Paul de Man (* 6. Dezember 1919 in Antwerpen; † 21. Dezember 1983 in New Haven) war ein aus Belgien stammender Literaturtheoretiker, -kritiker und Philosoph.
Im Zentrum seines Interesses stehen die immanenten Widersprüche literarischer Texte, die darauf beruhen, dass sie zugleich rhetorischer und logischer Natur sind. Ein Text sagt etwas aus, will Wissen vermitteln, Aufklärung leisten etc. - das ist sein logischer Aspekt. Um dies zu erreichen, muss er sich aber Mittel, denen eine gewisse Überzeugungskraft innewohnt, also vor allem rhetorischer Figuren bedienen. Es ist de Mans vielfach wiederholte These, dass dieser Doppelcharakter zwangsläufig auf eine Selbstzerstörung des Textes hinausläuft, weil sein rhetorischer Gehalt den logischen hintertreibt. Die meisten seiner Interpretationen insbesondere der Literatur der Romantik kommen zu dem Schluss, dass die sprachlichen Mittel, derer sich ein Text bedient, gerade das Gegenteil von dem aussagen, was der Text logisch kommunizieren möchte - dies ist die Dialektik von Blindheit und Einsicht ("Blindness and Insight", New York 1971). Da die Sprache logische Gegenstände immer nur aus rhetorischen Funktionen zusammensetzen kann, verdeckt sie immer auch den Gegenstand, den sie zeigen möchte.
Eine Ausnahme gilt nur für den literarischen Text. Da sich solche Texte von vorneherein über ihre Rhetorizität im Klaren sind, die Mittel kennen, mit denen sie arbeiten, haben sie im Hinblick auf die Widerständigkeit der Sprache gegenüber logischer Wahrheit einen Vorteil. Literatur hat gerade die 'Blindheit' zum Thema und kann sie daher bewusst unterlaufen. Literarische Texte haben die Fähigkeit, an sich selbst zu demonstrieren, wie Sprache den Blick auf die Wirklichkeit verstellen kann. Indem ein Text vorführt, dass er keiner eindeutigen Lektüre unterzogen werden kann, wird er selbst eine 'Allegorie des Lesens'. Da der Versuch, Texte zu interpretieren , selbst bloß eine rhetorische Funktion der Texte ist, provoziert der Versuch, eine rhetorische Figur auf eindeutigen Sinn festzulegen höchstens ein "misreading". Nur eine dekonstruktive Lektüre, die den leseallegorischen Charakter der Texte erkennt, kann hier ein Ausweg sein. Beispielhaft sind hier Analysen der Texte von Nietzsche, Rilke, Kant, Hegel, Schiller, Rousseau, Proust, Baudelaire, Shelley, Wordsworth, Walter Benjamin, T. S. Eliot und Kleist. De Mans Modus der Sprachkritik steht gedanklich der Dekonstruktion Derridas, der ihm freundschaftlich verbunden war, und dem Poststrukturalismus nahe, jedoch oppositionell zur Postmoderne, insofern seine Theorie die Historizität von Texten bestreitet.
Deutsch:
Mann | Literaturwissenschaftler | Belgier | US-Amerikaner | Philosoph (20. Jh.) | Rhetorik | Geboren 1919 | Gestorben 1983
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