Paul Benjamin Auster * (* 3. Februar 1947 in Newark, New Jersey) ist ein US-amerikanischer Schriftsteller und Regisseur. Er lebt in Brooklyn und hat mit der Schriftstellerin Siri Hustvedt zwei Kinder.
Leben
Seine Eltern waren jüdische Immigranten aus Österreich. In seinem letzten High-School-Jahr ließen sich seine Eltern scheiden. Er und seine Schwester lebten nach der Tennung bei ihrer Mutter. 1966 beendete Auster die High-School und machte eine Reise nach Europa. Auf dieser Reise entdeckte er seine Vorliebe für die französische Sprache und Kultur. Ende der 60'er Jahre kam er zum Schreiben. Nach seiner Rückkehr studierte er bis 1970
Anglistik und
Vergleichende Literaturwissenschaft an der
Columbia University. Nach Abschluss seiner Studien lebte er 1971 bis 1974 in Frankreich und arbeitete in
Paris als
Übersetzer. Anschließend nahm er einen Lehrauftrag an der
Columbia University an, übersetzte nebenberuflich französische Autoren ins Englische und arbeitete als Herausgeber französischer Literatur in amerikanischen Verlagen.
Austers erster veröffentlichter Roman war eine Detektivgeschichte mit dem Titel Squeeze Play. Er verfasste dieses Werk noch unter dem Pseudonym Paul Benjamin.
Werk
Weltbekannt wurde Auster durch seine Serie experimenteller Detektivgeschichten, die gesammelt als
The New York Trilogy (1987) veröffentlicht wurden und gilt heute als einer der führenden amerikanischen Autoren . Die
Trilogie enthält die Geschichten
City of Glass – Stadt aus Glas (1985), in der es um einen Krimiautor geht, der im Laufe der Erzählung verschiedene Identitäten annimmt.
Ghosts – Schlagschatten (1986), handelt von einem Detektiv namens Blau, der einen Mann namens Schwarz für seinen Kunden Weiß beobachtet.
The Locked Room – Hinter verschlossenen Türen (1986), ist die Geschichte eines Autors, der das Leben eines anderen Autors für eine Biographie aufarbeitet und dabei dessen Identität annimmt. Jeder der drei Romane wirkt zu Beginn eher wie eine klassische Kriminalgeschichte. Die Beobachtungen und Nachforschungen der Protagonisten münden jedoch nicht in der Aufklärung eines Kriminalfalles oder der Erledigung eines Auftrags, sondern sie reflektieren und veranschaulichen letztendlich ihr persönliches Schicksal und führen im weiteren Verlauf der Handlung zur Selbsterkenntnis.
Austers Detektivgeschichten sprengen den gewöhnlichen Rahmen dieses Genres. Die Form dient der Darstellung und Analyse existentieller Probleme und Fragen nach der menschlichen Identität. Die Suche nach Identität zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk Austers. In seinem neuen Roman "Nacht des Orakels" versucht Auster dem Geheimnis zufälliger Begegnungen auf die Spur zu kommen, die dem Leben ihre entscheidende Wendung geben. Der Romanheld Sidney Orr gewinnt in seinem neu geschenkten Leben zunächst alles, was er anstrebt, um wenig später durch unvorhersehbare Wendungen wieder alles zu verlieren. Mit "Smoke" und "Blue in the Face" wurde Auster 1996 auch zu einem erfolgreichen Drehbuchautor.
2006 wurde ihm der Prinz-von-Asturien-Preis in der Sparte Geisteswissenschaften verliehen.
Sonstiges
Auster war kurzzeitig in den 70'er Jahren, bevor er erfolgreich als Schriftsteller gearbeitet hat, als Spieleentwickler tätig. Er hat damals ein Kartenspiel mit dem Titel
Action Baseball entwickelt, was ein komplettes Baseball-Spiel in einem Kartenspiel nachstellen sollte. Er fand jedoch keinen Verlag, der das Spiel veröffentlichen wollte. Später beschreibt er die Geschichte um dieses Spiel in seinem autobiografischen Roman
Von der Hand im Mund, in der er die Spielkarten des Spiels und auch seinen ersten Roman
Squeeze Play als Anhang abdrucken ließ.
Romane
- The New York Trilogy. Faber&Faber, London 1987. ISBN 0-571-16864-7
- In The Country of Last Things. Viking, New York 1987. ISBN 0-670-81445-8
- Übersetzung: Im Land der letzten Dinge. Dt. von Werner Schmitz. Rowohlt, Reinbek 1989. ISBN 3-498-00025-X
- Moon Palace. Viking, New York 1989. ISBN 0-670-82509-3
- Übersetzung: Mond über Manhattan. Dt. von Werner Schmitz. Rowohlt, Reinbek 1990. ISBN 3-498-00028-4
- The Music of Chance. Viking, New York 1990. ISBN 0-670-83535-8
- Übersetzung: Die Musik des Zufalls. Dt. von Werner Schmitz. Rowohlt, Reinbek 1992. ISBN 3-498-00036-5
- Leviathan. Viking, New York 1992. ISBN 0-670-84676-7
- Übersetzung: Leviathan. Dt. von Werner Schmitz. Rowohlt, Reinbek 1994. ISBN 3-498-00039-X
- Mr. Vertigo. Viking, New York 1994. ISBN 0-670-85209-0
- Übersetzung: Mr. Vertigo. Dt. von Werner Schmitz. Rowohlt, Reinbek 1996. ISBN 3-498-00042-X
- Timbuktu – A Novel. Henry Holt, New York 1999. ISBN 0-8050-5407-3
- Übersetzung: Timbuktu. Dt. von Peter Torberg. Rowohlt, Reinbek 1999. ISBN 3-498-00053-5
- The Book of Illusions. Henry Holt, New York 2002. ISBN 0-8050-5408-1
- Oracle Night. Henry Holt, New York 2003. ISBN 0-8050-7320-5
- Übersetzung: Nacht des Orakels. Dt. von Werner Schmitz. Rowohlt, Reinbek 2004. ISBN 3-498-00064-0
- Brooklyn Follies. Henry Holt, New York 2005. ISBN 0-8050-7714-6
Lyrik
- Unearth. Weston, Connecticut 1974.
