Patriotismus (von lat. patria, Vaterland, bzw. von gr. patrios, von einem Vater stammend), auch Vaterlandsliebe genannt, ist eine Haltung, die eine emotionale Verbundenheit mit der eigenen Nation auf Grund ethnischer, politischer bzw. kultureller Merkmale beschreibt. Patrioten ist daran gelegen, dass ihre Nation in allen Feldern, wie in der Politik, in der Wirtschaft oder beim Sport, möglichst gut abschneidet. Patriotismus unterscheidet sich in seiner Wortbedeutung von Nationalismus und Chauvinismus, indem der Begriff allein die Identifikation mit dem eigenen Land zum Ausdruck bringen soll und damit keine Abwertung anderer Völker und Nationen impliziert werden soll.
Kritiker sind der Ansicht, dass die Grenze zwischen einem „positiven“ Patriotismus und einem „negativen“ Nationalismus offen verlaufe, so könne nie eine exakte Unterscheidung zwischen beiden Termini vorgenommen werden: Es bestehe immer die Gefahr, dass Nationalisten ihre extremen politischen Einstellungen durch den Begriff des Patriotismus zu kaschieren versuchen. Außerdem könne es passieren, dass durch einen „auferzwungenen“ Hurra-Patriotismus pluralistische Meinungen unterdrückt werden. Besonders in Deutschland sei der Begriff des Patriotismus aufgrund des politischen Missbrauchs in der Vergangenheit teilweise negativ konnotiert.
Politisch in der Masse der Bevölkerung verankert wurde der Patriotismus und positiv verstandene Nationalismus vor allem durch die französische Revolution von 1789 bis 1799. Spätestens in den napoleonischen Kriegen wurde die Idee des Patriotismus auch in den bürgerlichen Schichten anderer europäischer Länder verbreitet. Diese Idee ging zunächst einher mit den liberalen und demokratischen Idealen der französischen Revolution „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ und wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach dem Sieg über Napoleon von den meisten reaktionären europäischen Fürstentümern in der Zeit der metternichschen Restauration nach dem Wiener Kongress 1814/15 unterdrückt.
Seit der Mitte des 19. Jahrhundert wurde der Begriff des Patriotismus zunehmend verbunden mit Nationalismus und Chauvinismus, d.h. dem Glauben an die Überlegenheit der eigenen Nation und der damit einhergehenden Abwertung anderer Nationen. War der Patriotismus in Deutschland bis zur Märzrevolution noch getragen von dem Wunsch nach nationaler Einheit und der Überwindung alles Trennenden auf dem Gebiet des Deutschen Bundes (Hoffmann von Fallerslebens Deutschlandlied ist durchdrungen von diesem Wunsch), so wandelte sich der Patriotismus im zweiten Kaiserreich von 1871 - auch in der Folge der letztlich gescheiterten patriotischen, liberalen Nationalbewegung in Deutschland seit den Befreiungskriegen gegen Napoleon Bonaparte bis zur Märzrevolution 1848/49 - hin zu nationaler Überheblichkeit („Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“). Besonders die Faschisten bzw. Nationalsozialisten Europas beriefen sich auf den Patriotismus, um allgemeine Zustimmung für ihre verbrecherischen Ziele zu bekommen.
Dennoch wird eine patriotische Einstellung von Kritikern oft mit Nationalismus gleichgesetzt, oder als Tarnung für nationalistische Ansichten betrachtet, da auch Nationalisten für sich den Anspruch erheben, Patrioten zu sein.
Ein grundsätzliches Problem des Patriotismus besteht darin, dass der Begriff „Vaterland“ eine willkürliche Abstraktion darstellt und damit jedes politische Spektrum für sich in Anspruch nehmen kann, das Beste für das Land zu wollen.„Konservative“ Patrioten, die einem etablierten Regime wohlgesonnen sind (und zu den Unterstützern einer herrschenden Regierung gehören) können meinen, Patriotismus bedeute die Unterstützung der eigenen Regierung und ihrer Politik. Für andere (kritische und „progressive“ Patrioten) jedoch können die Bestrebungen zum Verbessern der Bedingungen des Vaterlands eine Antriebskraft ihres Patriotismus sein, was sich in einer oppositionellen Haltung gegenüber einer Regierung / einem politischen System niederschlagen kann.
Nach Ansicht von Kritikern des Patriotismus - zumeist aus dem linken politischen Spektrum - bestehe die Gefahr, dass Patriotismus als Vorwand verwendet wird, um die eigene Meinung als höherwertig darzustellen und andere Vorstellungen als zerstörerisch für das Vaterland zu diffamieren. Es wird meist dem gegnerischen politischen Spektrum unterstellt - häufig aus der Opposition heraus - in Konfliktzeiten kritische Stimmen durch deren Deklarierung als "unpatriotisch" vom öffentlichen Diskurs auszuschließen.
Einen besonders ausgeprägten Patriotismus gibt es in den USA. So müssen dort die Schüler in vielen Bundesstaaten den Treueschwur der USA (Pledge of Allegiance) aufsagen und viele Häuser sind mit der Nationalflagge versehen. Merkmal des amerikanischen Patriotismus ist die starke Verknüpfung mit religiösen Symbolen, Ritualen und Werten des meist protestantischen Christentums. Besonders kontroverse Entscheidungen der Regierung wurden oft mit Appellen an den Patriotismus untermauert (z.B. der U.S. Patriot Act). Damit verbunden ist der Versuch, möglichst breite Zustimmung zu erhalten. Kritiker behaupten, der Patriotismus werde dazu genutzt, öffentliche Kritik bereits im Vorfeld als un- bzw. antiamerikanisch darzustellen und so vom Diskurs auszuschließen.
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