Paul-Henri Charles Spaak (* 25. Januar 1899 in Schaerbeek, Belgien; † 31. Juli 1972 in Braine-l'Alleud, Belgien) war ein belgischer Politiker und Staatsmann, der auch in internationalen Organisationen wichtige Ämter inne hatte. Er gilt als einer der Gründerväter der Europäischen Union.
Paul-Henri Spaak war der Enkel des liberalen Politikers Paul-Emile Janson und Neffe eines weiteren Liberalen, Paul Janson, der von 1937 bis 1938 Premierminister von Belgien war. Seine Mutter Marie Janson war die erste weibliche Senatorin des Landes. Während des ersten Weltkrieges gab er sein Alter falsch an, um zur Armee zu dürfen. Er geriet in deutsche Kriegsgefangenschaft, und kam erst nach zwei Jahren frei.
Während Spaak sich vor dem Zweiten Weltkrieg für die völlige Autonomie Belgiens einsetzte, unterstützte er von seinem Londoner Exil aus eine Politik der regionalen Kooperation und gemeinsamen Sicherheit und damit auch die 1944 begründete Zollunion zwischen Belgien, den Niederlanden und Luxemburg, die der Grundstein der Zusammenarbeit der Benelux-Staaten wurde.
1949 wurde Spaak Vorsitzender der parlamentarischen Versammlung des Europarats, von diesem Amt trat er zwei Jahre später zurück.
1952 bis 1954 war er Präsident der Gemeinsamen Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), der ersten Vorläuferorganisation des Europäischen Parlaments. Heute befindet sich dessen Plenarsaal in Brüssel im Gebäude "Paul-Henri Spaak". 1955 wurde er auf der Konferenz von Messina von den europäischen Staats- und Regierungschefs als Vorsitzender eines Ausschusses eingesetzt, der einen Bericht zur Vorbereitung eines gemeinsamen europäischen Marktes erstellen sollte. Dieser so genannte "Spaak-Bericht" führte zur Unterzeichnung der Römischen Verträge und damit zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom) am 25. März 1957 in Rom. Die drei Gemeinschaften zusammen bildeten die Europäischen Gemeinschaften, später Europäische Gemeinschaft (EG).
1956 wurde Spaak Generalsekretär des NATO-Rates. 1961 war er maßgeblich an der Entscheidung beteiligt, Brüssel als neuen Sitz des NATO-Hauptquartiers zu wählen.
1957 erhielt Spaak den Karlspreis der Stadt Aachen. Paul-Henri Spaak zog sich 1966 aus der Politik zurück. Er war Mitglied der Königlichen Belgischen Akademie der Französischen Sprache und Literatur. 1969 veröffentlichte er seine Memoiren unter dem Titel Combats inachevés (Unvollendete Gefechte, 2 Bände). Spaak starb im Alter von 73 Jahren in seinem Haus in Braine-l'Alleud bei Brüssel.
Mann | Belgier | Premierminister (Belgien) | Minister (Belgien) | Politiker (UN) | Karlspreis | Geboren 1899 | Gestorben 1972
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