Patrick McGoohan (* 19. März 1928 in Astoria, New York) ist ein amerikanischer Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur. Obwohl in Amerika geboren, erlangte er vor allem Bekanntheit mit englischen Filmen und TV-Serien. Er ist ebenfalls als Bühnenschauspieler gefragt.
Nach dem Willen seiner Mutter sollte Patrick eigentlich Priester werden. Diesen spielte er jedoch später nur auf der Bühne. Nach der Schule, in der er sich auszeichnete in Mathematik und im Boxen, wurde er Hühnerfarmer, Bankangestellter und Lastwagenfahrer, bis er eine Anstellung als Bühnenmanager bei der Sheffield Repertory bekam. Als einer der Schauspieler erkrankte, übernahm McGoohan seine Rolle und bedauerte es nie. Hier lernte er auch seine Ehefrau Joan Drummond kennen, die er zwischen einer Probe zu „The Taming of the Shrew“ (Der Widerspenstigen Zähmung) und der Abendvorstellung heiratete.
McGoohan scheute sich niemals vor Kontroversen. So spielte er 1955 in einer West-End-Produktion einen Priester, der der Homosexualität angeklagt wurde. Orson Welles war so beeindruckt von dieser Darstellung, dass er McGoohan verpflichtete, den Starbuck in seiner Yorker Bühnenfassung von Moby Dick zu spielen.
Während McGoohan noch als Ersatzmann bei Film-Probeaufnahmen einsprang, unterzeichnete er einen Vertrag mit der Rank Organisation, die eher als Produzent billiger Melodramen bekannt war statt hoher Filmkunst. Es wurde deutlich, dass die Firma mehr an seinen Boxkünsten und seinen stahlblauen Augen interessiert war, als an seiner Schauspielkunst. So wurde er überwiegend als Bösewicht eingesetzt, z.B. in „Duell am Steuer“ (Hell Drivers, 1957) oder in „Dämon Weib“ (The Gypsy and the Gentleman, 1958). Nach nur wenigen Filmen kam es zum Krach mit der Firmenleitung von Rank, und McGoohan löste den Vertrag auf.
Nachdem er den Vertrag los war, kontaktierte ihn der Produzent Sir Lew Grade für eine Fernsehrolle in der Schwarzweiß-Serie „Geheimagent John Drake“ („Secret Agent“, auch: „Danger Man“, 1960). Aus der Erfahrung mit dem Rank-Vertrag schlau geworden, stellte McGoohan allerdings einige Bedingungen: Alle vorkommenden Faustkämpfe mussten sich voneinander unterscheiden, der Charakter „John Drake“ sollte erst sein Gehirn und möglicherweise danach erst seine Pistole benutzen, und vor allem - zum Entsetzen der Produzenten - keine Küssereien. Nichtdestrotz, er bekam den Vertrag. Die Serie selbst lief dann aber nur für ein Jahr. Auf die Frage eines Reporters, ob er die Serie nicht lieber fortgeführt hätte, sagte McGoohan: „Ich würde lieber zwanzig Fernsehfilme machen, als noch einmal das durchzumachen, was ich unter dem Rank-Vertrag machen musste – wofür ich niemanden tadele, außer mich selbst“. Die Serie erwies sich dann in der Syndikation bald als Dauerbrenner und erlangte einen gewissen Kultstatus.
Nachdem er dann einige Filme, auch für Disney, wie „Die drei Leben des Thomasina“ (The Three Lives of Thomasina, 1964) oder „Dr. Syn - Das Narbengesicht“ (The Scarecrow of Romney Marsh, auch 1964), gemacht hatte und nebenbei noch die Rollen eines James Bond und eines Simon Templar (The Saint) abgelehnt hatte, kontaktierte ihn Lew Grade erneut mit der Anfrage, ob er den „John Drake“ nicht noch einmal spielen wolle. McGoohan stimmte zu, nachdem die Geschichten auf eine Stunde ausgedehnt und die Drehbuchqualitäten verbessert wurden und so McGoohan mehr schauspielerische Qualitäten abforderten.
Die neuen Serienfolgen wurden ungemein populär, und McGoohan war eine zeitlang der bestbezahlte Schauspieler in England. Dennoch, nach der vierten Staffel, in der auch zwei Folgen in Farbe gedreht wurden, gab McGoohan die John-Drake-Rolle auf.
Auf die Frage von Lew Grade, ob er denn nicht weiter für ihn arbeiten wolle, war McGoohan vorbereitet und hatte schon ein Exposée für eine neue siebenteilige Serie in der Tasche, in der ein Geheimagent seinen Job hinwirft, entführt wird und in einem Gefängnis erwacht, das als Urlaubsort getarnt ist. Die Serie wurde dann auf siebzehn Teile erweitert, weil man die Form „Mini-Serie“ noch gar nicht erfunden hatte. Die Serie wurde Nummer 6 (The Prisoner, 1963) genannt, gedreht in der surreal anmutenden Kulisse des Nordwalisischen Dorfes Portmeirion, und MacGoohan war nun Hauptdarsteller und Regisseur zugleich. Die Serie wurde in Deutschland vom ZDF ausgestrahlt. Die Serie wurde sehr kontrovers diskutiert, und nach der umstrittenen letzten Folge sah sich McGoohan sogar veranlasst, England erst einmal zu verlassen.
Im Laufe der Jahre entwickelte sich auch „The Prisoner“ zum Kult. In jedem Jahr finden in Portmeirion Veranstaltungen rund um die Serie statt und die daran teilnehmenden Fans verkleiden sich als Einwohner von Nummer 6' Gefängnisort.
Weitere bekannte Kinofilme mit Patrick McGoohan sind „Eisstation Zebra“ (Ice Station Zebra, 1968), „Flucht von Alcatraz“ (Escape from Alcatraz, 1979) und „Braveheart“ (1995). Seit den 1970er-Jahren war er viermal in der TV-Serie „Columbo“ in den Folgen „Des Teufels Corporal“ (By dawn's early light), „Tod am Strand“ (Identity crisis), „Mord nach Termin“ (Agenda for murder) und „Das Aschenpuzzle“ (Ashes to ashes) als Mörder zu sehen. Außerdem führte er mehrere Male Regie.
Mann | US-Amerikaner | Schauspieler | Geboren 1928
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