Paul Gauguin (* 7. Juni 1848 in Paris; † 8. Mai 1903 in Atuona auf den Islas Marquesas) war ein französischer Maler, dessen Werke zu den bekanntesten und bedeutendsten der Welt gehören.
Im Alter von 17 Jahren arbeitete Paul als Matrose auf einem Schiff der französischen Handelsmarine, der Luzitano. Bei seiner Rückkehr, zwei Jahre später, musste Paul von dem Tod seiner Mutter in Saint-Cloud bei Paris erfahren. Elternlos entschloss sich der nunmehr 20-jährige Gauguin, sich für drei Jahre auf einem Kreuzer der Kriegsmarine, der Jérome Napoléon, einzuschiffen.
Nach seinem Dienst bewarb sich Gauguin 1871 beim Pariser Bankhaus Bertin und wurde eingestellt. Zwar war sich Gauguin seines durchaus ansehnlichen Gehaltes von etwa 40.000 Francs pro Jahr und den sich dadurch bietenden Möglichkeiten bewusst, was ihn jedoch abschreckte, war der Gedanke der ewigen Verpflichtung. Zudem lernte er im selben Jahr den Künstler Emile Schuffenecker kennen, der Gauguin ermutigte, einige erste Zeichenversuche anzustellen. 1873 begegnete Gauguin der Dänin Mette-Sophie Gad, heiratete sie und bekam mit ihr nur ein Jahr darauf, im August 1874, seinen ersten Sohn Emile.
In den folgenden Jahren wurde Gauguin durch Begegnungen mit Impressionisten, wie beispielsweise Camille Pissarro, so stark geprägt, dass er sich dazu entschloss, Unterricht auf der Akademie Colarossi in Paris zu nehmen. Gauguin begann zu malen und sammelte eine Vielzahl von heutzutage unbezahlbaren Werken von Pissarro, Cézanne, Degas, Jongkind, Guillaumin und Renoir. Nicht nur Glück in der Kunst, sondern auch Glück im privaten Leben ereilten Gauguin, als Dezember 1876 durch Tochter Aline und 1879 durch Sohn Clovis weiterer Nachwuchs in die Familie kam.
Nach und nach investierte Gauguin immer mehr Zeit in die Malerei, mietete sich bald ein kleines Atelier in der Rue Carcel, und wurde 1880 populär, als er durch die Beziehungen zu Pissarro an der Exposition des Indépendants, einer berühmten Impressionisten-Ausstellung, teilnehmen durfte. Hier entstanden erstmals Streitigkeiten zwischen ihm und seinen Künstlerkollegen. Gauguin wünschte sich 1883 seinen Beruf aufzugeben, um sich mehr der Malerei widmen zu können. Ironischerweise verlor er diesen ohnehin infolge eines Börsenkollapses und entzog sich so jeglicher Rechtfertigung vor seiner Familie. Nach der Geburt seines Sohnes Pola im gleichen Jahr konnte Gauguin die Pariser Wohnung nicht mehr halten, weshalb die Familie, die Lebenskosten einzudämmen als Ziel, vorübergehend nach Rouen zog. Doch schon im November 1884, nach einem relativ kurzen Aufenthalt, zog die mittlerweile sechsköpfige Familie nach Kopenhagen weiter. Gestresst wegen eines Familienstreits der Gads und mit seiner Frau Mette zerstritten, beschloss Gauguin schließlich im Juni, allein nach Paris zurückzukehren.
Nach seinen wohlhabenden Lebensabschnitten als Bankangestellter in Paris, oder als Gast bei Don Pio de Tristan in Peru lernte Gauguin 1886 und in den folgenden Jahren sorgenvollere Zeiten kennen. Aufs Neue genervt von der Pariser (Künstler-) Gesellschaft verschlug es den Maler nach England, wo er einerseits weitgehend durch die schlecht bezahlte Beschäftigung als Plakatkleber von seiner Kunst abgehalten wurde, und sich andererseits dauerhaft um den erkrankten Clovis kümmern musste. Es verstrich nicht viel Zeit, bis dieser Lebenswandel Gauguin aufs Gemüt schlug. Um wieder frei leben und malen zu können, brachte er seinen immer noch kranken Sohn in eine Pension, und schiffte sich schließlich nach Pont-Aven ein, wo er die Bekanntschaft mit dem jungen Pariser Maler und Poeten Emile Bernard und dem Impressionisten Charles Laval machte. Es schien, als hätte sich für Gauguin vieles zum Guten gewendet, da er durch eine Vielzahl jüngerer Künstler finanzielle Unterstützung erhielt.
