Paul Wittgenstein (* 11. Mai 1887 in Wien; † 3. März 1961 in New York) war ein österreichischer Pianist. Er ist nicht zu verwechseln mit dem Mathematiker gleichen Namens und Neffen von Ludwig Wittgenstein, geb. 1907, der in dem Werk „Wittgensteins Neffe“ des Schriftstellers Thomas Bernhard porträtiert wird.
Wittgenstein wurde in Wien als Sohn des Industriellen Karl Wittgenstein geboren, er hatte acht Geschwister. Zwei Jahre später wurde sein Bruder, der spätere Philosoph Ludwig Wittgenstein geboren. Sein Elternhaus wurde oft von prominenten Persönlichkeiten aus dem Kulturleben besucht, darunter die Komponisten Johannes Brahms, Gustav Mahler und Richard Strauss, mit denen der junge Paul Duette spielte.
Paul Wittgenstein studierte bei Malvine Bree und später bei dem polnischen Virtuosen Theodor Leschetizky. Er debütierte 1913 und einige beachtenswerte Rezensionen wurden über ihn geschrieben. Im nächsten Jahr brach der 1. Weltkrieg aus und er wurde in den Militärdienst einberufen. Er wurde verwundet und bei einem Angriff in Polen von russischen Soldaten gefangengenommen, sein rechter Arm wurde amputiert. Während seiner Genesung beschloss er seine Karriere fortzusetzen, und zwar unter Benutzung lediglich der linken Hand.
Nach dem Krieg setzte Wittgenstein seine Pläne um, studierte intensiv, arrangierte Stücke für die linke Hand allein und lernte neue Stücke, die von seinem alten Lehrer Josef Labor (der selbst blind war) für ihn geschrieben wurden. Er begann Konzerte zu geben und wurde bald berühmt und geachtet. Er erreichte dann mehr berühmte Komponisten und fragte sie nach Stücken. Benjamin Britten (Diversions für Klavier und Orchester), Paul Hindemith, Franz Schmidt, Erich Wolfgang Korngold und Richard Strauss (Parergon und Panathenäenzug) schrieben Stücke für ihn. Maurice Ravel schrieb das mittlerweile sehr berühmte Konzert D-Dur für die linke Hand, Sergej Prokofjew widmete ihm sein 4. Klavierkonzert, dieses liebte Wittgenstein allerdings nicht und spielte es niemals öffentlich.
Viele dieser Stücke werden immer noch oft von zwei-händigen Pianisten gespielt. Sie wurden auch von Pianisten gespielt, die ebenfalls den Gebrauch ihrer rechten Hand verloren haben, so z.B. Leon Fleisher
Die Familie Wittgenstein war einige Generationen vorher zum Christentum konvertiert, doch durch ihre jüdischen Wurzeln wurden sie unter den Nürnberger Gesetzen als Juden eingestuft. Nach der Ausbreitung der NSDAP und der Annexion von Österreich versuchte Paul seine beiden Schwestern zu überzeugen, Wien zu verlassen (Ludwig lebte bereits seit einigen Jahren in England), aber sie weigerten sich. Sie hingen zu sehr an ihrer Heimat und glaubten nicht, dass sich so eine angesehene Familie in wirklicher Gefahr befand. Paul selbst, dem nicht länger erlaubt wurde, öffentlich zu konzertieren, emigrierte 1938 in die USA. Von dort aus gelang es Paul und Ludwig über das Familienvermögen und verschiedene Beziehungen einen nichtjüdischen Status für ihre Schwestern zu bekommen.
Paul wurde 1946 amerikanischer Staatsbürger. Er verbrachte dort den Rest seines Lebens, hauptsächlich unterrichtend. Er starb 1961 in New York.
John Barchilon schrieb einen Roman namens "The Crown Prince", basierend auf Wittgensteins Leben.
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