Paul Bley (* 10. November 1932 in Montreal) ist ein kanadischer Jazz-Pianist des Free Jazz. Er wohnte und arbeitete lange Zeit in den USA.
Paul Bley lernte als Kind ab 1938 Geige und ab 1940 Klavier. Bereits mit 11 Jahren war 1944 seine musikalische Ausbildung am McGill Conservatory abgeschlossen. 1946 gründete er seine erste Band. 1948 lernte er in seiner Geburtsstadt Montreal Oscar Peterson kennen, der ihn in die Jazzszene einführte und den er wenig später in der Alberta Lounge am Klavier ersetzen sollte. Bley leitete den Montreal Jazz Workshop, zu dem er Musiker wie Charlie Parker oder Sonny Rollins nach Montreal brachte.
1950 folgte Bley Peterson nach New York, wo er bis 1954 an der Julliard School of Music studierte. Während des Studiums trat Bley weiter auf, absolvierte auch Tourneen mit Art Blakey, Louis Armstrong und anderen und war Stammgast in Lenny Tristano's. 1952 wurde er Bandleader bei Charles Mingus, der noch im selben Jahr Bleys Debüt-Album produzierte.
1956 lernte Bley Carla Borg kennen, die er drei Jahre später heiraten sollte, und die als Carla Bley einen eigenen Namen in der Jazzwelt erlangte. Das Paar musizierte künftig auch gemeinsam. Die Zusammenarbeit sollte knapp zehn Jahre Bestand haben. Von 1957-59 lebte Bley in Los Angeles, wo er Chet Baker, Ornette Coleman, Don Cherry und viele andere begleitete. 1959 Rückkehr nach New York, wo sich um dem Klarinettisten Jimmy Giuffre mit Steve Swallow und Paul Bley die "Jimmy Giuffre 3" bildeten. Diese Formation trat erstmals nun auch in Europa auf. Ab 1963 für ein Jahr beim Orchester von Sonny Rollins, Plattenaufnahmen, Japan-Tournee.
Neben seinen Engagements bei anderen Jazzgrößen hatte Bley in den 60er Jahren naoch sein eigenes Trio mit Gary Peacock und Paul Motian. In der ersten Hälfte der 1960er Jahre versuchte Paul Bley in der damals im Umbruch befindlichen und sehr experimentierfreudigen Jazzszene mit dem Kontrabassisten Scott LaFaro und Musikern wie Billy Higgins, Charlie Haden, Albert Ayler, Don Cherry und Ornette Coleman freiere musikalische Ausdrucksmöglichkeiten zu finden. Ihre Konzerte und die von Sun Ra und anderen, die sich dem "New Thing" des Jahres 1964 verschrieben hatten, gelten als die Wiege des Free Jazz. Bley sollte zu einem der wichtigsten Pianisten dieses Genres werden.
Ende der 60er Jahre trat Bleys neue Lebenspartnerin Annette Peacock auf den Plan. 1968 verwendete Bley erstmals Synthesizer, und als erste Jazzgruppe setzte sein Trio ein großes elektronisches Set live in der Philharmonic Hall in New York City ein.
Ab 1971 wandte sich Paul Bley verstärkt Solodarbietungen zu, Konzerte führten erneut nach Europa. 1972 Aufnahme des ersten Soloalbums. 1974 Gründung des Plattenlabels Improvising Artists Inc. (IAI) gemeinsam mit der Videokünstlerin Carol Goss, die Bleys Auftritte mit eigens gestalteten Filmsequenzen illustrierte. Aufnahme einiger Synthesizer-Soloalben, aber auch insbesondere von Sessions mit zahlreichen anderen Musikern. Bei Aufnahmen für IAI hatte u. a. Pat Metheny sein Schallplattendebüt. Auf IAI hat Bley inzwischen weit über 100 Alben veröffentlicht, oftmals mit seinen Begleitern seit den 60er Jahren: Giuffre, Swallow, Peacock und Motian.
Zahlreiche Tourneen mit Jazz-Größen führen Paul Bley immer wieder auch nach Europa, u.a. mit Evan Parker und Barre Phillips 1997 für einige Gastspiele in die Schweiz.
1999 hat Paul Bley seine Autobiografie "Stopping Time" vorgelegt. 2003 erschien ein Interviewbuch unter dem Titel "Time will tell".
Hier eine Auswahl seiner Platten:
Jazz-Pianist | Kanadier | Geboren 1932 | Mann
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