Die folgenden Jahre sollten sich als besonders prägend für den mit der Zeit immer sozial-kritischeren Künstler herausstellen. Zurück in Paris lernte Gauguin den für Aufsehen sorgenden Holländer Vincent van Gogh und seinen Bruder Theodorus van Gogh kennen. Der Wille, noch mehr von der Welt zu sehen, ließ Gauguin, zusammen mit seinem Freund Charles Laval, ferne Länder bereisen, die Insel Martinique und Panama. Zwar malten beide Künstler zu dieser Zeit sehr viel und auf kreative Weise, das Sumpffieber zwang sie allerdings zur Rückkehr nach Frankreich.
Nach einem Aufenthalt im bretonischen Pont-Aven zeigte sich Gauguin angetan von der Idee, zusammen mit Vincent van Gogh ein Haus in Arles in Südfrankreich zu mieten. Dies sollte der Grundstein für die gemeinsame Arbeit in einer Künstlergemeinschaft sein, die jedoch infolge einiger Meinungsverschiedenheiten, teils heftiger, teils harmloser Streits und dauerhaftem, übermäßigem Alkoholkonsum scheiterte. Bei beiden Künstler wurde eine bipolare Störung konstatiert, die nicht nur unterschiedliche Schaffenskraft und extreme Ausformungen des sonstigen Antriebs und des Gemüts, sondern auch Zunahme sozialer Konflikte bewirkt. Die Konflikte kulminierten - so eine von mehreren Deutungen des Grundes - in einer Auseinandersetzung, die van Gogh dazu veranlasste, sich ein kleines Stück seines Ohres abzuschneiden. Gauguin verließ Arles. Paul_Gauguin_111.jpg In den Jahren 1889 und 1890 hielt sich der zunehmend verbitterte Künstler in Pont-Aven, Le Pouldu und in Brüssel auf. Außerdem erreichte ihn die Nachricht, seine Frau Mette-Sophie Gad wolle endgültig in Kopenhagen bei ihrer Familie bleiben, und sich somit von ihm trennen. Wieder einmal geriet Gauguin in finanzielle Nöte, die ihn dazu zwangen, einen Großteil seiner Werke zu versteigern. Anstatt das Geld jedoch zu benutzen, um sich eine günstige Unterkunft in Paris oder der Bretagne zu besorgen, schiffte sich Gauguin 1891 von Marseille aus nach Tahiti ein. Seine Erwartungen eines unberührten, gänzlich uneuropäischen Volkes wurden im Juni bei seiner Ankunft in Papeete, der Hauptstadt der Insel, jedoch enttäuscht, da die Insel durch Kolonisten und Missionare kaum noch vom entfernten Europa zu unterscheiden war. Aufgrund dessen ließ sich Gauguin etwa 40 km von Papeete entfernt in der Nähe tahitianischer Ureinwohner nieder und baute sich eine primitive Unterkunft. Dort kam er mit der Tahitianerin Tehura zusammen, die ihm viel über die tahitianische Kultur und Mythologie beibrachte.
Wider Willen brach der Künstler später wieder nach Frankreich auf, da er dringend eine professionelle Behandlung seiner körperlichen Beschwerden benötigte. Privates Glück erlebte Gauguin in diesem Jahr, da er eine Javanerin namens Annah Martin kennen lernte. Mit ihr zusammen zog es den mittlerweile 45-jährigen Künstler wieder einmal in die Bretagne, wo ihm ein einschneidendes Ereignis widerfuhr. Infolge eines Streites geriet Gauguin in eine Schlägerei mit bretonischen Dorfbewohnern. Als Konsequenz aus dem Kampf musste er nun mit einem gebrochenen Knöchel leben, einer Verletzung, die niemals vollständig verheilte.
1894 ist schließlich jenes Jahr in dem der französische Künstler Paul Gauguin sich endgültig dazu entschloss, nach Tahiti zurückzukehren, deutlich ahnend, daß er die letzte Etappe seiner langen Weltreise und auch seines Lebens antrat.
Um sich von dem eindeutig europäischen Lebensstil innerhalb der Hauptstadt zu distanzieren, baute sich der Künstler aufs Neue ca. 30 km entfernt eine instabile, primitive Hütte. Seine Hoffnung, zu seiner früheren Partnerin Tehura zurückkehren zu können, wurde enttäuscht, da diese während seiner Abwesenheit geheiratet hatte. Nach einigen sexuellen Ausschweifungen mit mehreren Tahitianerinnen stieg sein Interesse jedoch an einer Jugendlichen namens Teha’amana, die ihn zu seinem Ärger allerdings aufgrund seiner offenbar ekelhaft anzusehenden Knöchelverletzung zurückwies.
