ca. 30 Jahren wurde die Börse zu klein, da sich die Struktur des Börsenhandels nach der Annexion der Freien Stadt Frankfurt durch das Königreich Preußen 1866, vor allem aber nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871, stark verändert hatte. Früher hatte der Handel mit Staatsanleihen dominiert, nunmehr trat der Aktienhandel in den Vordergrund. 1879 bezog die Frankfurter Handelskammer, Träger der Wertpapierbörse, daher einen Neubau, die noch heute so genannte Neue Börse in der Neustadt.
Die Alte Börse wurde von der Saalbau-Gesellschaft übernommen und als Versammlungssaal genutzt. 1944 brannte das Gebäude bei einem schweren Bombenangriff aus. Die übriggebliebenen Außenmauern wurden 1952 abgetragen. Einige erhaltene Fassadenfiguren, allegorische Darstellungen der fünf Erdteile, darunter eine Europa des Bildhauers Johann Nepomuk Zwerger, wurden vor kurzem vor der Neuen Börse aufgestellt.
Die vom Magistrat eingesetzte Kommission entschied sich für den Entwurf des Architekten Friedrich Maximilian Hessemer und des Bildhauers Hugo Kaufmann.
Über einem vierstufigen Unterbau aus Travertin erhebt sich ein Obelisk aus dem gleichen Material, der von einer allegorischen Bronzefigur gekrönt wird. Auf Postamenten um den Sockel befanden sich drei Figurengruppen aus Bronze, welche das Freie Bürgertum, die Alma Mater und die Sängerbewegung verkörperten. Die Figurengruppen wurden 1940 eingeschmolzen.
Zwischen den Postamenten befinden sich drei Relieftafeln: Das erste stellt den Auszug der Burschenschaftler und Freischärler zur Befreiung Schleswig-Holsteins dar, auf dem zweiten nimmt ein Jüngling von seiner Familie Abschied. Darunter steht das Wort von Ernst Moritz Arndt: „Wir sind geschlagen, nicht besiegt. In solcher Schlacht erliegt man nicht!“. Das dritte Relief zeigt eine Gruppe von Männern, die ein Schwert schmieden; einer davon trägt die Züge Bismarcks.
Offen blieb, wen die Allegorie auf der Spitze des Obelisken verkörpert. Zeitgenössische Rezensenten beschreiben die weibliche Figur als Klio, die Muse der epischen Dichtung, aber auch als Germania. Am 18. Oktober 1903, dem 90. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, weihte Oberbürgermeister Franz Adickes das Denkmal ein.
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