- Wall Writing. The Figures, Berkeley 1976. ISBN 0-685-79213-7
- Effigies. 1977.
- Fragments from Cold. Parenthèse, Brewster/New York 1977.
- Facing the Music. Station Hill, Barrytown/New York 1980. ISBN 0-930794-29-X
- Disappearances. Overlook Press, Woodstock/New York 1988. ISBN 0-87951-328-4
- Übersetzung: Vom Verschwinden. Dt. von Werner Schmitz. Rowohlt, Reinbek 2001. ISBN 3-499-22721-5
- Ground Work: Selected Poems and Essays. Faber & Faber, London 1990. ISBN 0-571-14153-6
- Selected Poems. Faber&Faber, London 1998. ISBN 0-571-19509-1
Essays und Autobiografie
- The Invention of Solitude Sun, New York 1982. ISBN 0-915342-37-5
- Übersetzung: Die Erfindung der Einsamkeit. Dt. von Werner Schmitz. Rowohlt, Reinbek 1993. ISBN 3-498-00033-0
- The Art of Hunger: Essays, Prefaces, Interviews. Menard, London 1982. ISBN 0-903400-78-2
- Übersetzung: Die Kunst des Hungers. Dt. von Werner Schmitz. Rowohlt, Reinbek 2000. ISBN 3-499-22719-3
- The Red Notebook and Other Writings. Faber&Faber, London 1995. ISBN 0-571-17433-7
- Übersetzung: Das rote Notizbuch. Dt. von Werner Schmitz. Rowohlt, Reinbek 1996. ISBN 3-498-00048-9
- Hand to Mouth: A Chronicle of Early Failure. Henry Holt, New York 1997. ISBN 0-8050-5406-5
- Übersetzung: Von der Hand in den Mund: eine Chronik früher Fehlschläge. Dt. von Werner Schmitz. Rowohlt, Reinbek 1999. ISBN 3-499-22634-0
Filme
- Smoke/Blue In The Face
- Drehbuch: Smoke & Blue in the Face: two films. Faber&Faber, London 1995. ISBN 0-571-17569-4
- Übersetzung: Smoke & Blue in the face: zwei Filme. Dt. von Werner Schmitz. Rowohlt, Reinbek 1995. ISBN 3-499-13666-X
- Lulu On The Bridge (Regie)
- Drehbuch: Lulu on the Bridge: a film. Henry Holt, New York 1998. ISBN 0-8050-5978-4
- Übersetzung: Lulu on the bridge: ein Film mit Mira Sorvino und Harvey Keitel Dt. von Werner Schmitz. Rowohlt, Reinbek 1998. ISBN 3-499-22426-7
Weiterführende Literatur
- Anne M. Holzapfel: The New York trilogy. Whodunit? Tracking the structure of Paul Auster’s anti-detective novels. Lang, Frankfurt am Main 1996. (= Studien zur Germanistik und Anglistik; 11) ISBN 3-631-49798-9
- Beate Hötger: Identität im filmischen Werk von Paul Auster. Lang, Frankfurt am Main u.a. 2002. (= Europäische Hochschulschriften; Reihe 30, 84) ISBN 3-631-38470-X
- Martin Klepper: Pynchon, Auster, DeLillo. Die amerikanische Postmoderne zwischen Spiel und Rekonstruktion. Campus, Frankfurt am Main u.a. 1996. (= Nordamerikastudien; 3) ISBN 3-593-35618-X
- Steffen Sielaff: Die postmoderne Odyssee. Raum und Subjekt in den Romanen von Paul Auster. Univ. Diss., Berlin 2004.
- Carsten Springer: Crises. The works of Paul Auster. Lang, Frankfurt am Main u.a. 2001. (= American culture; 1) ISBN 3-631-37487-9
- Springer, Carsten: A Paul Auster Sourcebook. Frankfurt a. Main u. a., Peter Lang, 2001.
- Dennis Barone (Hrg.): Beyond the Red Notebook. Essays on Paul Auster. Penn Studies in Contemporary American Fiction. University of Pennsylvania Press, Philadelphia (2. Aufl. 1996)
- Gerard de Cortanze, James Rudnick: Paul Austers New York. Gerstenberg, New York; Hildesheim, 1998
- Ulrich Greiner: Gelobtes Land. Amerikanische Schriftsteller über Amerika. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1997
- Werner Reinhart: Pikareske Romane der 80er Jahre. Ronald Reagan und die Renaissance des politischen Erzählens in den USA. (Acker, Auster, Boyle, Irving, Kennedy, Pynchon). Narr, Tübingen 2001
Weblinks
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