Neben dieser Blessur hatte Gauguin noch mit Sumpffieber, vorübergehenden Hungerphasen, und den Folgen des Alkoholismus sowie des übermäßigen Rauchens zu kämpfen. Gauguins Lebensweise holte ihn jetzt auf schmerzhafte Weise ein, sodass er häufige Krankenhausaufenthalte in Papeete erdulden musste. Es war vorauszusehen, dass diese physischen Beeinträchtigungen sich früher oder später auch auf seine Psyche auswirken würden. Ähnlich wie in seinem gesamten Leben zuvor, wechselten sich Tragödie und Glück immer wieder ab. Neue Kraft bekam der Künstler beispielsweise durch seine neue Geliebte, die gerade erst 14-jährige Pahura, die ihm Trost verschaffte, und ihm wie so viele seiner Partnerinnen als Modell diente. Ende 1896 brachte Pau'ura ihr erstes Kind zur Welt, welches schon kurz nach der Geburt starb. Erst der Sohn Emile, der am 19. April 1898 entbunden wurde, überlebte.
Im Jahre 1897 trafen Gauguin aufs Neue eine Reihe von bewegenden Schicksalsschlägen, wie etwa der durch Tuberkulose verursachte Tod seiner Tochter Aline. In dieser Zeit betrieb er oftmals Gotteslästerungen die ihm wahrscheinlich dazu dienten, seine eigenen Schwächen zu rechtfertigen und seine ihn quälenden Schuldgefühle zu verdrängen. Weitere Aggressionen richtete der mit seinem Selbsthass kämpfende Mann gegen seine ehemaligen Künstlerkollegen in Paris. Neben diesen Stressfaktoren verschlimmerten sich zu allem Überfluss noch im selben Jahr seine körperlichen Beschwerden dramatisch. Die durch die Schlägerei in der Bretagne verursachte Knöchelverletzung entzündete sich auf so extreme Weise, dass ihm das eigenständige Laufen beinahe unmöglich wurde. Zusätzlich erblindete der stark angeschlagene Gauguin fast an einer schweren Bindehautentzündung, was ihn in besonderem Maße deprimierte, da er so eine halbjährige künstlerische Pause einlegen musste.
Nach mehreren Herzanfällen kündigte der verzweifelte Künstler schließlich ein Selbstmord-Vorhaben an, distanzierte sich vom Inselvolk und malte im Laufe eines Monats auf nahezu akribische Art und Weise sein wahrscheinlich bedeutendstes Werk: Das riesige Gemälde Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir? stellt einen Lebenslauf dar, dessen Ende nicht etwa harmonisch und ausgeglichen, sondern wie das Ende seines eigenen Lebens hoffnungslos wirkt.
Kurz nach der Fertigstellung entschloss sich der Künstler, seinen Seelenqualen ein Ende zu machen, indem er Arsen einnahm, dieses allerdings wieder erbrach. Anstatt sich weiterhin seiner Kunst zu widmen, nahm er einen Job im Amt für öffentliche Arbeit in Papeete an, und betätigte sich als Journalist für die Lokalpolitik.
Am Ende seines Lebens suchte Gauguin noch einmal nach einem Neubeginn. Ein Schwede kaufte ihm seine Hütte in Punaauia auf Tahiti ab. Gauguin bestritt davon seinen Umzug auf die Marquesas-Insel Hiva Oa. Am 16. September 1901 traf er dort ein. Wieder baute er sich eine Hütte – in Atuona – und wohnte dort mit seiner vierzehnjährigen Geliebten Vaeoho, die er einem Kaziken abgekauft hatte. Durch seine ständige Augenentzündung, wahrscheinlich auf Syphilis zurückzuführen, die er sich 1887 bei seinem Amerika-Aufenthalt geholt hatte, konnte er nur noch wenig sehen, malte aber trotzdem weiter. Sein bevorzugtes Modell in dieser Zeit war Tohotama, die Frau eines Schamanen von der Insel Tahuata. Durch seinen Lebensstil machte er sich den katholischen Bischof zum Feind und wurde deswegen 1903 zu 500 Francs Strafe und drei Monaten Haft verurteilt. Aber er starb am 8. Mai 1903. Begraben wurde Paul Gauguin im marquesischen Dorf Atuona in einer unauffälligen, aber nicht vergessenen Ruhestätte.
Er verglich die Wirkung von Farben mit der Wirkung von Klängen und vertrat die Auffassung, dass Malerei "wie die Musik auf dem Umweg über die Sinne auf die Seele wirkt, deren harmonische Farbtöne den Harmonien der Klänge entsprechen." (Zitat-Quelle fehlt)
Seine letzten Werke haben meist südländische Frauen als Motiv und zeichnen sich durch gesteigerte Farben und vereinfachte Formen aus. Die Flächigkeit und die ausdrucksstarken Umrisslinien lassen erkennen, dass sich Gauguin auch vom japanischen Holzschnitt inspirieren ließ.
Seine Bilder hängen in allen großen Kunstmuseen der Erde.
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